Die Einwohner von Langenstein sind wild entschlossen, mit allen Mitten gegen die drohende Schließung ihres Freibades zu kämpfen: Morgen wollen sie vor der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses an der Liebfrauenkirche in Halberstadt demonstrieren. Sie wollen dabei nicht nur Forderungen aufmachen, sondern präsentieren den Verantwortlichen in Verwaltung und Stadtrat konkrete Vorschläge, um das Bad in der Regie eines Fördervereins zu betreiben und die Stadt finanziell zu entlasten.

Halberstadt/Langenstein. Das Ziel ist klar, der Weg dorthin alles andere als gesichert - doch der Langensteiner Ortschaftsrat und Stadtrats- abgeordnete Jürgen Meenken bekundet im Namen von Langensteiner Bürgern pure Entschlossenheit: "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg." Dieser Devise wollen Meenken und mit ihm zahlreiche Einwohner aus dem Halberstädter Ortsteil folgen. Zum einen, indem sie im Rahmen der morgigen Beratung des Stadtentwicklungsausschusses ab 16.30 Uhr an der Halberstädter Liebfrauenkirche demonstrieren und so dem vorige Woche einmütigen gefassten Beschluss des Ortschaftsrates, wonach das "Freibad Langenstein auch in der Zukunft betrieben werden soll", optisch unübersehbar Nachdruck verleihen. Und zum anderen, indem sie in einem Brief an den Stadtteil-Verantwortlichen im Rathaus, Dieter Krone, zugleich eine Reihe von Vorschlägen machen.

"Wir sind nicht so naiv zu glauben, dass der Antrag" aus Langenstein, der nun in den Ausschüssen sowie Mitte April im Stadtrat behandelt wird, "in der Form mehrheitsfähig sein wird", gibt sich Meenken realistisch. Schließlich, so der Kommunalpolitiker, sei die extrem schwierige finanzielle Lage der Kreisstadt - und damit auch die Langensteins - hinlänglich bekannt. Deshalb benennen die Langensteiner in ihrem Brief Vorschläge und Lösungsansätze, um das Bad in diesem Jahr zu öffnen und es zugleich langfristig zu retten. Dabei skizzieren sie letztlich auch Vorteile für die gesamte Stadt. "Der Stadtrat soll so in die Lage versetzt werden, dem Projekt Sommerbad zuzustimmen und die nachhaltige Fortführung des Badebetriebes in Langenstein zu unterstützen", bringt Meenken das Anliegen auf den Punkt.

Entscheidend für die Zukunft des Sommerbades sei es vorerst, den Badebetrieb bis Mitte Mai aufzunehmen und zugleich nach langfristig soliden finanziellen Betriebsmöglichkeiten zu suchen. Die beiden Kernfragen formuliert Meenken im Brief so: "Wie können wir die pünktliche Eröffnung des Bades ermöglichen und wie können wir die Stadtkasse entlasten?"

Ausgehend vom Defizit der vergangenen Badesaison, rücke die Frage in den Fokus, wie rund 50 000 Euro aufzubringen sind. Mit Blick auf diese Situation formulieren die Langensteiner eine Reihe von Vorschlägen: So könnte das Freibad für einen symbolischen Preis von einem Euro pro Jahr an einen kurzfristig zu gründenden Langensteiner Bäderverein verpachtet werden. Da das Bad im Eigentum der Stadt bleiben würde, entstünden dieser dabei keine Bilanzverluste. Zugleich deckelt die Stadt ihren Anteil am Badebetrieb mit einem jährlichen Zuschuss über 20 000 Euro, mit dem sie die Stelle eines Bademeisters finanziert. "Damit würde die Stadt mit finanziell überschaubaren Mitteln ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung, Freizeitangebote für Jung und Alt vorzuhalten, nachkommen und zugleich die Attraktivität Halberstadts erweitern", schlussfolgert Meenken.

