In Wülperode muss niemand aus der Osterwiecker Verwaltung zum Frühjahrsputz aufrufen. Das nimmt der 1000-Jahre-Verein seit über 15 Jahren selbst in die Hand. Am Sonnabend war es wieder Zeit fürs Reinemachen, Reparieren und für ganz Neues schaffen.

Wülperode. Nachbars Eck haben die Einheimischen eine Grünfläche an Petersmühlenweg und Steinstraße getauft. Auch die Nachbarn dieser Ecke klinkten sich in die Frühjahrsputzaktion ein. In den vergangenen Jahren ist hier mit ihrer Hilfe schon einiges verschönert worden. Die Wendeschleife fürs Müllauto wich einer Wiese, Bäume wurden gepflanzt, eine Sitzbankgruppe mit Tisch aufgestellt. Heute liegt diese Ecke am Grünen Band, und nicht selten legen Radler hier an Nachbars Eck eine Rast ein, wie Günter Eisemann berichtete.

Am Sonnabendvormittag aber wurde die Sitzgruppe von den Bewohnern von Nachbars Eck in Beschlag genommen. Bei Sonnenschein nahmen sie am reichlich gedeckten Frühstückstisch Platz. Mal wieder ins Gespräch zu kommen, die Gemeinschaft zu pflegen, ist auch ein Anliegen des Wülperöder Frühjahrsputzes. Darunter Siegfried Tonndorf, mit 76 Jahren der Senior des Tages. Er ist jedes Jahr bei den Arbeitseinsätzen dabei. Und wenn es zu schwer wird, "gebe ich gute Ratschläge", flachste er.

Steinpyramide an Nachbars Eck

Vor dem Frühstück waren die Nachbarn schon fleißig, hatten den Rasen gemäht und zwei Bäume gerodet, erzählte Helmut Bräutigam. Ja, die Bäume sind ein Problem an dieser Stelle. Bis vor einem Jahrhundert soll hier eine Eiche gestanden haben - und danach an dieser Stelle nie wieder ein Baum angewachsen sein. Deshalb entschlossen sich die Anwohner, an dem Platz der Eiche eine Steinpyramide aufzutürmen. Abschließende Tagesaufgabe war das Pflanzen einer Hecke an der Wiese.

Auf der anderen Seite des Dorfes wurden die Pinsel geschwungen. Die Unterstand-Innenwände des Noch-Feuerwehrgerätehauses erhielten frische Farbe. In den nächsten Wochen wird die Feuerwehr ihr neues, großes Gerätehaus beziehen können. Danach übernimmt der 1000-Jahre-Verein das alte Gerätehaus. Der Vertrag dazu wurde mit der Gemeinde bereits 2009 geschlossen, berichtete Ortsbürgermeister Dirk Heinemann. Der Verein trägt auch die laufenden Kosten.

Für den Verein ist der Standort ideal. Denn vor der Haustür liegt die kleine Grünanlage mit dem Gedenkstein an die 1000-Jahr-Feier 1995. Hier treffen sich die Wülperöder alljährlich im Sommer zum Sonnenblumenfest und zum Adventsbeginn zum gemeinsamen Weihnachtsbaumaufstellen.

Die ewige Rekordsäule der höchsten Sonnenblumen im Dorf ist hier an einem Strommast künstlerisch verarbeitet. Gerhard Seidel nahm den Arbeitseinsatz zum Anlass, das Bild auszubessern.

Eine neue Bank für den Friedhof

Auf dem Friedhof machte sich ein Quartett nützlich. Die Besucher der Anlage wird es freuen, dass sie sich hier künftig auf einer Bank ausruhen können. Und wenige Meter weiter finden sie nun Arbeitsgeräte wie Hacke und Harke vor. Diese hängen an einem Holzrahmen, der aus einem ausrangierten gemeindlichen Schaukasten stammt. Zum Nachmittag wollten die Vier noch eine Sitzbank nahe der "Seebrücke", also am Weg zum Wiedelaher See, aufstellen. Zuvor hatten sie kleinere Reparaturen an der Bushaltestelle vorgenommen.

72 Mitglieder hat der 1000-Jahre-Verein heute, berichtete Vorsitzender Manfred Riecher. Das ist statistisch immerhin jeder dritte Wülperöder. 1993 wurde der Verein gegründet, um das Dorfjubiläum vorzubereiten. In dem Zusammenhang entstanden die frühjährlichen Arbeitseinsätze. Die Ideen für Verschönerungen sind noch nicht ausgegangen. Dieses Mal blieb das Unterholz auf dem Friedhof stehen, weil am Sonnabend letztlich doch nicht so viele Leute Zeit zum Mitmachen hatten wie gehofft. Eine Idee fürs nächste Jahr ist eine Fußgängerbrücke neben der Dorfstraße.

Zum Mittag kamen die verstreuten Arbeitsbrigaden - und dazu noch eine Feuerwehrgruppe aus der Ausbildung - zum gemeinsamen Essen zusammen. Die Erbsensuppe, die die Wülperöder Frauen im Gerätehaus kochen - ist nicht wegzudenkender Bestandteil des Tages. Weil heutzutage alle außerhalb arbeiten, treffe man sich nur noch seltener im Dorf, sagte Frank Warnecke. Früher war das anders, als viele in der Landwirtschaft auf dem Volksgut arbeiteten, man sich auf der Post oder im Konsum begegnete, wie Bernd Klamert einwarf. Der Frühjahrsputz ist aber auch eine gute Gelegenheit für Zugezogene, sich ins Dorf zu integrieren. Fritz-Günter Braune half das seinerzeit sehr, hier Kontakt zu finden.

Und einig waren sich letztlich alle: "Wir haben eine Menge Spaß dabei."

   

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