Neben dem Heizkraftwerk Ost der Stadtwerke soll die neue Biogasanlage der Stadtwerke errichtet werden. Doch der Startschuss für das Bauvorhaben fiel am Donnerstag nicht dort, sondern auf einem Acker bei Klein Quenstedt.

Klein Quenstedt. "Maispflanzen auf einem Hektar Feld erzeugen den Sauerstoff für 50 bis 60 Menschen und recyceln eine Menge an Kohlendioxid, die bei einer 60 000 Kilometer langen Autofahrt anfällt." Diese beeindruckenden Zahlen nennt Bernd Hirschbeck fast beiläufig. Der 34-jährige Landwirt steht gemeinsam mit Bodo Himpel, Helmut Bruckert, Christian Becker, Sebastian Dudda, Renate Purpus und Andreas Jahn von den Stadtwerken am Rand eines Feldes bei Klein Quenstedt. Über den 6,68 Hektar großen Schlag zieht ein Traktor seine Bahnen. Es hat lange nicht geregnet, doch die Maissamen kommen relativ tief ins Erdreich, da ist noch Feuchtigkeit gespeichert.

Bernd Hirschbeck hält ein Sektglas in der Hand, gemeinsam mit den Stadtwerkeleuten stößt er "auf eine Grundsteinlegung der anderen Art" an. Der Mais, der hier gerade von Sebastian Kalms ausgesät wird, landet im Herbst nicht im Futtersilo, sondern in der Biogasanlage der Stadtwerke.

Die wird neu neben dem Heizkraftwerk Ost hochgezogen und soll, komplett mit Maissilage betrieben, Strom und Wärme für die Stadtwerkekunden erzeugen.

Um das wirtschaftlich zu können, brauchten die Stadtwerke Partner, die sich langfristig binden. "Das gibt zwar auf der einen Seite Sicherheit, andererseits kann in zehn Jahren sehr viel passieren. Setzen wir unsere Preise zu niedrig an, machen wir später vielleicht ein Minusgeschäft", benennt Hirschbeck einen der schwierigen Punkte in den Verhandlungen.

Aber am Ende wurde man sich einig, ein Vertrag über zehn Jahre wurde unterschrieben, mit dem beide Seiten gut leben können. Hirschbeck sieht in dem Vertrag noch einen weiteren Vorteil für die beteiligten Landwirte. "Neben der Abnahmegarantie, die wir für die jährlich insgesamt 10 000 Tonnen Maispflanzen bekommen, haben wir auch die Möglichkeit, unsere Fruchtfolge abwechslungsreicher zu gestalten."

Neben der Paulskopf Agrar GmbH von Bernd Hirschbeck sind acht weitere Landwirte mit ihren Unternehmen in der Region mit im Boot: Ingo Strube, Bernhard Daldrup, Jörg Luedke, Bernd Lemke, Lars Zellmer, Michael Triebswetter, und Andreas Kulawik.

Auf insgesamt 200 Hektar Fläche bauen sie Mais für die Biogasanlage an. "Wir wollten den Anbau möglichst nahe an der Stadt haben, alle Felder liegen nicht mehr als rund zehn Kilometer entfernt", sagt Bodo Himpel. Dem Stadtwerkechef ist es wichtig, für eine grüne Stromerzeugung den Aufwand möglichst gering zu halten. Das soll übrigens auch für die Belastung der Anwohner in der Erntezeit gelten. "Wir haben ein Lohnunternehmen beauftragt, dass zum einen über Gerät verfügt, mit dem bodenschonend geerntet werden kann. Und zum anderen wird das Unternehmen in der Erntezeit, die etwa eine Woche dauert, nur zwischen 8 und 21 Uhr unterwegs sein. Außer, es droht ein extremer Wetterumschwung, dann kann es auch mal später werden", sagt Hirschbeck. "Wir Bauern leben schließlich mit der Natur und sind wetterabhängig."

Bodo Himpel ist froh, dass das schon einmal verschobene Vorhaben der Biogasanlage nun umgesetzt wird. "Nun sind wir aber keine Landwirte, also suchten wir nach kompetenten Partnern. In dem kritischen Bernd Hirschbeck haben wir den Richtigen gefunden", sagt Himpel. Deshalb habe man einen Beratervertrag mit ihm geschlossen und Hirschbeck koordiniere die land- wirtschaftlichen Aspekte für den Betrieb der Biogasanlage. Die Anlage nutzt den beteiligten Landwirten noch auf eine andere Weise: sie liefert wertvollen organischen Dünger. Die Gärreste kommen wieder aufs Feld und schließen so den Kreislauf.