Die Zukunft des Sommerbades im Halberstädter Ortsteil Langenstein scheint ungewiss. Nachdem das beliebte Freibad im vergangenen Jahr erstmals in Regie der Stadtverwaltung Halberstadt betrieben worden ist, muss nun der Stadtrat darüber entscheiden, ob das Bad trotz der Haushaltskonsolidierung und der Sparmaßnahmen im Sommer geöffnet wird. Angesichts der Tatsache, dass der Badbetrieb im vorigen Jahr 50 000 Euro Verlust verursacht hat, dürften sich einige Fragenzeichen ergeben.

Halberstadt/Langenstein. Beliebt, idyllisch gelegen und nicht zuletzt deshalb auch ein Magnet weit über die Ortsgrenzen von Langenstein hinaus. Attribute und Fakten, mit denen das Sommerbad im Halberstädter Ortsteil auf der einen Seite wuchern und punkten kann. Auf der anderen Seite stehen indes finanzielle Rahmenbedingungen, die den weiteren Betrieb des Freibades nicht zuletzt aufgrund der finanziellen Situation der Kreisstadt mit einem dicken Fragezeichen versehen: Im vergangenen Jahr seien mit dem Betrieb des Bades unterm Strich 50 000 Euro Verlust eingefahren worden, ließ Stadtsprecherin Ute Huch gestern auf Volksstimme-Anfrage wissen.

Das ist vergleichsweise wenig zur Gesamtschuldenlast der Kreisstadt. Gleichwohl stellt sich die Frage, ob die Kommune gewillt ist, das Sommerbad, dessen Betrieb auch in der Zukunft Defizite erwarten lässt, weiter zu halten. Eine Frage, die die Langensteiner Ortschaftsräte und in letzter Konsequenz der Stadtrat Halberstadt im Rahmen der Haushaltskonsolidierung treffen müssten, wie die Stadtsprecherin klarstellt. Am kommenden Dienstag, dem 22. März, wird das Thema im Ortschaftsrat Langenstein diskutiert.

Auf diese grundsätzliche Weichenstellung im Stadtrat verweist auch der Geschäftsführer der städtischen Nosa GmbH, Gerhard Bieler: Die Betriebsgesellschaft Freizeit- und Sportzentrum Halberstadt mbH habe als 100-prozentige Tochter der Nosa das Langensteiner Freibad im vorigen Sommer im Auftrag der Stadt betrieben.

"Wir hatten 2010 lediglich den Auftrag der Stadt, das Freibad eine Saison lang zu betreiben."

Damit sei einerseits der im Gebietsänderungsvertrag gegenüber Langenstein "definitiv zugesagte" Saisonbetrieb 2010 erfüllt worden. Andererseits hatte schon damals Dietz Kagelmann, ebenfalls Nosa-Geschäftsführer, gegenüber der Öffentlichkeit klar signalisiert, dass 2010 gewissermaßen als Testsaison zu werten sei und anschließend - basierend auf den dabei gewonnenen Fakten und Zahlen - für die weitere Zukunft entschieden werden müsse. Das Freibad selbst, daran erinnert Bieler jetzt ausdrücklich, sei dabei stets im Eigentum der Stadt geblieben. "Wir hatten 2010 lediglich den Auftrag der Stadt, das Freibad eine Saison lang zu betreiben", betont er.

Die dabei gesammelten Erfahrungen hätte die Stadtverwaltung am liebsten bis zur Ortschaftsratssitzung am Dienstag streng vertraulich behandelt. Erst dort - und nicht schon vorab auf Presseanfrage hin - gebe es alle Zahlen und Fakten, hatte es zunächst aus dem Rathaus geheißen. "Wir hätten gern erst den Ortschaftsrat Langenstein unterrichtet", versuchte Stadtsprecherin Huch diese anfängliche Verweigerungshaltung der Stadt zu begründen. Gestern machte die Verwaltung die Zahlen der Vorjahre dann aber doch publik.

Demnach seien im vergangenen Jahr exakt 10 454 zahlende Badegäste in Langenstein registriert worden, die rund 15 000 Euro in die Kassen gespült hätten. Dem hätten in der städtischen Testsaison 2010 unterm Strich wiederum Ausgaben für Betrieb, bauliche Unterhaltung und Personal in Höhe von rund 65 000 Euro gegenüber gestanden. "Wir haben also eine klare Unterdeckung in Höhe von rund 50 000 Euro", bilanziert die Stadtsprecherin.

Und damit nicht genug: Der Blick auf die Besucherzahlen der Vorjahre lässt noch weit schlechtere Betriebsergebnisse befürchten, denn 2010 war im Vergleich zu den Jahren 2007 bis 2009 eine geradezu traumhafte Saison. So seien 2007 nur 4 380 Gäste gezählt worden. In den Folgejahren 2008 und 2009 kletterten die Besucherzahlen auf knapp 8 000 und gut 9 200 Badegäste, ist der städtischen Bilanz zu entnehmen.

"Wir haben also eine klare Unterdeckung in Höhe von rund 50 000 Euro."

Die reinen Gästezahlen sind freilich nur ein Aspekt, die Ausgaben der andere. So mussten unmittelbar vor dem Saisonstart 2010 sehr kurzfristig Arbeiten erledigt werden, um das Bad überhaupt öffnen zu können. Damals waren nach einem Stromausfall eher zufällig technische Abläufe und Leitungsführungen bekannt geworden, die Dietz Kagelmann gegenüber der Volksstimme als "illegal" bezeichnet hatte.

