Es war ein bewegender Abend im Veltheimer Dorfgemeinschaftshaus. Jürgen Junker, 18 Jahre lang ehrenamtlicher Bürgermeister und Ortsbürgermeister des Dorfes, wurde als Ehrenbürger ausgezeichnet. Er ist damit der 13. Ehrenbürger im Gebiet der Stadt Osterwieck.

Veltheim. Eine Sondersitzung des Ortschaftsrates bildete den Rahmen der Auszeichnung. Das Gremium, dem Jürgen Junker von 1990 bis 2008 vorsaß. Aber auch langjährige Weggefährten und Vereinsvertreter kamen ins Dorfgemeinschaftshaus, um den 67-Jährigen für dessen Lebenswerk zu ehren.

"Aus vier Jahren sind 18 geworden", sagte Jürgen Junker in seiner Dankesrede sichtlich gerührt. Er war Brigadier in der LPG Hessen, als die politische Wende kam und 1990 die ersten freien Kommunalwahlen bevorstanden. Seine Kollegen meinten, es ändere sich sowieso nichts. "Ich hatte nie die Absicht, Bürgermeister zu werden." Junker warb - neben der SPD - eine unabhängige Gruppe Kandidaten und erhielt bei der Wahl die meisten Stimmen. Eine überraschende Situation, vor der er nicht kneifen wollte. Damals wurde der Bürgermeister noch aus der Mitte des Gemeinderates gewählt. Seine Frau Brigitte, so bekannte er nun, wollte erst gar nicht, dass er Gemeindechef wird. Doch es sollte ja nur für vier Jahre sein ...

Einen Anteil an dieser Entscheidung hatte auch Dieter Schliephacke, Junkers neuer Arbeitgeber im niedersächsischen Partnerdorf Roklum. Schliephacke war dort Landwirt und auch Bürgermeister - und riet dem Veltheimer zu.

Bei der Veltheimer Bürgermeisterei blieb es nicht allein. Im Zuge von Gebietsreformen entstand erst die Verwaltungsgemeinschaft Aue-Fallstein und später die Gemeinde Aue-Fallstein mit ihren Gremien. Jürgen Junker erklärte sich bereit, auch hier Verantwortung zu übernehmen. Anfangs als Vorsitzender des Gemeinderates und noch bis Ende 2009, als diese Gemeinde aufgelöst wurde, als stellvertretender Bürgermeister. Auch das alles ehrenamtlich.

"Ein Mann, der Klartext reden kann"

Somit hat Junker nicht nur seine Aktien daran, dass Veltheim nach 1990 aufblühte. Vorbei die Zeit ohne Abwasserkanäle, die Zeit der alten Stromleitungen und der wenigen Telefone. Er stellte auch mit die Weichen für die Sicherung der Schullandschaft mit der modernen Sekundarschule in Dardesheim und Grundschule in Hessen.

In Veltheim setzte er sich für das Dorfgemeinschaftshaus ein, für die Feuerwehr oder die Sanierung des Kirchturms, der ja der politischen Gemeinde gehört.

Ob so vieler Lobeshymnen an dem Abend stellte der Geehrte aber klar: "Das war nicht nur ich, sondern das ging nur gemeinschaftlich."

Marco Jede ist in Veltheim der Amtsnachfolger von Jürgen Junker. In seiner Laudatio würdigte er den Geehrten auch als "einen Mann, der Klartext reden kann", der die Fähigkeit besitzt, Streitigkeiten zu beenden und die Parteien wieder auf den Zielpfad zu führen. "Er hat die Truppe immer zusammengehalten."

Vielleicht sind das noch Fähigkeiten aus seiner Zeit als Berufssoldat. 1962 ging Jürgen Junker freiwillig zu den Grenztruppen und kam so 1966 nach Veltheim. Aufgewachsen war er in Westeregeln in der Börde, wo er zunächst auch Traktorist lernte. Als Grenzer musste er 1979 unfreiwillig den Dienst quittieren. Anlass war ein Treffen mit seinem Bruder, der in den 1950er Jahren die DDR gen Westen verlassen hatte. Auch sein Engagement im Veltheimer Gemeinderat musste Jürgen Junker damit aufgeben. Fortan war er wieder in der Landwirtschaft tätig.

"Ohne Vereine existiert kein Ort"

Stolz ist Jürgen Junker, sind die Veltheimer auf das Vereinsleben in ihrem Dorf. "Ohne Vereine existiert kein Ort." Der Ehrenbürger singt selbst aktiv im Männergesangverein mit. Die Angler, das Schalmeienorchester, der Seniorenkreis, die Feuerwehr - sie alle sagten am Montagabend nochmal Dankeschön. Wie auch Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ, die von einem "geschichtsträchtigen Tag" sprach, und ihr Stellvertreter Klaus Bogoslaw, der auf über zwei gemeinsame, ereignisreiche Jahrzehnte mit dem Ehrenbürger zurückblickte. "Und du warst immer mittendrin." Bogoslaw hob hervor, dass Junker "immer ehrlichen Herzens agiert" habe. "Was du dir vorgenommen hast, ist auch Realität geworden."

Naja, fast alles. Jürgen Junker fielen schon noch ein paar Straßen ein, die in seiner Amtszeit nicht mehr vollendet werden konnten. Obwohl der Ehrenbürger als Lokalpolitiker mit der Einheitsgemeinde direkt nicht mehr zu tun hat, so ist er doch noch einer der Wegbereiter gewesen. Und er freut sich heute, dass seinerzeit "die Osterwiecker mitgezogen haben, die freiwillige Phase zu nutzen." Dadurch habe Veltheim heute noch einen Ortschaftsrat. Sonst hätte es höchstens noch einen gemeinsamen Aue-Fallsteiner Ortsrat gegeben.

Ganz losgelassen vom Ehrenamt hat Jürgen Junker indes noch nicht. Er fungiert als Vorsitzender des Stiftungsrates der Veltheimer Behrensschen Stiftung.