Eine doppelte Operettenaufführung sorgt für Ärger in der Region. Das Halberstädter Orchester spielt in Blankenburg - ausgerechnet zum Premierenkonzert der Wernigeröder Schlossfestspiele.

Blankenburg. Es ist Freitagabend 20 Uhr, zwei Dirigenten heben den Taktstock. Der Auftakt für einen gewiss furios-musikalischen Abend. Was aber, wenn an diesem 5. August in zwei Schloss-Innenhöfen gespielt wird, in Blankenburg und in Wernigerode? Und wenn in beiden Konzerten Operettenmelodien zu hören sein werden? Dazu aufgeführt von Ensembles aus der Region, aus Halberstadt und Wernigerode?

Bloßer Zufall, dumm gelaufen oder gar eine gewollte Provokation? Das Wernigeröder Konzert ist nämlich kein beliebiges: "Die Fledermaus" - das Hauptstück der 16. Schlossfestspiele - erlebt seine Premiere. In Blankenburg wird "Das weiße Rößl" zu hören sein. Darum zeigt sich Wernigerodes Orchesterchef Christian Fitzner so überaus verwundert über diese Duplizität der Ereignisse. Die Formulierung Skandal vermeidet er im Volksstimme-Gespräch, angelehnt an die Sprache der Diplomaten kommt ihm die Bezeichnung vom "unfreundlichen Akt" eher gelegen. Darüber "ganz und gar verwundert" gibt sich Johannes Rieger, der Intendant des Nordharzer Städtebundtheaters. Dass es im Sommer im Harz auch bei Freiluftaufführungen immer wieder mal Überschneidungen gibt, ist für ihn "doch völlig normal. Wo ist dabei das Problem?"

Rieger zur Volksstimme: "Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Beide Ensembles haben in den vergangenen Jahren im Sommer doch ganz ordentlich abgesahnt." Wie der Chef des Städtebundtheaters zugleich ankündigt, werde sich sein Haus künftig im gesamten Kreis noch mehr als bisher engagieren. Die neue Werbebotschaft "Ihr Theater im Harz" wolle man mit Leben erfüllen. "Genau das haben wir in Blankenburg vor", so Rieger.

"Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft"

Der Halberstädter fragt zudem, ob es einen Unterschied mache, ob er zeitgleich zum Wernigeröder Premierenabend in Blankenburg, auf der Westerburg, in Altenbrak oder Thale spiele. Die Entfernungen seien in jedem Fall gering. Und, doppelte Operettenaufführung hin und doppelte Schloss-Innenhöfe her: "Die Wernigeröder Schlossfestspiele haben so einen guten Ruf, dass Sorgen, nicht genügend Publikum zu haben, unbegründet sind." Rieger sagt auch, er habe den Premierentermin seines Kollegen Fitzner nicht gekannt.

Ist das ein Beleg für ungenügendes Miteinander, für mangelnde Kooperation zweier von öffentlicher Hand subventionierter Ensembles?

Christian Fitzner sagt: "Von der Operettenaufführung der Halberstädter in Blankenburg habe ich aus der Zeitung erfahren." Auch Johannes Rieger beteuert, erst in der Zeitung gelesen zu haben, dass in Wernigerode keine Oper, sondern mit der "Fledermaus" eine Operette aufgeführt werde, "die wir im Vorjahr mit großem Erfolg gespielt haben".

Der Chef des Wernigeröder Kammerorchesters fürchtet, eine Beliebigkeit von musikalischen Stücken und Aufführungsorten "bedeutet keine kulturelle Vielfalt". Werde die "Carmina Burana" auf fünf Bühnen überall im Harz angeboten, so werde auch das Publikum "gefünftelt". Wird das auf Dauer den gewünschten auch finanziellen Erfolg haben, dabei zeigte sich Fitzner eher skeptisch. Ganz bewusst gehe man bei den Schlossfestspielen einen anderen Weg: Inszenierungen exklusiv nur für diese Reihe, kein "Tingel-Tangel" mit einer einmal einstudierten Inszenierung: "Wir wollen eine Marke etablieren und dem Publikum signalisieren, auf dem Wernigeröder Schloss ist etwas ganz Besonderes zu erleben."

Dass die Halberstädter Kollegen eine bewährte Produktion in Blankenburg aufführen, könne er wohl verstehen. Auch, dass der dortige Verein zur Rettung des Großen Schlosses auf Musikstücke setze, die "in der Hoffnung auf eine volle Kasse eher ein Massenpublikum ansprechen". Das wolle er weder kritisieren oder etwa neidisch darauf sein, dass die Halberstädter und nicht die Wernigeröder gebeten wurden, in Blankenburg zu spielen.

"Kein Tingel-Tangel mit einstudierten Inszenierungen"

Offen bekennt Fitzner, der auch Geschäftsführer der Orchester GmbH ist, sich in dieser Situation "irgendwie plattgemacht" zu fühlen. Er müsse in Wernigerode strikt auf ein positives Wirtschaftsergebnis achten. Andere seien in der komfortableren Situation, dass für finanzielle Deckungslücken stets die kommunalen Eigentümer aufzukommen haben.

"Ich muss mich vor unseren Sponsoren dafür rechtfertigen, wie verantwortungsbewusst wir mit ihrem Geld umgehen", sagt Christian Fitzner. Daher könne es ihm einfach nicht egal sein, dass in Blankenburg und in Wernigerode zeitgleich die Operetten "Das weiße Rößl" und "Die Fledermaus" erklingen werden. Zumal der Premierentermin für die Schlossfestspiele seit Jahren feststehe.

 

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