Der Internationale Museumstag wird seit 1978 begangen. In diesem Jahr steht er unter dem Motto "Museen, unser Gedächtnis" und allein in Sachsen-Anhalt beteiligen sich mehr als 40 Museen. Auch die Halberstädter Einrichtungen sind am Sonntag, dem 15. Mai, mit einer Vielzahl an Angeboten dabei.

Halberstadt (sc/tj). Das bekannteste unter den Halberstädter Museen, der Domschatz, lädt ab 14.30 Uhr zu einer Sonderführung durch die Ausstellung ein. Kinder können den Halberstädter Dom aus ihrer ganz eigenen Perspektive und mit allen Sinnen entdecken. Gemeindepädagogin Katharina Wilke lässt "Steine erzählen, Orgelpfeifen erklingen und Glocken ertönen". Warum ist der Dom so hoch, wie viele Handwerker haben daran gebaut, wer hat darin gewohnt? Viele Fragen werden beantwortet und die jungen Gäste können die Dimension, den Klang, die Höhe und vieles mehr selbst erfahren. Treffpunkt ist der Neubau des Domschatzes. Der Eintritt kostet für Kinder 1,50 Euro und für Erwachsene 2,50 Euro.

Das Vogelkundemuseum Heineanum bietet gleich zwei öffentliche Veranstaltungen an: Um 7.30 Uhr treffen sich alle interessierten Naturfreunde vor dem Gut Spiegelsberge zur traditionellen Vogelstimmenwanderung. Und ab 11.30 Uhr wird der Leiter des Museums, Dr. Bernd Nicolai, eine Sonderführung durch das Heineanum anbieten. Dabei präsentiert Nicolai Deutschlands bedeutendste Vogelart, den Rotmilan. Die Besucher erfahren Einzelheiten zu Biologie, Besonderheiten, aktuellen Entwicklungen, Gefährdungen sowie zu Problemen beim Schutz dieses attraktiven Greifvogels.

"Es hätte ihn nicht gestört"

Gleich nebenan nimmt das Städtische Museum Besucher mit auf eine Zeitreise besonderer Art. Um 13.30 Uhr lädt Friedrich Gottfried Hermann Lucanus (1793-1872) zu einer Führung durch die bedeutende historische Apotheke im Obergeschoss des Hauses ein. Der Apotheker Lucanus war ein berühmter Sohn der Stadt, Mitautor des Entwurfs einer preußischen Apothekerordnung und zugleich Kunstfreund, Fotograf und Kommunalpolitiker.

Von Bedeutung für die Stadt war auch Johann Wilhelm Ludwig Gleim. Das Gleimhaus zeigt anlässlich des Museumstages seine Buchschätze. Das Literaturmuseum gewährt von 10 bis 16 Uhr freien Eintritt. Außerdem bietet Annegret Loose, die Bibliothekarin des Hauses, um 10.30 Uhr eine Führung für Kinder und Erwachsene zu den Buchschätzen des Gleimhauses an. Dabei wird sie vor allem die botanische Literatur näher vorstellen, darunter Herbarien und Werke bedeutender Naturwissenschaftler.

Nicht nur den Tag der Museen feiert am Sonntag die Moses-Mendelssohn-Akademie mit ihrem Berend-Lehmann-Museum, sondern auch den 350. Geburtstag des Namensgebers. Eigentlich wurde der berühmte Hofjude bereits an einem 23. April geboren. "Aber wegen der Osterfeiertage und des Pessachfestes haben wir uns entschieden, später zu feiern. So weit uns bekannt ist, hätte es Berend Lehmann nicht gestört, er hat um seinen Geburtstag nie viel Aufhebens gemacht", erklärt Jutta Dick die verspätete Feier. Um 15 Uhr stellt der Historiker Berndt Strobach seine zweibändige Publikation "Privilegiert in engen Grenzen. Neue Beiträge zu Leben, Wirken und Umfeld des Halberstädter Hofjuden Berend Lehmann (1661-1730)" vor. Danach kann, wer mag, Lehmanns Grab auf dem ältesten jüdischen Friedhof der Stadt besuchen.

Starten wird der Tag in der Mendelssohn-Akademie aber mit einem Schachturnier - ab 8.30 Uhr geht es los. Welchen Bezug das zu Berend Lehmann hat - dazu morgen mehr.

Schach wird natürlich in Ströbeck groß geschrieben. Im Rahmen der Feiern zu "1000 Jahre Schachtradition" wird im Schachmuseum um 15 Uhr die Fotoausstellung "Schachdorf Ströbeck - gestern und heute" eröffnet, die Wandel und Kontinuität in den letzten 150 Jahren dokumentiert.