Nach eineinhalb Jahren Wettbewerb sind die Entscheidungen für die Energiekonzessionen im Osterwiecker Stadtrat gefallen. Die Abgeordneten folgten dem Ergebnis der Überprüfung aller Angebote durch eine Wirtschaftsberatungsgesellschaft.

Stadt Osterwieck. Die Wegenutzungsrechte für die Stromleitungen im kompletten Stadtgebiet bleiben demnach bei Eon-Avacon.

Beim Erdgas für die Orte Osterwieck, Berßel, Lüttgenrode und Schauen wechselt der Vertrag von Harzenergie auf die Halberstadtwerke. Die Gasleitungen sind aber vorerst weiter Eigentum von Harzenergie. Beide Netzbetreiber müssen sich einigen, zu welchen Konditionen die Halberstädter das Netz von den Westharzern abkaufen oder anderweitig nutzen können. Der Wechsel wird sich also nicht von heute auf morgen vollziehen. Insider sprechen von einem Jahr.

Das ebenfalls ausgeschriebene Gasnetz in Zilly verbleibt bei den Stadtwerken Wernigerode.

Die Entscheidungen fielen im Stadtrat am Mittwochabend in nichtöffentlicher Sitzung. Wie Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ gestern informierte, wird die Stadtverwaltung mit den Netzbetreibern Verhandlungen darüber führen, vor Ort eine Netzgesellschaft zu gründen.

"Die Entscheidungen sind keinem leicht gefallen", betonte die Bürgermeisterin. Bei Eon-Avacon habe der Punkt Netzsicherheit den Ausschlag gegeben. Das Helmstedter Unternehmen war von den Gutachtern auf Platz eins für das Stromnetz gesetzt worden. Für die Halberstadtwerke sei ebenfalls die bessere Bewertung im Gutachten ausschlaggebend gewesen. Die Bürgermeisterin hob hervor, dass nach Einschätzung der Fachleute alle Bewerber in der Lage gewesen wären, ein Netz zu betreiben.

Ingeborg Wagenführ schätzte weiterhin ein, dass die Abgeordneten die Fachkompetenz der Berater gespürt hätten. Es seien keine Abstimmungen mit knappem Ausgang gewesen.

"Darüber ist lange genug diskutiert worden"

Vor Beginn des nichtöffentlichen Teils der Ratssitzung, die in Schauen stattfand, hatte der Dardesheimer Abgeordnete Heimo Kirste noch mit zwei Anträgen überrascht. Er wollte die Vergabe einschließlich der Diskussion in öffentlicher Sitzung behandeln lassen. Nach seinen Informationen würden Vergaben von Energiekonzessionen nicht unter die üblichen nichtöffentlichen Beschlussfassungen von Auftragsvergaben fallen. Das wurde aber von der Mehrheit abgelehnt.

Keine Mehrheit fand auch Kirstes Antrag, das Thema Energiekonzessionen an dem Abend nur auf eine Beratung zu beschränken und einen Beschluss erst später herbeizuführen. Zumal sich noch kein Ausschuss damit beschäftigt habe. "Darüber ist lange genug diskutiert worden", entgegnete der Osterwiecker Abgeordnete Ulrich Simons. "Wer jetzt noch keine Meinung gefunden hat, der wird sie auch in den nächsten zehn Sitzungen nicht bekommen."

Schmankerl am Rande: Bevor die Sitzung nichtöffentlich wurde, fragte Simons in die Runde, wer eine "Bewertung der Netzkonzepte unter Zukunftsgesichtspunkten" auf die Tische der Abgeordneten gelegt habe. Dieses Papier sah das gemeinsame Konzept "Stadtwerke Osterwieck" von Windpark Druiberg, Stadtwerke Wernigerode und Harzenergie in grüner Farbe, der Farbe der Ja-Stimmkarten der Abgeordneten, hervorgehoben. Auf die Frage in die Runde gab es jedoch nur Achselzucken. Keiner wollte es gewesen sein. Ein letzter Werbeversuch, der bei einigen Abgeordneten deutlich hörbar sauer aufstieß.