Die gute Nachricht vorweg: Das 50 Meter lange Schwimmer-Becken des Sommerbades Langenstein ist gereinigt, die Reparatur der defekten Folie kann beginnen. Die Resonanz auf den Aufruf der Feuerwehr, beim kollektiven Schrubben und Spülen des Beckens mitzuhelfen, blieb indes weit hinter den Erwartungen zurück. Derweil wollen die Langensteiner heute am Rande der Stadtratssitzung noch einmal für den Erhalt ihres Freibades demonstrieren.

Halberstadt/Langenstein. Sebastian Rindert ist alles andere als begeistert. Nein, mit einer solch geringen Resonanz auf den Ruf nach Unterstützung beim Reinigen des Freibad-Beckens in Langenstein hatte der Chef der örtlichen Feuerwehr keineswegs gerechnet. Gewiss räumt Rindert ein, dass die Aktion am Dienstagnachmittag vergleichsweise kurzfristig anberaumt worden sei und die breite Bevölkerung erst am Dienstagmorgen via Zeitung darüber informiert werden konnte. "Wir Feuerwehrleute haben aber auch erst am Wochenende und damit ebenfalls sehr kurzfristig davon erfahren, dass das Becken gereinigt werden muss, um es reparieren zu können", erklärt der Wehrleiter. Zudem seien die Hauptinitiatoren, die sich - seit die ungewisse Zukunft des Freibades publik geworden ist - für den Erhalt des Sommerbades einsetzen, vor der Aktion von ihm persönlich angesprochen worden, betont Rindert.

Letztlich gekommen sei lediglich eine Hand voll freiwilliger Helfer aus dem Ort. "Neben den in Langenstein bei solchen Aktionen bekannten Gesichtern, die stets zur Stelle sind, konnten wir unter anderem eine Sportlerin begrüßen, die im Freibad regelmäßig für ihre Teilnahme am Triathlon trainiert", bilanziert Rindert.

Mit "wir" meint der Feuerwehrchef seine Kameraden von der Feuerwehr sowie die Mitstreiter des örtlichen Trabi-Vereins "Zwei-Takt-Geschwader". Dank der Pumpe der Feuerwehr sowie drei Strahlrohren sei die eigentliche Reinigung des 50 Meter langen Schwimmer-Beckens für die rund 25 aktiven Helfer kein Thema gewesen: Anfeuchten, schrubben und nachspülen. "In gut zwei Stunden waren wir durch", berichtet Sebastian Rindert.

"Demonstrieren ist nur eine Seite der Medaille - bei einer Vereinsmitgliedschaft ist vor allem persönliches Engagement gefragt"

Zum einen, weil eben doch einige Helfer den Hilferuf erhört hatten, und zum anderen, weil die Wehrleute in punkto Beckenputz längst routiniert sind. "Wir machen das als Feuerwehr seit dem Bestehen des Freibades, genauer seit der Vorbereitung der ersten richtigen Sommersaison im Jahr 1975", erinnert Rindert. Soll heißen: Diese Woche ging die 36. Putzauflage über die Bühne.

Dass auch in den nächsten Jahren weitere Frühjahrs-Putzaktionen im Freibad folgen sollen und im Sommer 2014 im beliebten Freibad das 40-jährige Jubiläum gefeiert werden kann, ist das erklärte Ziel vieler Langensteiner. Dafür - für den langfristigen Erhalt ihres damals mit viel Eigeninitiative erbauten Freibades - haben sich bislang knapp 1300 Sommerbad-Fans per Unterschrift solidarisch erklärt. Zudem haben jüngst viele Langensteiner am Rande einer Ausschuss-Sitzung in Halberstadt für den Erhalt ihres Freibades demonstriert (die Volksstimme berichtete).

Eine Aktion, die heute ab 16.30 Uhr am Rande der entscheidenden Stadtratssitzung wiederholt werden soll, wie Jürgen Meenken betont. Der Landwirt, der sowohl im Ortschaftsrat als auch im Stadtrat sitzt, gehört zu den Machern hinter den Kulissen und hat den Kampf für das Freibad in den vergangenen Tagen maßgeblich mit organisiert. Meenken hat darüber hinaus auch einen Sponsor gefunden, der bereit ist, die rund 5000 Euro teure Reparatur der schadhaften Dichtungsfolie im Schwimmer-Becken zu finanzieren.

Damit wurde zunächst die wichtigste Weiche gestellt, um überhaupt ernsthaft über eine Sommersaison 2011 zu reden - die Stadt hätte diese Mittel aufgrund der aktuellen Haushaltslage nicht aufbringen können. Gleichwohl müsse dieser Sommer genutzt werden, um langfristige und nachhaltige Lösungen für das Freibad zu finden, unterstreicht Meenken. Einen Weg sieht Meenken dabei - wie bereits berichtet - in der Übergabe des Freibades in die Trägerschaft eines Vereins. 400 Vereinsmitglieder, so Meenkens Rechnung, könnten mit einem Jahresbeitrag von 50 Euro schon mal 20 000 Euro zu den Gesamtkosten beisteuern und so helfen, das Defizit - im vorigen Jahr rund 50 000 Euro - zu reduzieren. Ein Vorstoß, der bereits auf viel positive Resonanz gestoßen sei, wie Meenken erfreut berichtet.

"Dann wäre es natürlich schön gewesen, wenn einige dieser potenziellen Vereinsmitglieder schon mal bei der Putzaktion geholfen hätten", meint Sebastian Rindert. Schließlich gehöre zu einer solchen Vereinsmitgliedschaft weit mehr als nur das Zahlen von 50 Euro Jahresbeitrag oder das Demonstrieren, um Forderungen öffentlich Nachdruck zu verleihen. "Demonstrieren ist nur eine Seite der Medaille - letztlich ist bei einer Vereinsmitgliedschaft vor allem persönliches Engagement gefragt", weiß Rindert als Chef der örtlichen Feuerwehr nur zu gut.

 

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