Ein Riesenerfolg war das 10. Treffen der Interessengemeinschaft historischer Fahrzeuge Osterwieck. Sowohl am Sonnabend als auch am Sonntag kamen mehr Oldtimer und Zuschauer aus vielen Gegenden zu dieser beliebten Veranstaltung als je zuvor. Vorsitzender Rolf Michler, der selbst eine große Anzahl vorbildlich restaurierter Motorräder und Motorroller ausstellte, war wie seine 35 Mitstreiter hoch erfreut und äußerst zufrieden mit dem Ergebnis.

Osterwieck. Eigentlich hatte das Wetter an diesem Wochenende ja gar nicht so schön werden sollen. Aber die Wettergötter meinten es doch richtig gut mit den Organisatoren, Ausstellern und Gästen, die das vom Haupt-Sponsor Henning Borek wieder unentgeltlich zur Verfügung gestellte Gelände der Druckerei mit hochkarätiger alter Technik und unzähligen Menschen jeden Alters füllte. Zeitweise ging gar nichts mehr. Parkplätze in der Nähe wurden knapp, und es bildeten sich lange Schlangen an den Verpflegungsständen.

Viele der technikverrückten Menschen hatten weite Wege zurückgelegt, um ihre geliebten "Schätzchen" dem fachkundigen Publikum in dieser Hochburg historischer Fahrzeugtechnik zu zeigen, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen oder vielleicht ein lange gesuchtes, seltenes Ersatzteil für das uralte Motorrad oder Auto zu erstehen.

Die Vielzahl, Exklusivität und vor allem Qualität der hier ausgestellten Motorräder, Roller, Cabrios, Coupés, Lkw, Traktoren und Stationärmotoren ließen die Herzen der Besucher denn auch schneller schlagen und die Augen leuchten. Das älteste Motorrad soll laut Veranstalter in diesem Jahr eine französische "Imperia" von 1928 gewesen sein. Die Maschine habe einen Einzylindermotor mit 200 Kubikzentimetern Hubraum, berichtete Jens Langhof vom Gastgeber, der IG historischer Fahrzeuge Osterwieck.

Als die ältesten Pkw, die natürlich mit eigener Kraft zum Treffen in das Kulturland Osterwieck gekommen waren, erwiesen sich ein Citroen und ein BMW Dixi, beide Baujahr 1928. Nur zehn Jahre jünger war der schwarze und weinrote Ford Eifel von Peter Rackwitz aus Veckenstedt. Beinahe wie frisch aus der Fabrik blitzte und blinkte dieses Schmuckstück von 1938, das aus 1,2 Liter Hubraum 34 PS holt und eine für ein Cabriolet angemessene Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern erreicht.

Gleich daneben stand ein weiterer automobiler Traum, ein EMW 327 aus Eisenach, Baujahr 1952, Sechszylinder-Reihenmotor mit 55 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h. Von diesem Typ wurden kaum 400 Exemplare hergestellt, die Hälfte als Cabriolet überwiegend für Skandinavien. Der schwedische König soll ebenfalls solch einen eleganten Wagen gehabt haben. Gerd Ludwig aus Elbingerode hatte nach der Wende dieses ziemlich verrottete Stück irgendwo per Zufall entdeckt und verwandelte es im Laufe der Zeit in ein wirklich edles Gefährt.

Herzklopfen eines Oldtimer-Freaks

Für die eingefleischten Freunde historischer Fahrzeuge gibt es bei jedem neuen Projekt gleich mehrfach heftiges Herzklopfen und kräftige Adrenalinschübe. Die erste Aufregung kommt bereits bei der Entdeckung eines wertvollen alten Fahrzeugs irgendwo in einer alten Scheune oder Garage. Die nächste folgt, wenn man das Wrack dem Vorbesitzer abluchsen konnte und es dann endlich sicher in der eigenen Garage oder Werkstatt steht. Danach kommt die nicht minder aufregende Zeit der Restaurierung, die zum Teil mehrere Jahre dauert und dem neuen Besitzer immer neue Herausforderungen beschert. Da müssen alte technische Unterlagen beschafft oder kopiert werden, seltene Ersatzteile von irgendwoher besorgt oder gar extra angefertigt werden. Rost muss beseitigt, die Karosse geschweißt, grundiert und neu lackiert werden, die Elektrik, Motor und Getriebe, Bremsen, Federung und Dämpfer überholt werden. Und dann folgt schon die nächste Aufregung, die Jungfernfahrt - davor natürlich noch die Anmeldung und vor allem die alles entscheidende Prüfung beim TÜV oder der DEKRA.

Wenn das edle Teil schließlich Anerkennung bei den Vereinsfreunden und bei Ausstellungen findet, ist für den richtigen Oldtimer-Freak die Welt in bester Ordnung, und er kommt für kurze Zeit wieder ein wenig zur Ruhe. Allerdings nicht für zu lange Zeit, denn da soll doch bei Bauer Müller in Hohenwiesenklee noch so ein alter Schlepper ...

Sechseinhalb Stunden übern Harz getuckert

Apropos Schlepper. Den absoluten Vogel schossen die Oldtimer-Freunde aus Himmelsberg bei Sondershausen in Thüringen ab. Sechseinhalb Stunden tuckerten sie mit ihren Traktoren mehr als 100 Kilometer über Landstraßen und Wege quer über den Harz, bis sie endlich die Fachwerkstadt Osterwieck erreichten. Zurück dürfte es noch einmal so lange dauern! Der graue Lanz-Bulldog aus Thüringen mit dem großen Glühkopf vorn am Motorblock ist noch einer dieser urigen Traktoren aus den Anfangsjahren der landwirtschaftlichen Motorisierung. Nur einen Zylinder, aber einen enormen Hubraum brachten diese Rauhbeine mit, die vor dem Start erst einmal mit einem Gas- oder Spiritusbrenner vorgeglüht (vorgewärmt) werden mussten, bevor sie dann mit dem zuvor demontierten Lenkrad von einem kräftigen Mann angeworfen wurden. Dieses Vorglühen ist immer wieder ein Höhepunkt bei Treffen dieser Art. Überhaupt - gibt es denn etwas Schöneres als diese Geruchsmischung von Diesel, Sprit, frischer Farbe, Gummi und Motoröl, Bratwurst und Soljanka?

Die Osterwiecker Oldtimerfreunde freuen sich übrigens schon auf ihre nächste Aktion, das Fest in Witschels Scheune Ende Juni.

   

Bilder