Halberstadt (sc). Er war keine 19, als er an die Front musste. Bernhard Schnitzer erinnerte gestern an die grausame und brutale Zeit der Nazidiktatur und der Krieges. "Man spricht ungern darüber, weil es so grausam war", sagte der heute 91-Jährige. Schnitzer verlor zwei seiner Brüder im Krieg, wurde schwer verwundet und musste dennoch wieder an die Front. Als Invalide wurde er vorzeitig aus der Kriegsgefangenschaft entlassen.

"Es hat wohl kaum eine Familie gegeben, die nicht Angehörige betrauerte und die unter den Folgen der Naziherrschaft litt", sagte er. Was Christa Pump bestätigte. Sie musste als Achtjährige mit ansehen, wie ihre Mutter auf dem Flüchtlingstreck in Polen erschossen wurde. "Solche Erlebnisse wünscht man niemandem."

Ein Tenor, der sich gestern durch die gesamte kurze Zeremonie am ehemaligen sowjetischen Ehrenmal zog. Schnitzer erinnerte an die Millionen Kriegstoten, an brutale Kriegsverbrechen, an das Leiden der Soldaten und das Sterben an der Front, in den bombardierten Städten, in den Zwangsarbeiter- und Vernichtungslagern. "Das Grauen damals fing relativ harmlos an. So harmlos, wie sich gerne heute Anhänger rechter Ideologien geben. Deshalb müssen wir wachsam sein und faschistischen Parolen entgegentreten und jenen, die die Geschichte nicht wahrhaben wollen. Halberstadt ist nicht braun, sondern sehr bunt - und so muss es bleiben", sagte der Sohn eines Sozialdemokraten, wie Schnitzer betonte. "Der Tag heute ist ein Tag der Erinnerung, aber auch ein Tag des Dankes dafür, dass die Anti-Hitlerkoalition Deutschland und Europa vom Joch des Hitlerfaschismus befreite."

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