Vor 13 Jahren begann in Halberstadt mit der Fertigstellung des Stadtzentrums eine neue Zeitrechnung. Mit Jubel begrüßten die Bürger, dass ihre Stadt 53 Jahre nach der Zerstörung ein neues "Herz" bekam. Zumindest rund um den Holz- und Fischmarkt. Viele rechneten damit, dass eine Revitalisierung des Breiten Weges folgen würde. Bis heute vergebens.

Halberstadt. Trist, langweilig, öde. Die Stadtentwicklung hat einen großen Bogen um den Breiten Weg gemacht. Hoffnungen für eine Neugestaltung blieben bis heute unerfüllt. Das Resultat: Eine unattraktive Fußgängerzone mit verwaisten Geschäften, die Kunden eher abstößt als anzieht. Die am Breiten Weg ansässigen Händler bekommen das jeden Tag zu spüren. Einige harren aus, in der Hoffnung, dass der Weg doch noch irgendwann herausgeputzt wird. Andere resignieren und schließen ihre Läden wieder. Dem Ruf Halberstadts als Einkaufsstadt im Vorharz wird dies nicht gerecht.

Zu denen, die der Stadt Halberstadt halbherziges Handeln vorwerfen, gehört Peter Köpke. Als Mitglied der SPD-Stadtratsfraktion unterstützte er eine Initiative seiner Fraktion, in der die Stadt aufgefordert wurde, statt Geld in den Umbau des Domhanges zu investieren, dafür zu sorgen, dass der Breite Weg als wichtiger Bestandteil des Stadtzentrum attraktiver gestaltet wird. Ein Ruf, der zwar gehört wurde, aber folgenlos blieb. "Früher war es die Einkaufsstraße der Stadt. Heute wird sie von Meter zu Meter hässlicher. Es fehlt zwischen Rathauspassage und dem Ende des Breiten Weges ein Kundenmagnet", sagt Köpke. Die Ansiedlung des Media-Marktes in der Schützenstraße, die leider gescheitert sei, wäre nach seiner Meinung die Lösung gewesen. Es müsse unbedingt eine Entscheidung fallen, ob die Stadt den Breiten Weg sterben lassen oder beleben will. Köpke sieht aber auch das Dilemma, in dem die Kreisstadt steckt: Die Kassen sind leer. Trotzdem dürfe man den Breiten Weg nicht dem Selbstlauf überlassen. "Das tut einfach nur weh", bedauert der Stadtrat, der sich auch in der Kaufmannsgilde der Stadt engagiert. Es könne nicht sein, dass sich das Einkaufen im Stadtzentrum im Grunde nur auf die Rathauspassage beschränke.

Ein Fakt, der selbst Passagenmanager Enrico Burau stört. "Wir sitzen hier in den Rathauspassagen nicht unter einer Käseglocke. Die Stadt braucht den Breiten Weg, um ihren Ruf als Einkaufsstadt zu verbessern", betont Burau. Er räumt ein, dass es derzeit schwierig sei, auf dem Breiten Weg etwas Besonderes, einen Kundenmagneten, hinzusetzen. Wobei es immer wieder Anfragen von namhaften Händlern gebe, die sich in Halberstadt niederlassen wollen. "Allerdings in den Rathauspassagen. Dass ist ein Problem, dass gelöst werden muss. Hier muss etwas angestoßen werden. Wer nur wie jetzt an der Oberfläche rumdümpelt verändert nichts", so der Manager. "Der Breite Weg wird stiefmütterlich behandelt, die dort ansässigen Händler können einem leid tun." Enrico Burau meint, dass die Wirtschaftsförderung der Stadt gefragt sei, nach Investoren zu suchen. "Es muss ein Konzept für den Breiten Weg her und nicht der nächste Discounter. Schon gar nicht auf der grünen Wiese am Stadtrand. Man muss sich auf das Zentrum konzentrieren, um Halberstadt interessanter zu machen", empfiehlt Burau. Dass das funktioniert, würden nicht nur Nachbarstädte wie Wernigerode und Quedlinburg unter Beweis stellen.

Karl-Heinz Schönfeld, Chef der Wohnungsbaugenossenschaft Halberstadt, die seit 1997 mit einem modernen Geschäftsgebäude am Breiten Weg ansässig ist, verlangt nach einer "kreativen Betrachtung der Gesamtsituation". Er bedauert, dass erst auf den zweiten Blick erkennbar sei, dass es neben Fisch- und Holzmarkt auch noch einen zweiten Teil des Stadtzentrums, den Breiten Weg, gebe. "Eine unbefriedigende Situation, die nach einer Lösung verlangt", sagt Schönfeld.

Nun ist Ihre Meinung, liebe Leser, gefragt. Auf der dritten Lokalseite finden Sie einen Coupon, mit dem Sie abstimmen können, ob der Breite Weg umgestaltet werden soll. Sie können uns aber auch gerne ihre Meinung dazu schreiben.

   

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