Irmela Mensah-Schramm ist seit 25 Jahren unterwegs, um faschistische Aufkleber und Graffiti zu entfernen. Die Ausstellung darüber ist in der Zora zu sehen. Christin Käther sprach mit der Menschenrechtlerin über ihre Arbeit.

Volksstimme: Was hat Sie dazu veranlasst, faschistische Schmierereien zu entfernen und diese in einer Ausstellung zu dokumentieren?

Irmela Mensah-Schramm: Ich bin früher auf dem Weg zur Arbeit täglich an solchen Sprüchen vorbeigefahren. Die Erkenntnis, nicht sofort reagiert zu haben und dass mir auch keiner damit zuvorgekommen ist, hat mich zum Handeln veranlasst. Es ist ein gutes Gefühl. Ich habe mich gefragt, wenn nicht du, wer sollte es dann tun? Ich habe damit sporadisch gehandelt. Ich möchte die Leute mit dem Kopf in die Problematik reintunken. Deswegen wollte ich unbedingt eine Ausstellung machen. Mir war erst nicht klar, wie sie aussehen soll. Es sollten aber friedliche Bilder sein, die den Menschen Mut machen und ihnen zeigen, dass man selbst etwas tun kann.

Volksstimme: Wie reagieren die Menschen auf Ihre Ausstellung?

Mensah-Schramm: Die Leute sind unheimlich betroffen. Sie meinen, draußen auf der Straße hätten sie die Schmierereien nicht so wahrgenommen und wollen in Zukunft mehr darauf achten.

Volksstimme: Sie waren ja auch schon in Halberstadt mit dem Putzeimer unterwegs. Wie waren da Ihre Eindrücke?

Mensah-Schramm: Als ich hierher kam, sind mir einige Graffiti aufgefallen, die ich mit roter Farbe übersprüht habe. Eine ältere Frau kam zu mir und meinte, sie würde sich über die vielen roten Kullern freuen. Morgen früh mache ich noch einmal einen Rundgang um den Bahnhof. Mir passiert das sehr oft, dass ich aus dem Zug springen will, weil ich denke, hier ist was. Und ich hatte immer recht. Über die Jahre habe ich so über 90 000 Aufkleber entfernt.