Die diesjährige Tour des Trabiclubs "Gamasche" aus Sargstedt in Richtung Spanien ist planmäßig gestartet. Schon eine halbe Stunde vor der Abfahrtzeit rückten die Mädchen und Jungen aus der Kindertagesstätte "Holzbergwichtel" am zentralen Platz von Sargstedt an, um das Zweitakt-Team zu verabschieden. Und sie waren vor Ort nicht die einzigen Fans.

Sargstedt. Während die kleinen Holzbergwichtel das bunte Treiben unweit des Gerätehauses der Feuerwehr interessiert beobachteten, warfen Teammitglieder und Angehörige an der Trabi-Scheune, dem zentralen Treffpunkt des Clubs, einen letzten Blick auf die historischen Fahrzeuge und in die Tourenpläne. Quasi im letzten Moment hatte es noch einen krankheitsbedingten Ausfall gegeben. So standen nun fünf Zweitaktfahrzeuge und ein moderner Viertakter als Begleitfahrzeug am Start.

"Eine Postkarte wäre nett"

Auch Viola Alpermann gehört wieder mit zum Trabi-Team, sie sitzt allerdings nicht selbst am Steuer. "Die Versorgung der Truppe mit sieben Männern ist aber auch eine wichtige Aufgabe", meinte sie am Rande der Startvorbereitungen lachend.

Wenige Minuten später nimmt die Kolonne mit Trabis verschiedener Baujahre und Ausführungen an der Bushaltestelle von Sargstedt noch einmal Aufstellung. Hier und da wird rasch eine Motorhaube geöffnet und den sichtlich interessierten Zuschauern ein kurzer Blick hinter die Kulissen, pardon in den Motorraum und damit ins Allerheiligste, gewährt.

Verdammt viel Chrom blitzt bei Fiete Molt und seinem Trabant 1,1. Molt besitzt das jüngste Fahrzeug aus dem Jahr 1991, das nach der Überarbeitung des "Trabant 601" Ende der 1980-er Jahre bereits mit einem VW-Motor ausgestattet ist. Die Konstrukteure hatten dem Trabi damals das "Herz" eines VW Polo mit knapp 1,1 Liter Hubraum eingepflanzt, um vom völlig antiquierten Zweitakt-Motor wegzukommen.

Wolfgang Nischiks Fahrzeug stammt dagegen aus dem Jahr 1964 und muss - wenige Jahre vor dem 50-jährigen Jubiläum heute noch mehr gepflegt werden. Ein Trabant der zweiten Generation, der so nur einige Jahre gefertigt worden war: Während er äußerlich noch an den runden Trabant 500 der ersten Generation erinnerte, hatten die Techniker dem Motor des Trabant 600 schon etwas mehr Leistung verordnet.

Mehrere Fahrzeuge glänzen wenige Minuten vor dem offiziellen Start mit neuer Lackierung, aber auch einige kleine Roststellen sind bei einigen nicht zu übersehen. Die Geschichte vom unkaputtbaren "Plaste-Bomber" aus Zwickau ist wohl doch ein modernes Märchen. Unter der Karosserie, die in den Trabi-Anfangsjahren wegen chronischen Materialmangels - Tiefziehbleche standen in den 1950er Jahren auf der Embargoliste - aus Duroplast konstruiert worden war, ist der Trabant ein Auto wie jedes andere - nämlich eines aus Metall. Und diese Metallteile können rosten. Deshalb - und wegen oft schlechter Lackierung bei der Herstellung und fehlender Verzinkung - hatten viele Trabi-Fahrer nach dem Kauf ihres teuren Gefährts zunächst ein heißes Ziel: Die nächste Fachwerkstatt für Hohlraumkonservierung. Schließlich musste der Wagen bei jahrelangen Wartezeiten lange durchhalten.

Zurück nach Sargstedt: Dort erfolgt der Start der diesjährigen Tour zeitnahe zu einem denkwürdigen Datum: Nur ein halbes Jahr nach der deutschen Wiedervereinigung lief am 30. April 1991 in den Sachsenring-Werken in Zwickau der letzte von rund 3,1 Millionen Trabis, die seit 1957 gefertigt worden waren, vom Band.

Obwohl der letzte Trabi damit vor ziemlich genau 20 Jahren gebaut wurde, ist die "Pappe" bis heute ein vergleichsweise weit verbreitetes Auto, wie der "Spiegel" berichtete: Exakt 33 726 zugelassene Trabis waren danach am 1. Januar 2011 beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg registriert. Rund die Hälfte davon gehört mittlerweile Besitzern in den westlichen Bundesländern der Republik.

Mit dem wieder gestiegenen Interesse am Trabi und dem Kult rund um die "Pappe" klettern freilich auch die Preise: Gab es das Auto in den Jahren nach der Wende tatsächlich für\'n "Appel und Ei", werden heute für ein halbwegs ordentliches Exemplar 2000 bis 3000 Euro fällig. Die Ersatzteilversorgung ist jedoch gut und die Fangemeinde groß genug, so dass auch unerfahrene Trabi-Neulinge stets Unterstützung finden, um schnell mit der Technik warm zu werden.

Vor dem Team aus Sargstedt stehen nun täglich rund 500 Kilometer. Übernachtet wird auf Campingplätzen, wobei man sich des Interesses vieler Menschen an der Strecke sicher ist. Neben freundlichem Winken und motivierenden Worten sowohl jüngster als auch älterer Sargstedter gab es von Bürgermeister Michael Kinkal noch einen großen Satz Kugelschreiber mit auf den Weg: "Damit das Erlebte auch richtig aufgeschrieben werden kann. Auch eine Postkarte wäre nett."

Nach einer kleinen Ehrenrunde durch Sargstedt ging es in Richtung der Autobahn 7. "Wir möchten uns insbesondere bei Thomas Meißner bedanken, der uns bei der nicht gerade billigen Benzinversorgung unterstützt", betonte Nischik. Übrigens: Von unterwegs soll es kleine Zwischenberichte geben.

Bilder