Halberstadts Amtsgericht wird 100 Jahre alt. Das imposante Gebäude in der Richard-Wagner-Straße 52 soll zum Jubiläum im Herbst entsprechend würdig präsentiert werden. Vorgesehen ist unter anderem eine Ausstellung. Dafür werden jetzt dringend historische Fotos und Dokumente gesucht.

Halberstadt. Frithjof Büttner wirkt selbst ein wenig verwundert. "Ein Fünftel" der Geschichte des Halberstädter Amtsgerichtes hat er selbst begleitet, sagt dessen Direktor. 1991 war hier sein erster Arbeitstag. Zunächst als zweiter Mann, ab 2001 in der Chefposition.

52 Beschäftigte, darunter sieben Richter, zählt die Behörde derzeit. Rund 2500 Vorgänge werden jährlich insgesamt abgearbeitet.

Am 30. September 1911 war das Gebäude eröffnet worden. Genau auf den Tag 100 Jahre später sollen die Halberstädter eingeladen werden, das Haus in der Richard-Wagner-Straße 52 zu besichtigen. Der Ablauf für das Programm steht zwar noch nicht genau fest. Sicher ist allerdings, dass es eine Ausstellung zur Geschichte des als bedeutend geltenden Baus im spätgotischen Stil mit Einflüssen der Frührenaissance geben soll. Doch genau das ist aktuell das Problem. Frithjof Büttner: "Die Justiz selbst verfügt über nichts mehr." Weder historische Fotos, noch Dokumente sind zu finden. Der 59-Jährige vermutet dafür zwei Gründe. Entweder wurde kein Zeit-zeugnis aufbewahrt oder es ist irgendwann verschollen.

Belegt werden kann der Baubeginn im Jahre 1908. Damals noch außerhalb der Stadtmauern. Als Domizil für das Landgericht. Deshalb ist seine äußerliche Gestaltung wie auch die innere räumliche Aufteilung erheblich großzügiger ausgefallen als bei solchen Gebäuden seinerzeit üblich. Davon zeugen zudem der reiche architektonische Schmuck an den Giebeln, die von vier monumentalen Rundbogen getragene äußere Vorhalle sowie das ebenfalls üppig verzierte Hauptportal. Hinter diesem verbirgt sich ein von steinernen Löwen gekröntes breit angelegtes Treppenhaus.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges ist es wohl Landgericht geblieben, vermutet der Direktor. Bei dessen Ende im Frühjahr 1945 muss hier zeitweise auch die Stadtverwaltung einquartiert worden sein. Frithjof Büttner: "Es gibt noch Unterlagen über das Mobiliar, das zur Verfügung gestellt wurde." Zu DDR-Zeiten beherbergte das Haus das Staatliche Notariat und die Staatsanwaltschaft. Letztere zieht übrigens momentan wieder ein - in den seit der Konzentration des Arbeitsgerichtes in Magdeburg verwaisten Seitenflügel.

Wer zum Gelingen des Jubiläums beitragen möchte, wird gebeten, sich möglichst bis Ostern unter Telefon (0 39 41) 67 00 an den Direktor selbst zu wenden oder sich bei den Wachtmeistern (Email: poststelle.ag-hbs.justiz.sachsen-anhalt.de) zu melden. Das Material soll dann auf Leihbasis mit Herkunftsnachweis gezeigt werden. Dabei müssen nicht unbedingt Originale zur Verfügung stehen. Büttner: "Wir würden die auch abfotografieren." Ebenso willkommen sind Archivalien, die in Bild und Text Aufschluss über die Entwicklung der Richard-Wagner-Straße und des angrenzenden Wohnviertels geben.

Während Justitia so auf den Spuren ihrer eigenen Geschichte wandelt, wird für selbige unterdessen bereits das nächste Kapitel geschrieben. Auf der Hofseite des Gebäudes haben die Vorbereitungen zur Montage eines Fahrstuhls begonnen.

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