Erstmals gestalten die Domschätze Halberstadt und Quedlinburg gemeinsam eine Ausstellung. Unter dem Titel "Heilig! Fremd?" werden zum einen unbekannte und lange nicht gezeigte Objekte ausgestellt, zum anderen rückt die Herkunft der Stücke in den Mittelpunkt.

Halberstadt. Als einen Glanzpunkt nicht nur für den jeweiligen Standort, sondern für den gesamten Kirchenkreis und als Beitrag zum Disput der Religionen bezeichnete Dr. Ekkehard Steinhäuser die neue Ausstellung der beiden Kirchenschätze in Halberstadt und Quedlinburg. Steinhäuser begrüßte am Sonnabendabend zahlreiche Gäste im Halberstädter Dom, die sich zunächst von Kirchenmusikdirektor Claus-Erhard Heinrich und Sopranistin Luise Kramer mit "alten, fremden Klängen" aus der Zeit der Gotik und der Romanik auf das Thema einstimmen ließen.

Superintendentin Angelika Zädow bemerkte dann, dass das Thema kein leichtes sei für ein Grußwort. "Was heißt schon heilig, was ist schon fremd?", fragte sie. Die Theologin umriss die Bedeutungen des Heiligen sowohl in der spirituellen Ebene als auch im bodenständigen Gebrauch als "Dinge, die Menschen heilig sind", und verwies auf das Fremde, das verlockend und angsterzeugend zugleich sein kann.

Nach einem beeindruckenden musikalischen Intermezzo ergriff dann Prof. Dr. Klaus Gereon Beuckers das Wort. Der Kunsthistoriker lehrt an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und betrachtete auf unterhaltsame, spritzige Art und Weise die Identität mittelalterlicher Kirchenschätze. Die verglich er mit "Staubsaugern, die alles in sich aufnehmen". Anders als die Märchenschätze von Königen oder Piraten oder reale Schatzsammlungen, die meist aus Gold und Edelsteinen bestünden, seien Kirchenschätze ein höchst unterschiedliches Sammelsurium von Gegenständen, Textilien, Bildern.

Beuckers freute sich, dass auch solche Ausstellungen wie die aktuelle in Halberstadt, dazu beitragen, den Fokus der Wissenschaft wieder stärker auf das Ensemble Kirchenschatz zu richten und nicht mehr nur auf einzelne Objekte.

"Kirchenschätze sind geprägt vom Wachsen, von Verlusten, von der Nutzung. Sie sind die Summe der Geschichte einer Kirche." Anders als Museen haben so alte Kirchenschätze wie hier in Halberstadt und Quedlinburg keinen besonderen Schwerpunkt was Materialien oder Gestaltungsweisen angeht, sondern vereinen alles, was zur Lobpreisung Gottes und zum Gottesdienst je angeschafft, geschenkt und gestiftet wurde. Neben Neuanfertigungen für den speziellen liturgischen Gebrauch finden sich umgenutzte Gegenstände, die ihrer Kostbarkeit wegen zum Beispiel als Aufbewahrungsgefäß für Reliquien verwendet wurden. "Damit ermöglichen Kirchenschätze auch einen Blick in die Alltagsgeschichte vergangener Jahrhunderte, denn viele Objekte wurden nicht täglich benutzt und blieben so im Gegensatz zu vielen anderen Kostbarkeiten des Alltags erhalten", sagte der Kieler Professor.

Domkustos Dr. Thomas Labusiak führte anschließend durch die Ausstellung. Kleine gelbe Logos an den Vitrinen machen auf die Objekte aufmerksam, die einen "Migrationshintergrund" haben, aus arabischen Werkstätten stammen, aus Vorderasien und Spanien, aus Sizilien oder Fernost wie manche Seidenstoffe. Die Stücke spiegeln sowohl diplomatische und kaufmännische Verbindungen wider, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen wie die Beutestücke der Kreuzzügler.

Die Sonderausstellung ist bis zum 31. Juli im Dom und in der Stiftskirche zu sehen.

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