Das Luther-Fest 2012 in Osterwieck kommt immer mehr ins Gespräch. Osterwieck will sich damit weithin als "Stadt der Reformation" bekannter machen. Dem diente auch die Teilnahme von vier Kulturland-Vertretern an einer Veranstaltung in Dessau-Roßlau, zu der die Landesmarketinggesellschaft mit Luther verbundene Städte eingeladen hatte.

Osterwieck. Bis 2017 geht die "Luther-Dekade" noch. Dann ist es genau 500 Jahre her, dass Martin Luther seine 95 Thesen an die Wittenberger Kirche anschlug und die Reform der Kirche einleitete. Gegenwärtig läuft das vierte Jahr der "Luther-Dekade", Osterwieck ist erst seit Kurzem eingebunden. "Man kann nicht sagen, wir wären aufgesprungen: Früher war die Beziehung Osterwiecks zur Reformation einfach nicht bekannt", erklärte Dr. Thomas Dahms vom Verein Kulturland Osterwieck, der mit den Vereinsmitgliedern Andreas Röcklebe, Liselotte und Dr. Klaus Thiele an der Veranstaltung in Dessau-Roßlau teilnahm. Erst 2009 sei durch die veröffentlichten Forschungsergebnisse von Dr. Klaus Thiele Osterwieck als Stadt der Reformation erkannt worden. "So gesehen ist es ein Glück, dass die Forschungsergebnisse innerhalb der ¿Luther-Dekade\' bekannt wurden und nicht erst danach."

Im Gegensatz zu den LutherStädten Wittenberg, Eisleben oder Mansfeld ist Martin Luthers Anwesenheit in Osterwieck nicht bezeugt. Dennoch gebühre der Ilsestadt das Alleinstellungsmerkmal als "Luther-Wirkungsstätte", wie das Stadtbild mit den vielen erhaltenen Häusern und den selbstbewussten Hausinschriften aus dem 16. Jahrhundert zeige. "Darin kann man eine Brücke zum neuen Osterwieck, der Emanzipation der Bürger, einem Stück Unabhängigkeit vom Stadtherrn, dem Bischof von Halberstadt, sehen." Äußeres Zeichen dessen seien eben die Hausinschriften mit reformatorischen Inhalten, das in dieser Zeit erbaute Schiff der Stadtkirche oder der Ausbau des alten Rathauses.

Anfangs war Osterwieck auf keiner Luther-Landkarte vertreten, jetzt ist sie in das Programm der "Luther-Dekade" aufgenommen worden. "Wir sind mit neugierigen Blicken empfangen worden", schätzte Thomas Dahms, der promovierte Historiker, ein. Ein erster Höhepunkt ist am 5. November dieses Jahres ein wissenschaftliches Symposium unter dem Titel "Luthers Lehre wurde Stadt" in Osterwieck. Dahms berichtete, dass es jetzt schon Interesse an Folgesymposien in Braunschweig und Mansfeld gebe.

Für 2012 plant der Verein Kulturland Osterwieck ein erstes Luther-Fest in der Altstadt. In Dessau-Roßlau stellten die Osterwiecker Vertreter bereits Plakatentwürfe dafür vor. Es soll nur ein erstes Luther-Fest sein. Ein zweites soll 2015 folgen, der Höhepunkt soll ein Fest 2017 zum Ausklang der "Luther-Dekade" sein. Die Osterwiecker sehen sich dabei in einer Reihe mit den drei sachsen-anhaltischen Lutherstädten.