Osterwieck wird vom Osterwochenende an jeden Sonnabend ab 14 Uhr Stadtführungen anbieten. Treffpunkt ist jeweils am Heimatmuseum. Die zwölf neuen Gästeführer dafür erhielten am Dienstagabend nach zehnwöchiger Ausbildung ihre Zertifikate.

Stadt Osterwieck. Dr. Dieter Hager hatte gestern als erster Neuer schon die Feuertaufe zu bestehen. Acht Gäste von der Huysburg waren zur Stadtführung angemeldet. Der 75-Jährige ist der Senior unter den Gästeführern. Der promovierte Physiker wohnt erst seit sechs Jahren in Osterwieck, kam aus dem Raum Bitterfeld in die Fachwerkstadt, geschichtsinteressiert war er aber schon immer.

Von den Teilnehmern gab es großes Lob für die Ausbildung, die Christine Krebs und Dr. Thomas Dahms federführend organisierten. Sie holten für die zehn vierstündigen Ausbildungsabende Fachleute aus verschiedensten Gebieten heran, vom Botaniker bis zum Zimmermannsmeister. Und alle lehrten und lernten auf ehrenamtlicher Basis.

Gerhard Schmuck wird am Ostersonnabend die Stadtführung leiten. Er geht als Lehrer im Sommer in den Ruhestand und hat als Gästeführer für die Zukunft eine neue Aufgabe. "Wir haben eine fundierte Ausbildung erhalten", betonte er. Ihm ging es darum, nicht nur die nackten Zahlen und Fakten über die Stadt und ihre Häuser vermittelt zu bekommen, sondern die Geschichten, die sich dahinter verbergen und eine Führung lebendig machen. Er fand es spannend, zu erfahren, dass sich Osterwieck mit seiner Stadtkirche und den reformatorischen Hausinschriften auch als Luther-Stadt bezeichnen kann. Schmuck lernte darüber hinaus, wie man als Stadtführer agiert, dass man nicht zu schnell und zu laut spricht, welchen Standpunkt man sich vor der Gruppe sucht. Und nicht zuletzt muss der Gästeführer ein Auge auf den Straßenverkehr haben.

Als Lehrer war Gerhard Schmuck nicht allein. Auch Ursula Kuß und Willfried Engelke kommen aus diesem Beruf. Sie sind es gewohnt, vor Menschen zu stehen, Prüfungen abzunehmen. Doch diese Ausbildung war etwas ganz Anderes. Eine gewisse Aufregung vor der Abschlussprüfung in Form einer kleinen Stadtführung war auch bei den Lehrern vorhanden.

Auch Ulrich Katzorke lobte die guten Vorträge der Dozenten. "Es lief alles wunderbar." Er lobte darüber hinaus die Entscheidung der Stadt, die Sanierung des Bunten Hofs in Angriff zu nehmen. "Für Osterwieck ist das ein Segen. Viele Touristen werden sich das Haus anschauen."

Gleich vier Hornburger reihten sich in die Ausbildung ein. In ihrer Heimatstadt arbeiten sie schon als Stadtführer. Osterwieck und Hornburg sind nicht nur Partnerstädte, sie haben eine gemeinsame Geschichte, gelten im Fachwerkbau als Schwesterstädte und lagen bis 1941 sogar gemeinsam im Landkreis Halberstadt. Die Hornburger wollen Osterwieck unterstützen. "Wir sind eine Region", unterstrich Irmgard Ertl angesichts der gemeinsamen Geschichte. Michael Müller will bei Führungen in Hornburg die Besucher noch zielgerichteter für einen Besuch in Osterwieck werben.

Einige Gästeführer werden auch außerhalb Osterwiecks aktiv werden. So die Hessenerin Bärbel Däumler auf Schloss Hessen, das allmonatlich Besucher einlädt. Der Dardesheimer Horst Müller wird Besucher durch den Windpark Druiberg und das dazugehörige Informationszentrum geleiten.

Mit dem 15-jährigen Tim Mattausch wird derzeit separat noch ein junger Stadtführer ausgebildet, der künftig speziell Kindergruppen durch Osterwieck begleiten soll.

Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ gratulierte und dankte allen Teilnehmern des Lehrgangs. "Ihre zukünftige Arbeit wird die Stadt Osterwieck an der Straße der Romanik, an der Deutschen Fachwerkstraße, am grünen Band und an der Deutschen Alleenstraße bereichern", sagte sie. Die Bürgermeisterin blickte zurück auf die Auszeichnung für das Kulturland Osterwieck am vergangenen Wochenende. Dort habe der inzwischen zum Ministerpräsidenten gewählte Dr. Reiner Haseloff in seiner Laudatio diese Ausbildung der Gästeführer als einen wichtigen Schritt bei der attraktiven Erschließung des Kulturtourismus\' für die Stadt gewertet. Ausdrücklich dankte Wagenführ auch den Referenten der Ausbildungsserie. "Wir alle hoffen, dass wir gemeinsam in die Zukunft der Stadt und Region Osterwieck, in unser Kulturland, investiert haben."