Hintergrund war laut Kagelmann die Tatsache, dass im Bad früher Brunnenwasser genutzt worden war, das mit Spuren von Arsen und Mangan belastet war. Um diese Schadstoffe aus dem Wasser zu entfernen, seien Chemikalien eingesetzt worden. Letztlich sei chemikalienbelastetes Rückspülwasser aus den Filteranlagen des Freibades in den nahen Goldbach eingeleitet worden, so Dietz Kagelmann damals.

"Unsere Bademeister sind auf Lehrgang - ich gehe deshalb davon aus, dass das Bad öffnet."

Konsequenz für die neuen Betreiber: Binnen kürzester Zeit mussten 2010 neue Leitungen verlegt werden. Zudem stieg man von billigem, aber belastetem Brunnenwasser um auf unbelastetes aber weitaus teureres, Trinkwasser. Ein Fakt, der die Betriebskosten im Jahr 2010 womöglich nachhaltig negativ beeinflusst hat.

Vor Ort in Langenstein ist momentan derweil großes Schulterzucken angesagt: Auch Ortsbürgermeisterin Ursula Kirste ist zum jetzigen Zeitpunkt alles andere als erbaut, sich öffentlich zum Freibad zu äußern. "Ich möchte dazu im Moment nichts sagen." Auch sie hoffe auf die Ortschaftsratssitzung am Dienstag und rechne dann mit Fakten und Aussagen seitens der Verantwortlichen der Stadtverwaltung.

Gleichwohl gibt sich Ursula Kirste optimistisch: "Unsere beiden Bademeister sind aktuell zu einem Lehrgang in Hannover", weiß sie und zieht daraus optimistische Schlüsse: "Das würde ja wohl kaum passieren, wenn das Freibad geschlossen bleiben würde. Ich gehe deshalb davon aus, dass das Freibad geöffnet wird."

Wirklich? Gerhard Bieler sieht die Situation offenbar längst nicht so positiv, wird im Gespräch deutlich. Zwar seien die Anlagen im Sommerbad Langenstein alles in allem "gut gepflegt", bestätigt Bieler. Das dürfe aber nicht über ein grundsätzliches Problem hinweg täuschen: "Das ist alles liebevoll und engagiert gepflegt worden - letztlich sind die Pumpen aber vergleichsweise alt." Aktuell gebe es beispielsweise undichte Stellen in dem mit Folie ausgelegten Becken des Freibades - geschätzter Reparatur-Kostenpunkt: 5 000 Euro.

Wohl auch deshalb hat die Nosa und mit ihr deren Tochter Betriebsgesellschaft bereits klar Position bezogen: "Die Betriebsgesellschaft hat eine Übertragung des Freibades für sich bereits abgelehnt", stellt Bieler klar und ergänzt rein vorsorglich: "Im Prinzip können wir den Bedarf mit dem Sport- und Freizeitzentrum sowie dem Halberstädter See abdecken."

"Die Betriebsgesellschaft hat eine Übertragung des Freibades für sich bereits abgelehnt."

Gute Signale klingen anders. Zumindest reduziert sich damit die Zahl der denkbaren Zukunftsszenarien. Insider sehen drei mögliche Wege: Dem Fortbetrieb des Bades unter städtischer Regie oder aber das vorläufige oder gar dauerhafte Schließen aufgrund der angespannten Haushaltslage der Stadt. Hierfür müsse eine Grundsatzentscheidung her, die möglicherweise Mitte April im Stadtrat gefasst werden könnte, meint auch Gerhard Bieler.

Zudem ist denkbar, einen alternativen Betreiber für das Bad zu suchen. Allerdings dürfte dies wegen der Kosten und des Abwinkens bei der Nosa mehr als schwierig sein. Zudem bliebe bei einer Ratsentscheidung zugunsten des Sommerbades abzuwarten, wie die Aufsichtsbehörden eine solche freiwillige Aufgabe und die damit verbundenen Kosten beurteilen würden.

Und auch die Chance der Langensteiner, in Sachen Freibad Druck zu machen und die Verantwortlichen in Halberstadt konkret in die Pflicht zu nehmen, scheinen letztlich gering: Nach Gerhard Bielers Worten war laut Gebietsänderungsvertrag nur der Saisonbetrieb 2010 den Langensteinern verbindlich zugesagt.

"Im Prinzip können wir den Bedarf mit Freizeitzentrum und Halberstädter See abdecken."

Der frühere Langensteiner Bürgermeister Holger Werkmeister erinnert sich zwar, dass die Räte den Sommerbad-Betrieb ursprünglich "auf Dauer" im Gebietsänderungsvertrag festschreiben wollten. Das Landesverwaltungsamt habe als Prüfinstanz jedoch darauf gedrungen, diese Festlegung nur "vorbehaltlich der finanziellen Situation" zu treffen. "Wir haben das dann auf Drängen des Landesverwaltungsamtes mit aufgenommen, weil wir Fristen einhalten mussten, um unsere Mitbestimmungsrechte maximal wahrzunehmen und die vom Land in Aussicht gestellten Zuwendungen zu erhalten", sagt Werkmeister.

Das deckt sich mit der Auskunft von Stadtsprecherin Huch: Alle Ratsbeschlüsse erfolgten danach "im Rahmen der zur Verfügung gestellten Haushaltsmittel".

Die öffentliche Sitzung des Ortschaftsrates findet am Dienstag, dem 22. März, um 19 Uhr im Schäferhof statt.