Die Stadtentwicklung hat um den Breiten Weg bislang einen großen Bogen gemacht, so der Vorwurf von Händlern. Resultat: Das Leben im Stadtzentrum findet nur auf Fisch- und Holzmarkt statt. Die Volksstimme sprach mit Jens Klaus, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, und fragte ihn, ob es realistisch ist, in absehbarer Zeit eine Neugestaltung des Breiten Weges auf den Weg zu bringen.

Halberstadt. Das Sorgenkind der Stadtentwicklung, so ist der Breite Weg bei vielen Halberstädtern und Gästen der Kreisstadt präsent. Eine Flaniermeile im Stadtzentrum, die sie vor langer Zeit einmal war, aber schon lange nicht mehr ist. Pläne für eine dringend notwendige Umgestaltung gibt es zwar, verstauben aber seit Jahren in Schubladen.

In Sachen Neugestaltung muss man beim Breiten Weg schon weit zurückschauen, um etwas zu finden. Anfang der 1990er Jahre erhielt die Fußgängerzone vom Breiten Tor aus bis zur Einmündung Weingarten ihr heutiges Aussehen. Der Bereich bis zum Fischmarkt stammt jedoch aus der Mitte der 1980er Jahre.

Peter Köpke, Chef der Händlergilde Halberstadt und SPD-Stadtrat, hat es kürzlich auf den Punkt gebracht: Die Stadt muss sich entscheiden, ob der Breite Weg leben oder sterben soll. Die Halberstädter Volksstimme ging dieser Frage nach und suchte beim Fachbereichsleiter Stadtentwicklung der Stadt Halberstadt, Jens Klaus, nach einer Antwort.

"Schon damals fand sich keine Mehrheit für die Umsetzung des Planes."

Aus den Augen habe die Stadt die Entwicklung des Breiten Weges nie verloren, betonte Jens Klaus. Das Areal sei nach wie vor Bestandteil des Stadtsanierungsgebietes. Außerdem gebe es ein Einzelhandelskonzept, das das Stadtzentrum, also auch den Breiten Weg, stärken soll. Insofern akzeptiert er auch nicht den Vorwurf, dass die Stadtentwicklung stiefmütterlich mit dem Breiten Weg umgeht. Vor genau zehn Jahren wurde ein Architektenwettbewerb zur Neugestaltung initiiert und sogar ein Sieger gekürt. Der vielversprechende Entwurf eines Büros aus Hannover blieb allerdings ein Papiertiger.

"Schon damals fand sich keine Mehrheit für die Umsetzung des Planes. Es lag wohl am Geld", so Klaus. 1,34 Millionen Euro hätten die Arbeiten gekostet. Und weil der Weg Bestandteil des Sanierungsgebietes ist, hätte man damals wie heute Fördermittel für den Umbau beantragen müssen und können. Das geschah nicht. Heute sei die Chance, für das Vorhaben geschenktes Geld, also Fördermittel zu bekommen, nur noch von theoretischer Natur. So theoretisch wie die Diskussion darüber, ob die Stadt Halberstadt derzeit Geld investieren könne. "In Anbetracht der Haushaltslage muss man so ehrlich sein und sagen, dafür ist kein Geld da. Und das nicht nur in diesem Jahr, sondern auf lange Sicht", schätzt Klaus ein.

Fraglich sei aber auch, ob allein eine Neugestaltung den Breiten Weg wieder nachhaltig beleben würde. "Ich denke, dass das eine wechselseitige Geschichte mit dem Handel ist." Daher plädiert auch Klaus dafür, zu versuchen, dort einen Kundenmagneten anzusiedeln. Allerdings sei das in Zeiten schrumpfender Einwohnerzahlen kein leichtes Unterfangen. Dennoch müsse die Stadt an dieser Stelle alles versuchen.

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