Die Oskar Kämmer Schule hat in Halberstadt ein neues Projekt gestartet. In zwei Kleingartenanlagen betreibt das Bildungswerk bis Mitte Oktober vier sogenannte Sozialgärten.

Halberstadt. Zu DDR-Zeiten heiß begehrt wie Apfelsinen und Bananen, obwohl sie dort nicht wuchsen. Trotzdem genossen viele Kleingärtner die Freiheit, auf "eigener" Scholle Obst und Gemüse anzubauen und damit die häusliche Speisekarte zu bereichern. Heute findet man immer mehr verwaiste Parzellen in den Kleingartenanlagen. Auch in Halberstadt.

Die Oskar Kämmer Schule will ein Zeichen setzen, das Gute mit dem Nützlichen verbinden. Das Bildungswerk hat jeweils zwei verwilderte Kleingärten in den Anlagen "Dr. Hausschild" und "Eintracht" in eigene Regie übernommen. Insgesamt eine Fläche von etwa 1300 Quadratmetern. Zumindest für ein halbes Jahr, bis zur letzten Ernte am 13. Oktober. Was geschieht dort?

"Wir haben unser Projekt \'Sozialgärten\' Mitte März gestartet", berichtet Uwe Hildebrandt, stellvertretender Standortleiter der Oskar Kämmer Schule, auf Volksstimme-Nachfrage. Zehn langzeitarbeitslose Frauen und Männer verwandeln die verkrauteten Kleingärten wieder in grüne Idyllen, wo Äpfel, Gurken, Tomaten, Kartoffeln und mehr leckere und vor allem gesunde Köstlichkeiten wachsen sollen. Bei erfolgreicher Ernte - die die Macher einfach erwarten - verzehren allerdings nicht die fleißigen Gärtnerinnen und Gärtner die Früchte ihrer Arbeit. Die erhalten Schulen und die Wärmestube in Halberstadt.

In Ilsenburg habe man so ein Projekt bereits über zwei Jahre erfolgreich betrieben, erzählt Uwe Hildebrandt. 70 bis 80 Kilogramm Kartoffeln habe man dort geerntet und an die Tafel beziehungsweise die Schulen abgegeben.

Vor dem Erfolg in Halberstadt steht derzeit aber noch harte Arbeit. "Gott sei dank hat seit dem Start des Projektes das Wetter mitgespielt", ist der Projektleiter erleichtert. Die Mitarbeiter - passend zur Aufgabe in grüne Overalls gekleidet - haben schon Schweißtropfen vergossen. Gras- und Unkrautflächen wurden umgegraben, im ersten Garten sind bereits die Beete bestellt. Zeit, um die Hände in den Schoß zu legen, ist dennoch nicht. "Wenn die Saat im Boden ist, wollen wir uns auch ein wenig um die verwaisten Gartenhäuser kümmern", sagt Uwe Hildebrandt. Schließlich sei es auch Anliegen, die aufbereiteten Gärten wenn möglich ab Oktober wieder in die Hände von Kleingärtnern abzugeben.

Nicht in allen Gartenanlagen sei man mit dem Projekt "Sozialgärten" auf Begeisterung gestoßen, so Hildebrandt. "Es gibt immer wieder unberechtigt Misstrauen und Vorurteile, die teils auch nicht auszuräumen waren." In der "Eintracht" und "Dr. Hauschild" sei das im Großen und Ganzen aber gelungen. "Vor allem die Nachbarn der verwilderten Gärten freuen sich darüber, dass die hässlichen Unkrautecken verschwinden", weiß Uwe Hildebrandt. Der hofft, dass das Projekt Sozialgärten im kommenden Jahr noch weiter ausgebaut werden kann. Das hängt aber von der KoBa ab, die dafür das Geld zur Verfügung stellen muss.

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