In Osterwieck gibt es seit dieser Woche einen "Laden ohne Kasse". Jeden zweiten Mittwoch öffnet er künftig um 15 Uhr in der ehemaligen Stephanischule.

Osterwieck. Gibt es in Osterwieck Bedarf für einen "Laden ohne Kasse", in dem Einzelpersonen und Familien mit geringem Einkommen Lebensmittel erhalten? Skeptiker wurden am Mittwoch eines Besseren belehrt. Für den ersten Ladenöffnungstag hatten sich 134 Personen angemeldet, berichtete Herbert Staadt. Er gehört zu den vier Ehrenamtlichen, die den Osterwiecker "Laden ohne Kasse" betreuen. Sein Einsatz begann dabei nicht erst kurz vor 15 Uhr. Seit dem frühen Morgen war er für die "Harzer Tafel" des Arbeiterwohlfahrt-Kreisverbandes bis Magdeburg unterwegs, um Lebensmittel abzuholen. Lebensmittel, deren Haltbarkeitsdatum noch nicht abgelaufen ist, die aber in den Märkten wegen der kurzen Frist schon aus dem Sortiment genommen wurden. Konserven, Teigwaren, Milchprodukte, Süßwaren, Backwaren, Babynahrung, Obst, Gemüse und anderes.

Für Herbert Staadt und Beatrix Becker von der in Quedlinburg ansässigen "Harzer Tafel" war der Osterwiecker Einsatz Routine. Es ist der achte Laden, den die Awo im Harzkreis eröffnete. Eine Besonderheit hier ist die Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk im Kirchenkreis Halberstadt, das im selben Gebäude schon seit einigen Jahren eine Kleiderkammer unterhält. Für die Diakonie betreuen die Osterwieckerin Gundula Peters und die Halberstädterin Kornelia Böttcher den "Laden ohne Kasse". Sie gaben auch den Anstoß für diese Einrichtung in der Ilsestadt. Die Freude, dass es nun geklappt hat, war ihnen anzusehen.

Auch die Stadtverwaltung hatte daran ihren Anteil. Sie stellt den früheren Hauswirtschaft-Unterrichtsraum sowie einige Tische kostenfrei zur Verfügung. Bauhofarbeiter sorgten noch für einen freundlichen Anstrich. "Dieser Raum ist von allen, die wir nutzen dürfen, der schönste", freute sich Marlies Röbbeling, die Leiterin der "Harzer Tafel", über die Unterstützung der Stadt.

Die Ideen gehen schon weiter. Hier der Laden, nebenan die Kleiderkammer. Ute Gabriel-Betzle, die Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes, sprach daher von einem Treffpunkt in diesem Gebäude als nächstes Ziel. In welcher Form auch immer.

Der Edeka-Markt und das Backhaus Siemer gehören bisher aus Osterwieck zu den Sponsoren der "Harzer Tafel", berichtete Anke Gercke-Oberstädt von der Awo. Über weitere Unterstützer würde man sich freuen.

Marlies Röbbeling hob das persönliche Engagement der vier Ehrenamtlichen, welche die Lebensmittel ausgeben, hervor. Dafür würden sie nicht mal eine Aufwandsentschädigung erhalten.