Der weitläufige Klosterpark im Wegeleber Ortsteil Adersleben ist um eine Attraktion ärmer: Der aus Holz konstruierte Kletterturm, der die jüngsten Besucher bislang begeistert hat, ist aufgrund von massiven baulichen Mängeln demontiert worden. Bürgermeister Zimmer strebt nun an, im Haushaltsjahr 2012 Mittel für einen Ersatz bereitzustellen.

Wegeleben/Adersleben/ Deesdorf/Rodersdorf. Ein Bild, wie es schöner kaum sein kann: Während die Mütter und Väter oder die Omas und Opas in der Gaststätte "Aderslebener Hof" einen Kaffee trinken, ein Stück Kuchen genießen oder sich einfach nur am wunderschönen Blick in den Park erfreuen, toben ihre Sprösslinge auf dem nahen Spielplatz: Ein Klettergerüst mit Rutsche, eine Schaukel und obendrein Spielsand laden dort zum Toben ein. Gänzlich sicher, denn die Kinder sind stets im Blick der Eltern und Großeltern, und die nächste Straße ist weit weg.

"Wir reden hier von hochwertigen Spielgeräten und einem hohen vierstelligen Betrag"

Ein Bild, das es - zumindest in diesem Jahr - aller Wahrscheinlichkeit nach nicht geben wird, denn der hölzerne Kletterturm nebst Rutsche sowie die Schaukel wurden unlängst demontiert. Und vorerst hat die Kommune keine finanziellen Mittel, um für Ersatz zu sorgen.

"Wir reden hier von hochwertigen Spielgeräten und einem hohen vierstelligen Betrag", stellt Bürgermeister Hans-Jürgen Zimmer klar. Deutlich mehr als 5000 Euro würden wohl nötig - eine solche Summe könne frühestens im Rahmen des kommunalen Haushalts 2012 bereitgestellt werden, meint der Kommunalpolitiker mit Blick auf die schwierige Haushaltslage.

An dem Spielgerät hatte - im wahrsten Sinne des Wortes - der Zahn der Zeit genagt. Schätzungsweise zehn Jahre bei Wind und Wetter hatten den hölzernen Balken massiv zugesetzt. Ein Umstand, auf den besorgte Eltern vor rund zwei Monaten die Stadtverwaltung aufmerksam gemacht hatten, wie Zimmer erinnert: Die Trittflächen im Turm seien augenscheinlich durchgefault und müssten dringend erneuert werden, so der Hinweis der Eltern in Richtung Rathaus.

Dort wurde man tätig: Die maroden Holzteile wurden entfernt, das Klettergerüst mit Flatterband abgesperrt, um alsdann im Frühling - und damit rechtzeitig vor der neuen Spielsaison - die nötigen Reparaturen zu starten. Ein Fahrplan, der spätestens bei der genauen Kontrolle des Gerüstes ins Wanken geriet: "Die Mitarbeiter des Bauamtes haben festgestellt, dass tragende Pfosten durchgefault waren und deshalb zum Schutz der Kinder die sofortige und vollständige Demontage des Spielgerätes veranlasst", erklärt Stadtoberhaupt Zimmer.

"Die Mitarbeiter des Bauamtes haben festgestellt, dass tragende Pfosten durchgefault waren"

Ein Schritt, dem mit hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten Monaten keine weiteren folgen werden, weil im Haushalt 2011 dafür keine Mittel eingeplant seien, wie Zimmer einräumt. Zum großen Bedauern von Wirtin Isolde Weidehoff: "Der Spielplatz war immer stark frequentiert und oft auch Ziel von Schülern und Kindern der Tagesstätte", erinnert sie. Und sie weiß auch von Diskussionen zu berichten, in denen die gänzliche Demontage von Eltern und Anwohnern zuweilen auch schon mal in Frage gestellt worden sei. Zudem gibt es nach Volksstimme-Informationen in Wegeleben auch leisen Unmut über die Hau-Ruck-Aktion bei der Demontage.

Weil das Spielgerüst nun aber einmal weg ist, sei es müßig, weiter über den Zustand der Pfosten zu diskutieren, findet Gastronomin Weidehoff. "Wichtig ist, dass wir möglichst bald einen Ersatz bekommen für unseren schönen Park."

Doch wie sieht es überhaupt aus in punkto Spielplätzen und Spielangeboten in der Bodestadt? In der Kernstadt lockt nach Zimmers Worten ein Spielplatz im Park hinter der Sporthalle, zudem gebe es schöne Anlagen in der Kindertagesstätte, die allerdings nicht öffentlich zugänglich seien. Nutzbar zu jeder Zeit und für jedermann sei indes die Anlage im Ortsteil Deesdorf. Und auch für die Kinder in Rodersdorf hat Hans-Jürgen Zimmer positive Botschaften parat: Dort sollen in Kürze neue Spielgeräte auf dem Sportplatz montiert werden.

"Wichtig ist, dass wir möglichst bald Ersatz bekommen für unseren schönen Park"

Apropos neu: Geht es nach den Wünschen der Wegeleber, soll auch im Wohngebiet am Gunderslebener Weg/Kohlenstrecke/Moorweg/Am Goldbach ein weiterer Spielplatz entstehen. Das ist zumindest der Wunsch von Ratsmitglied Ursula Witt, die hier in der Nähe wohnt. Einen entsprechenden Vorschlag habe sie bereits in die Ratssitzung eingebracht, informiert Zimmer.

Er unterstützt das Ansinnen grundsätzlich, weil "der nächste Spielplatz ja erst am Park ist". Außerdem befinde sich ganz in der Nähe ein Neubaugebiet, in dem vorwiegend junge Familien mit Kindern wohnten. Allerdings sei der von Stadträtin Witt vorgeschlagene Platz aus Sicht der Bauverwaltung für einen Spielplatz zu klein. Deshalb will Zimmer im Stadtrat Ende Mai vorschlagen, eine Fläche im Wohngebiet für einen solchen Spielplatz zu reservieren.

Neben dem Ausweisen der Fläche bedürfe es jedoch auch entsprechender Spielgeräte. "Wir hoffen dabei auch auf Spenden", appelliert das Stadt-oberhaupt an den Gemeinsinn in der Bevölkerung. Allerdings könnten die Anwohner in der Spielplatz-Frage nur bedingt selbst aktiv werden, stellt Zimmer mit Blick auf die rechtlichen Rahmenbedingungen klar: "Privatpersonen können wegen der Haftung keinen öffentlich zugänglichen Spielplatz aufbauen."