Die Theaterfinanzierung steht immer mal wieder auf der Kippe, doch so bedrohlich wie derzeit war es selten. Die kommunalen Träger streichen die Zuschüsse, weil sie ihre Haushalte sanieren müssen. Damit steht die Zukunft des Hauses auf dem Spiel. Nun fordern Mitarbeitervertreter des Theaters eine Arbeitsgruppe, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Halberstadt. "Uns läuft die Zeit davon", sagt Ursula Meinke, "im nächsten Jahr muss neu über die Förderverträge verhandelt werden." Die Personalratsvorsitzende kennt die Finanzierungsdiskussionen für das Nordharzer Städtebundtheater. "Wir wussten immer, dass wir uns nicht zurücklehnen können und sagen, jetzt ist alles gesichert. Theater ist immer ein Zuschussbetrieb. Die Frage ist aber, ob es reicht, allein über das Geld zu reden."

Das sieht auch Matthias Kunert so. Der Vorsitzende des Orchestervorstands hat mit seinen Musikerkollegen einen Brief an Landrat Dr. Michael Ermrich geschrieben und an die Oberbürgermeister von Quedlinburg und Halberstadt. "Wir unterbreiten den kommunalen Trägern darin ein Gesprächsangebot", sagt Kunert, "wir wollen uns gerne konstruktiv mit einbringen. Für die Ausarbeitung konkreter Vorschläge könnten wir uns eine Arbeitsgruppe vorstellen". In der sollten Vertreter aus den Stadtverwaltungen, vom Kreis und aus der Belegschaft mitwirken. Schließlich sei das auch in anderen Bereichen so, dass vor wichtigen Beschlüssen für die Verantwortlichen unterschiedliche Aspekte betrachtet und verschiedene Alternativen erarbeitet werden.

"Noch liegt uns kein Konzept von der Kommunalpolitik vor, über das man diskutieren könnte. Und das Land hat sich bislang auch gesperrt, zur Strukturpolitik eine Aussage zu treffen", sagt Kunert. "Es kann aber nicht sein, dass das Land nur abwartet, welche Entscheidungen in den Städten und vom Landkreis getroffen werden und anschließend sagt, die Kommunen finanzieren nicht mehr in vollem Umfang, wir also auch nicht."

Was zum einen heißt, man braucht eine neue Vertragsgestaltung, zum anderen aber auch, man braucht eine klare Aussage, ob Theater im ländlichen Raum gewollt ist oder nicht. "Soll es wieder nur Hochkultur geben, die sich Besserverdiener leisten können, oder will man ein Angebot für alle Bürger?", spitzt Meinke diese Überlegungen zu.

"Es ist doch so, dass man bei der ganzen Debatte auch sehen muss, welcher kulturelle Schaden entsteht, wenn unser Haus geschlossen wird. Natürlich geht es um unsere Arbeits- plätze, die Belegschaft hat in den vergangenen Jahren schon massiv auf Geld verzichtet, um die Zukunft des Hauses sichern zu helfen. Aber es geht auch darum, dass wir sehr viel weiter wirken als nur auf der Bühne", betont Kunert.

Die nicht in Geld messbaren Vorteile eines festen Theaters in der Region gingen weiter. So leisten zum Beispiel die Orchestermusiker einen wichtigen Beitrag für die musische Erziehung von Kindern und Jugendlichen - viele, die im Stadtorchester Dardesheim oder im Jugendblasorchester Halberstadt mitwirken, haben Theatermusiker als Lehrer.

Sicher, kurzfristige Lösungen sehen auch die Mitarbeiter nicht, aber mittelfristig seien vielleicht andere Wege möglich als die Schließung des Hauses. Zumal selbst die noch eine Weile Kosten verursachen würde, nicht nur aufgrund der geltenden Tarifverträge.