Zugleich präsentiert er als Vertreter der Langensteiner im Stadtrat Halberstadt auch Lösungen für die aktuell bekannten Schäden oder drohende Havarien im Freibad: Punkt eins ist das Leck in der Dichtungsbahn des Beckens, das die Stadt jüngst genannt hatte und dessen Reparatur mit 5000 Euro veranschlagt wird. "Wir Langensteiner übernehmen die Kosten für die Instandsetzung", kündigt Meenken an und verweist auf eine bereits vorliegende Zusage zur Kostenübernahme. Kosten für etwaige weitere Havarien an Pumpen oder technischen Bauteilen wollen ebenfalls Sponsoren übernehmen, die ihre Zusage laut Meenken bereits gegeben haben.

"Wie können wir das Bad öffnen und zugleich die Stadtkasse entlasten?"

Die Akteure wollen jedoch auch die Langensteiner Einwohner als Retter des Freibades ganz konkret - und finanziell - mit ins Boot holen: "Die Bürger bekommen zwei Monate Zeit, ihr Interesse zum Erhalt des Bades zu unterlegen, indem in diesen zwei Monaten mindestens 400 Bürger zahlendes Mitglied im Bäderverein werden", skizziert Meenken und rechnet den Gegenwert zusammen: Bei einem Jahresbeitrag von 50 Euro, der pro Mitglied mit einem Dauerbaderecht verbunden ist, stünde eine sichere Einnahme in Höhe von 20 000 Euro. Und damit wären unterm Strich schon 40 000 Euro der insgesamt 50 000 Euro Defizit aus dem Jahr 2010 finanziert.

Hinzu kommen weitere Vorschläge: Verpachtung der Gastronomie während der Badesaison nach einem Besucherschlüssel. Angepasste Tickets, die gestaffelt nach Stunden, Tagen, Monaten sowie als Jahres- oder eben Vereinskarten abgegeben werden.

Zudem sehen die Langensteiner Möglichkeiten, den Betriebsablauf im Freibad zu optimieren und so die Kosten zu senken. Auch die Suche nach weiteren Sponsoren sollte forciert werden, mahnt Meenken und erinnert an seine persönliche Offerte, das Freibad im Sommer kostenlos mit Wärme aus der Biogas-Anlage seines Milchhofes zu versorgen. "Das könnte mittelfristig einen verlängerten Badebetrieb ermöglichen und helfen, die Kosten bei Duschen und Heizung zu senken", ist Meenken überzeugt. Zudem ließe sich die Attraktivität des Freibades damit insgesamt steigern. Allein der Bau einer rund 900 Meter langen Leitungstrasse sei dafür notwendig. Die technischen und hygienischen Punkte könnten nach und nach den heutigen Ansprüchen angepasst werden.

Dem Aufwand für den Erhalt und Betrieb des Freibades stellt Meenken auch Vorteile gegenüber, von denen die Stadt Halberstadt beim Fortbestand des Bades profitieren würde: Das Bad sei eine gute Ergänzung zum Halberstädter See und zum Sea Land. "Außerdem unterlegen wir unsere Zustimmung zur Erklärung von Barcelona mit Fakten, indem wir ein Freibad vorhalten, in dem viele Senioren sowie behinderte Menschen baden gehen können." Zudem würden die Halberstädter den Einwohnern der neuen Ortsteile beweisen, dass sie zu Halberstadt gehören und dass ihr Engagement gewürdigt wird. Letztlich werde die Attraktivität von Langenstein, Halberstadt und der Region gesteigert - das könne helfen, die Abwanderung junger Menschen zu verhindern, gibt Meenken zu bedenken.

"Rein pragmatisch gesehen kostet das Sommerbad der Stadt eine verhandelbare, überschaubare Summe bei garantiertem Imagegewinn", schlussfolgert Meenken und hofft auf eine Zustimmung bei Stadträten und Verwaltung: "Es liegt bei Ihnen, die beste Entscheidung für Halberstadt zu fällen - ist das Bad aber erst geschlossen, ist es für immer ,tot\'. Geben Sie uns die Chance zum Erhalt unseres Freibades."