Frohe Botschaften kommen - trotz aller finanziellen Sorgen - aus der Gemeinde Huy: Auch in diesem Sommer werden alle vier Freibäder wieder ihre Pforten öffnen: Den Anfang macht am 15. Mai das kommunale Freibad in Badersleben, rechtzeitig vor den Pfingstferien folgen die beiden kommunalen Bäder in Eilenstedt und Dedeleben. Der Förderverein des Freibades Aderstedt startet am 28. Mai. An den Kassen dürfen sich die Gäste auf preisliche Nullrunden freuen.

Gemeinde Huy/Aderstedt/Badersleben/Eilenstedt/Dedeleben. Vor der Freude steht bekanntlich die Arbeit. So auch in der "Badeanstalt Aderstedt": Bevor dort in ziemlich genau einem Monat - am 28. Mai - zum ersten kühnen Sprung in die kühlen Fluten angesetzt werden darf, gilt es das Freibad blitzblank zu putzen für die Sommersaison. "Wir müssen das Becken schrubben, den Rasen mähen und unseren Volleyballplatz vorbereiten", zählt Jens Klaus auf. Zudem, so der Chef des "Fördervereins Badeanstalt Adersleben" weiter, seien in diesem Jahr wieder Malerarbeiten und punktuelle Arbeiten an der Elektroanlage des Freibades geplant.

Es gibt also reichlich zu tun für die Helfer-Truppe, die sich ausschließlich aus Freiwilligen rekrutiert. "Im Moment machen wir uns jeden Sonnabend ab 9 Uhr vor Ort ans Werk", berichtet Klaus. So auch heute. Das Gros der Helfer seien Mitglieder des Fördervereins - "wir freuen uns aber auch über jeden weiteren Helfer", betont Vereinschef Klaus.

Mit der Fördervereins-Variante beschreiten die Aderstedter seit Jahren einen Weg, der in den kommenden Jahren angesichts chronisch leerer öffentlicher Kassen wohl mehr und mehr in den Fokus rücken dürfte und gerade in Langenstein (siehe 3. Lokalseite) ganz aktuell ist: Als das Aderstedter Freibad, als eines von einst vier kommunalen Bädern in der heutigen Gemeinde Huy, geschlossen werden sollte, gründeten die Aderstedter jenen Förderverein und warfen den Rettungsring.

"Wir müssen das Becken schrubben, den Rasen mähen und den Volleyballplatz vorbereiten"

Bislang mit Erfolg, wie Klaus & Co. durchaus zufrieden konstatieren. Gleichwohl sei es Jahr für Jahr ein riesiger Kraftakt, um am Ende wieder eine schwarze Null zu schreiben. "Wir sind zwar ein Verein - bei den Finanzen müssen wir aber wie ein Wirtschaftsunternehmen denken und handeln", erinnert der 49-jährige Vereinschef. Soll heißen: Nur wenn der Verein das "Geschäftsjahr" finanziell ausgeglichen und ohne Verluste abschließt, ist ein weiteres Freibad-Jahr in der Badeanstalt überhaupt realistisch.

Neben den rund 50 Vereinsmitgliedern, die überwiegend aus Aderstedt, Pabstorf und Eilsdorf stammen und jährlich 24 Euro Mitgliedsbeitrag zahlen, helfen die Unterstützer dabei ebenso mit wie ausnahmslos alle Badegäste mit ihren Eintrittsgeldern. Die restlichen Mittel bis zur schwarzen Null muss der gemeinnützige Förderverein über Spenden und Sponsoring aufbringen.

Eine schwarze Null ist auch bei der Gemeinde Huy, die die Freibäder in Badersleben, Eilenstedt und Dedeleben betreibt, ein Ziel. Allerdings laufen dort trotz des Tritts auf die Kostenbremse noch immer Verluste auf. Allein im vorigen Jahr sei in den Bädern ein Gesamt-Defizit in Höhe von rund 88 000 Euro entstanden, berichtet Ines Beder als Verantwortliche. Eine Summe, die auf den ersten Blick erschreckt - im Vergleich zu den Vorjahren habe man den Zuschussbedarf 2010 aber um rund 50 Prozent reduzieren können, so Beder.

"Wir sind zwar ein Verein - bei den Finanzen müssen wir aber wie ein Unternehmer denken"

Ein Schritt in diese Richtung ist die Übergabe des Saison-Betriebs in die Regie der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Nachdem 2010 die DLRG-Ortsgruppe Wernigerode in Eilenstedt und Badersleben erstmals testweise den Hut aufhatte, übernimmt die Truppe in diesem Jahr laut Ratsvotum auch den Betrieb in Dedeleben.

