Schülerinnen und Schüler der Klasse 7a an der Europaschule "Am Gröpertor" absolvierten ein zweitägiges Sozialtraining "Wir sind sozial", das vom Programm "Stärken vor Ort", einem Projekt des Europäischen Sozialfonds, finanziert wird. Dabei ging es vor allem um die Themen Respekt und Gewalt.

Halberstadt. Dass körperliche und verbale Gewalt sowie Mobbing zum Schulalltag gehören und es an notwendigem Respekt anderen gegenüber oft mangelt, damit hielten die Schülerinnen und Schüler in den Gesprächen nicht hinterm Berg. Sie berichteten über eigene Erfahrungen mit Pöbeleien, Beschimpfungen, Beleidigungen, Handgreiflichkeiten und anderes aggressives Verhalten.

Dass man jedoch anders miteinander umgehen kann, dass es sich bei einem positiven Sozialklima in den Schulklassen, auf dem Schulgelände und darüber hinaus besser lernen, leben und miteinander auskommen lässt, erfuhren sie in dem zweitägigen Sozialtraining. Die Leitung hatte Schulsozialarbeiterin Sandra Spormann (Diakonisches Werk im Kirchenkreis Halberstadt), fachkundige Unterstützung bekam sie von Trainerin Damaris Freischlad (Institut für Gewaltprävention, Selbstbehauptung und Konflikttraining Berlin).

In spielerischer Form wurden die jungen Leute angeleitet, die Perspektive zu wechseln, neue Sichtweisen kennenzulernen und zur Lösung der von der Gruppe gestellten Aufgaben einzusetzen. Bei Rollen-, Bewegungs- und Zuordnungsspielen, Kommunikationsübungen, Kleingruppenarbeit und Gruppengesprächen erlebten sie, wo ihre eigenen Stärken und Schwächen liegen. Außerdem wurde gezeigt wie Spannungen abgebaut, Konflikte frühzeitig erkannt, im Vorfeld vermieden oder effektiv gelöst werden können.

Es zeigte sich, dass die Schüler für Themen wie Toleranz, Vielfalt, Respekt aber auch Gewalt zu sensibilisieren sind und durchaus nichts gegen eine Kultur des Respekts und der Anerkennung in der Schule einzuwenden haben. So äußerte Helen Krause: "Es ist gut zu wissen, wie man sich in bestimmten Situationen verhalten soll. Aber auch, warum der Andere sich anders verhält. Das haben wir in den Gesprächen erfahren. Schön wäre es, wenn wir solches Miteinander immer im Schulalltag hätten."

"Man sollte besser miteinander und über Probleme reden"

Jessica Ehrhoff bemerkte: "Mobbing und Prügeleien gehören zum Alltag. Man sollte besser miteinander und über Probleme reden." Sabrina Ringe war neugierig auf das Sozialtraining. "Zumal wir nicht genau wussten, worum es geht. Gewalt unter Jugendlichen ist ein aktuelles Thema. Man sollte besser reden, anstatt drauf zu schlagen. Was den Respekt betrifft, sollte man ihn nicht nur vor älteren Menschen, sondern eigentlich vor jedem Menschen haben." Das sieht auch Lukas Frede so: "Ich habe Respekt vor jedem. Denn jeder ist doch eine Persönlichkeit und verdient es, respektiert zu werden. Gewalt verabscheue ich schon immer. Weil sie keine Probleme löst, sondern eher neue schafft. Das haben die Gespräche und Rollenspiele deutlich gemacht." Justin Pietsch gestand, dass es in der Klasse auch mal Streitereiengibt, die sich aber schnell legen. "Ich denke, wenn jeder den anderen akzeptiert und respektiert, lässt es sich viel besser miteinander auskommen. So halte ich es mit den Leuten, die ich kenne. Die beiden Tage haben mir einiges für die Zukunft gegeben. Wenn das bei den anderen auch so ist, hat es sich gelohnt."

"Ist ja nicht so, dass wir diese Themen sonst nicht auf der Tagesordnung haben", sagte Klassenlehrerin Angela Voigt, "im Kollegium spielen sie eine wichtige Rolle. Wir nutzen die Möglichkeit, auch im Unterricht darüber zu sprechen. Doch solch ein Seminar bietet weitaus mehr Möglichkeiten." Sie freute sich über die Mitarbeit der Schülerinnen und Schüler, lobte die fachkundige Führung und hofft, dass das Seminar im Schulalltag Spuren hinterlässt.

Durch einen positiven Umgang miteinander werde den Schülern die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit gegeben, so die Diplom-Sozialpädagogin Sandra Spormann. Doch das Erlangen und Erhalten von Team- und Kooperationsfähigkeit sei nur durch permanentes Training möglich. Deshalb werde man es nicht bei dem Seminar belassen, sondern in der Schulsozialarbeit, die vom Europäischen Sozialfonds (ESF), der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und den Ministerien für Kultur sowie Gesundheit und Soziales Sachsen-Anhalt gefördert wird, weitere Anstrengungen unternehmen.

Schulsozialarbeit wird an der Europaschule groß geschrieben. Das belegen mehrere Projekte für Schüler der unterschiedlichen Klassenstufen. Nach dem erfolgreichen Verlauf des ersten Sozialtrainings sind zwei weitere am 16. und 17. Mai sowie am 4. und 5. Juli geplant. Dass man sich aber nicht nur auf die Schüler beschränkt, zeigt eine Einladung zu einem Elternabend, bei dem es speziell um die Internetnutzung durch die Kinder geht.