Halberstadt. Heute wäre er 70 geworden, der Mann mit den leuchtend blauen Augen, der so herzerwärmend lächeln konnte und der seinen Kopf selten gerade hielt. Johann-Peter Hinz war ein nachdenklicher Mensch. Der geneigte Kopf konnte einen beim Fotografieren manchmal verzweifeln lassen. Umso mehr liebten Vertreter meiner Zunft seine Äußerungen: klug, bedacht und auf Lösungen orientiert.

Der Künstler und der Politiker Johann-Peter Hinz hat viele Spuren im Stadtbild hinterlassen - und in den Herzen der Menschen. Nein, natürlich war er kein Heiliger, auch nicht unumstritten. Aber er war einer, der ausgleichend wirkte, der um der Sache willen kämpfte, nicht des eigenen Ansehens wegen.

Er fehlt in der Stadt, noch immer ist die Lücke, die sein Wirken hinterließ, nicht gefüllt. Immer gegen Gewalt engagiert, wurde der Künstler, der ein so sprödes Material wie Eisen in wundervolle Plastiken verwandelte, ein Mann der Politik. Widerwillig zwar, aber zwangsläufig. Denn was er schon weit vor der Wende 1989 begonnen hatte, wollte er auch weiterführen. Sein Engagement für die Rettung der Altstadt, für die Erinnerung an die vernichtete jüdische Gemeinde Halberstadts, seine Rolle in der Zeit der Wende, sein tiefes Verständnis von Demokratie - all dies konnte nach der Wende nur bedeuten, weiterzumachen auf der politischen Ebene. Obwohl Mitbegründer des Neuen Forums, wirkte er nach 1990 parteiübergreifend für den Aufbau demokratischer Strukturen in Halberstadt und für eine positive Stadtentwicklung. Als Stadtratspräsident hat er Maßstäbe gesetzt.

Die Ehrung mit dem Bundesverdienstkreuz 1991 war dem bescheidenen Familienvater fast peinlich. Ebenso, als er 2001 Ehrenbürger Halberstadts wurde.

Nicht nur heute erinnere ich mich an den humorvollen, arbeitseifrigen, sich - und auch seine engsten Vertrauten nie schonenden - Mann, der so für Halberstadt brannte. Und der sich geschichtlicher Verantwortung stellte, nicht nur in seiner Tätigkeit für den Erhalt der Gedenkstätte in Langenstein-Zwieberge, sondern auch, als Halberstadt 2001 eigene Wege bei der Entschädigungszahlung für osteuropäische Zwangsarbeiter ging. Mut hatte er, und Zuversicht. Die konnte er anderen Menschen ebenso vermitteln wie er sie mitriss mit seiner Begeisterung für manche, auf den ersten Blick irrwitzige Projekte. Das John-Cage-Orgel-Projekt in der Burchardikirche ist so eines dieser Projekte.

Vor der Kirche steht eine große Skulptur, Zeitsprünge. Die hatte der Pfarrersohn, der 1946 als Fünfjähriger aus dem zerstörten Kolberg ins zerstörte Halberstadt kam, für die Expo 2000 geschaffen. Vielleicht werden bald weitere Arbeiten von Johann-Peter Hinz auf dem einstigen Klosterhof zu finden sein. Es wäre eine schöne Hommage für den gelernten Betonbauer, Bauschlosser und Kunstschmied und studierten Metallgestalter, der den Gleimliteraturpreis mit ins Leben rief, der das Kunstforum Halberstadt ebenso mitbegründete wie bereits 1990 das Kuratorium Stadtentwicklung und der auch die Entstehung der Moses-Mendelssohn-Akademie in Halberstadt mit beförderte.

Man begegnet Werken von Johann-Peter Hinz an vielen Stellen der Stadt - am Telekomgebäude, vor der Harzsparkasse im Westendorf, am Sitz der HaWoGe, im Lichtengraben, vor dem Dom und beim Läuten der Domglocken. Mehr Begegnungen mit Werken des Künstlers werden wohl ab diesem Jahr möglich sein. Der 2009 gegründete Johann-Peter-Hinz-Förderverein will große und kleine Arbeiten im Herrenhaus des Burchardiklosters ausstellen. Dafür haben die derzeit 43 Mitglieder schon 16 000 Euro gesammelt und Firmen als Unterstützer gewonnen. In vier Räumen der oberen Etage und auf dem Außengelände soll die Dauerausstellung ihren Platz finden. Ich bin mir sicher, ihn würde es freuen, auch wenn es ihm ein bisschen peinlich wäre ...