Der Kommune hilft das in erster Linie beim Sparen der hohen Personalkosten, weil die Stellen der altersbedingt ausscheidenden Schwimmmeister so nicht neu besetzt werden müssen. Zudem hätten auch Kleinigkeiten wie bessere Stromtarife für den Nachtbetrieb der energieintensiven Pumpen oder moderne technische Komponenten beim Einsparen geholfen, nennt Ines Beder weitere Faktoren.

Gleichwohl will sich die Kommune mittelfristig von zwei ihrer drei Bäder trennen: Das vor wenigen Tagen beschlossene Konsolidierungspaket sieht vor, im Jahr 2016 nur noch mit einem kommunalen Freibad in die Saison zu starten. Welches das sein wird, sei bislang völlig offen, wird betont. Bürgermeister Thomas Krüger will schauen, wie sich die Situation in den nächsten Jahren entwickelt und ist zugleich offen für Vorschläge hinsichtlich alternativer Betriebsformen. Denkbar wäre auch die Übernahme der Trägerschaft in die Regie von Vereinen. Findet sich bis 2016 keine Alternative, droht schlimmstenfalls das Schließen von zwei Bädern.

Zunächst aber verschafft diese klare Spar-Perspektive der Gemeinde Huy und den Einwohnern Luft für fünf weitere Jahre mit allen drei kommunalen Freibädern. "Wir wollen unseren Einwohnern und den Gästen schließlich etwas anbieten und schauen dabei in erster Linie auf unsere Kinder", betont Ines Beder.

Nach dem klaren Votum pro Freibad-Saison im Gemeinderat laufen jetzt die Vorbereitungen an. Im Mittelpunkt steht dabei aktuell das große Freibad in Badersleben, das als erstes im Huy ab 15. Mai geöffnet sein soll. Pünktlich zum Start der Pfingstferien folgen am 10. Juni die beiden anderen kommunalen Bäder, skizziert Ines Beder den Fahrplan.

Alsdann hofft sie auf einen Super-Sommer, um möglichst viele Besucher in die Freibäder zu locken. Dem Lockruf dürften - vorausgesetzt das Wetter spielt mit - viele Badefans aus dem Huy und den Nachbarorten folgen: Erstens haben die Bäder allesamt einen guten Ruf. Zweitens ziehen Dedeleben und Eilenstedt auch viele Gäste aus Niedersachsen sowie dem Vorharz-Bereich rund um Schwanebeck an. Und drittens müssen die Badegäste an den Kassenhäuschen auch in diesem Jahr nicht tiefer ins Portemonnaie greifen als im Vorjahr. Trotz extrem klammer Haushaltslage haben sich Verwaltung und Räte für eine Nullrunde entschieden, um die Lebensqualität im Huy zu halten. Zudem setzen sie mit Zehnerkarten mit einem 50-prozentigen Preisnachlass vor allem auf Kinder.

Bleibt quasi als einziger Unsicherheitsfaktor das Wetter. Ein freilich maßgeblicher Faktor, wie der Blick in die Bilanzen und am Beispiel Badersleben zeigt: Die Zahl der Besucher schwankte dort zwischen gut 20 000 im Super-Sommer 2003 und nur 5 000 im eher schlechten Jahr 2007. Im Herbst blieben die Zähler bei 9 200 stehen. Dedeleben und Badersleben kamen - obwohl später gestartet - auf rund 5 000 Gäste.

Mit einem ähnlichen Preisgefüge wie die Kommune locken auch die Fördervereinsmitglieder in Aderstedt. Zwar will sich Vereinschef Jens Klaus noch nicht verbindlich auf das Festhalten an den 2010-er Preisen festlegen. Dies werde aber - trotz beispielsweise gestiegener Strompreise - angestrebt. "Wenn überhaupt gibt es Änderungen im Zehn-Cent-Bereich." Zudem gibt es auch hier Rabatte für Spätschwimmer und Dauergäste.

Ihren Saisonstart wollen die Aderstedter am 28. Mai mit einem Fest begleiten. Bei Kaffee und Kuchen weht dann traditionell familiäres Flair durch das Freibad und entschädigt alle Helfer "für den positiven Stress vorher", wie Jens Klaus augenzwinkernd meint. Traditionell soll auch der Sommer 2011 über die Bühne gehen: Voraussichtlich am 13. und 14. August soll ein großes Sommerfest gewissermaßen den Saisonhöhepunkt markieren.