Mit drei tollen Tagen feiert die Reinhard-Lakomy-Schule Ende Mai ihr 20-jähriges Bestehen. Die Schule für geistig Behinderte hat seit ihrer Gründung einige Höhen und Tiefen erlebt.

Halberstadt. Eine Schule feiert Geburtstag. Eigentlich nichts besonderes. Doch dieses Jubiläum ist eines - denn erst nach der Wende bekamen geistig behinderte Kinder ein Anrecht auf Beschulung. Wobei Schule hier nicht die reine Wissensvermittlung ist. "Unser Schwerpunkt ist es, die Kinder fit zu machen für das Leben, für den Alltag", sagt Cornelia Herz. Die Schulleiterin ist von Anfang an dabei, hat mit einem jungen Kollegium vor 20 Jahren die Arbeit in dem vom Landkreis neugebauten Schulhaus in der Juri-Gagarin-Straße Halberstadts aufgenommen.

In dem modernen Bau ist es bunt. Bilder und Skulpturen hängen an Wänden, von der Decke. Neben Lehrern und pädagogischen Mitarbeitern sind seit einigen Jahren Schulbegleiter fester Bestandteil des Mitarbeiterteams. "In den westlichen Bundesländern ist die Betreuungsform sehr viel stärker etabliert", sagt Corne- lia Herz. "Auch wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht." Schulbegleiter helfen zum Beispiel Kindern mit au- tistischen Symptomen, sich in den Schulalltag einzugliedern, sich in Lerngruppen zu integrieren. "Durch den Schulbegleiter gelingt es manchen Kindern überhaupt erst, die Schule besuchen zu können. Wir arbeiten hier eng und gut mit dem AWZ zusammen", berichtet die Schulleiterin, der Ko- operation ohnehin eine Herzensangelegenheit ist. Die Einbindung der Schule in das Wohngebiet, die Zusammenarbeit mit anderen Schulen, Heimen und spezialisierten Betreuungseinrichtungen, mit den Diakonie-Werkstätten, aber auch mit Unternehmen, die Praktikumsplätze für die Werkstufen-Schüler bieten, all das hilft, dass Alltag erlebt wird von den Schülern. Und dass behinderte Menschen mehr und mehr einbezogen werden in das öffentliche Leben. "Wobei uns der Alltag ¿draußen\' auch hilft, uns selbst zu erden und noch besser zu sehen, woran wir noch arbeiten müssen mit den Kindern."

Die aktuellen Debatten um die Notwendigkeit von Förderschulen hatte auch das Lakomy-Team verunsichert. Inzwischen wird wohl auch auf politischer Ebene gesehen, dass es ganz ohne besondere Schulformen nicht funktionieren kann. "Unser Wissen und unsere Erfahrung sind gefragt, auch an den anderen Grundschulen. Viele Kollegen sind regelmäßig in den anderen Schulen, beraten, unterstützen dort die Lehrer und begleiten Kinder, die trotz Beeinträchtigung die Regelschule besuchen."

Wer mit Cornelia Herz und ihrer Stellvertreterin Anne Schulz ins Gespräch kommt, erfährt viel - und spürt, dass die Begeisterung für die eigene Arbeit nicht erloschen ist, auch wenn sie manchmal seelisch und körperlich zehrt. Warum sie sich über den Schulhof freuen, welche Wünsche sie für die nächsten 20 Jahre haben -das kann erfahren, wer am 26. Mai zwischen 12 und 16 Uhr den Tag der offenen Tür nutzt, um sich in der Schule umzusehen und mit den Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen. Zwei Tage vorher aber werden alle Schüler und Mitarbeiter gemeinsam den Zoo in Leipzig besuchen und am 25. Mai bei einem fröhlichen Sportfest rund um die Zahl 20 viele Spiel- und Sportangebote nutzen.