Halberstadt. Die Wirtschaftsvertreter fordern es schon lange, viele Kommunen in Mitteldeutschland sehen es auch so - Ländergrenzen dürfen keine Entwicklungsgrenzen werden. Eine Erkenntnis, die Jenas Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter (SPD) bewog, 2007 alle mitteldeutschen Städte ab 12 000 Einwohnern zu einem Forum einzuladen. 20 der rund 70 Städte folgten der Einladung, beim fünften Treffen dieses "Forums mitteldeutscher Städte" gestern in Halberstadt waren es schon über 30. Diesmal ging es unter anderem um die weitere Struktur der Zusammenarbeit. Hierfür bot der Deutsche Städtetag seine Unterstützung an, wie dessen Hauptgeschäftsführer Dr. Stephan Articus berichtete.

"Bei diesem Forum treffen sich Gleichgesinnte, die gemeinsam ihre Interessen vertreten und die von einander lernen wollen. Wir sind keine Konkurrenz zu bestehenden Strukturen wie dem Deutschen Städtetag oder den Städte- und Gemeindebünden der jeweiligen Länder", sagte Schröter. "Wir treffen uns mit Lust und Leidenschaft, um regionale Entwicklung voranzubringen."

Die Bürgermeister der Städte aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt hoffen, dass der vor vielen Jahren von den drei Ministerpräsidenten artikulierte Wille zu engerem Zusammenwirken auch umgesetzt wird. "Von den 18 damals vereinbarten Punkten ist erst einer erfüllt - es gibt nur noch ein gemeinsames Frauengefängnis. Aber das allein kann es nicht sein", betonte Schröter.

Ähnlich sieht es Prof. Dr. Georg Frank, erster Vorsitzender der Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland, der gestern ebenfalls zu Gast war. "Wenn wir unsere Stärken ausbauen, innovativ bleiben und unseren Fachkräftebedarf in den nächsten Jahren sichern wollen, brauchen wir attraktive Kommunen. Gute Leute kommen nur, wenn unsere Region auch ein gutes Image hat. Und dazu trägt gemeinsames Agieren bei", so der Wirtschaftsvertreter.

Die Schnittstellen für Zusammenarbeit seien groß, unterstrich auch Halberstadts Oberbürgermeister Henke. Ob es nun Verkehrsprojekte, die Einbindung in Metropolregionen, konkrete Erfahrungen mit Entschuldungsprogrammen und Kulturförderung oder die gegenseitige Tourismus-Werbung sei, jeder könne vom anderen profitieren.