Halberstadt. Zugausfälle und Verspätungen bestimmten gestern das Bild auf dem Halberstädter Bahnhof. Etwa 90 Lokführer und Servicemitarbeiter des HarzElbeExpress (HEX) beteiligten sich am 24-Stunden-Streik, zu dem die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer aufgerufen hatte. Die Streikenden fordern unter anderem gleichen Lohn für gleiche Arbeit, gleiche Aus- und Weiterbildungsstandards sowie eine Absicherung der Lokführer bei Fahrdienst- und Berufsunfähigkeit.

"Ich verdiene 30 Prozent weniger als meine Kollegen bei der Deutschen Bahn AG. Unterm Strich sind das 500 Euro für die gleiche Arbeit", berichtet ein HEX-Lokführer, der seinen Namen nicht nennen möchte, weil es bereits Drohungen der HEX-Geschäftsführung gegen Streikende gegeben habe. Er berichtete, dass das Nahverkehrsunternehmen Ausbilder und Büropersonal eingesetzt habe, um einen Notbetrieb auf den Strecken zu sichern. Viele Reisende hätten Verständnis für den Streik gezeigt, so der Lokführer.

Wolfgang Kofer zeigte hingegen nur bedingt Solidarität. "Die Informationen, ob Züge fahren oder nicht, waren sehr verwirrend. Meine Frau wollte mit dem Zug nach Magdeburg fahren. Aber bei der unsicheren Lage werde ich sie mit dem Auto bringen." Darüber ärgere sich Wolfgang Kofer, aber: "Sonst bin ich von den Privatbahnen begeistert. Sie sind pünktlich, sauber und die Mitarbeiter höflich."

Julia Bütow, die aus Salzgitter kam, war sehr sauer, dass sie auf einen Bus umsteigen musste, um nach Quedlinburg zu gelangen. "Ich finde das nicht gut, dass der Streit auf den Rücken anderer ausgetragen wird." Bundeswehrsoldat Rene Dressel hätte Mittags seinen Dienst in Potsdam antreten müssen. "Ich komme zu spät und habe nicht wirklich Verständnis für diesen Streik", zeigte sich der Wernigeröder verärgert.