Mit Blumen und vielen Umarmungen bedankte sich am Mittwoch die zehnjährige Amalia beim Klinikpersonal im St.-Salvator-Krankenhaus (wir berichteten). Die Mitarbeiter gaben ihr viele gute Wünsche mit auf den Weg.

Halberstadt. Als Oliver Hauf den Raum betritt, bleibt er einen Moment stehen, ein Strahlen huscht über sein Gesicht, als Amalia auf ihn zuläuft. Der Oberarzt umarmt die Zehnjährige, flüsternd unterhalten sie sich. Das Fernsehteam richtet die Kamera auf sie, doch ein bisschen privat wollen sie trotzdem sein. Jeder, der an diesem Nachmittag Amalia wiedersieht, ist glücklich, erstaunt und gerührt. Das schwere Schicksal der Kleinen, die das Zugunglück bei Hordorf schwer verletzt überlebte, hat viele Menschen berührt. Die, die tagtäglich mit ihr zu tun hatten, besonders.

"Du bist so richtig ein Mädchen mitten im Leben", sagt Prof. Dr. Begall, der Ärztliche Direktor des Hauses, und drückt aus, was viele im Raum denken. Amalia ist ohne Rollstuhl, ohne Krücken ins Krankenhaus gekommen, um denen Danke zu sagen, die sich um sie gekümmert haben, die da waren, wenn sie traurig war und auch die schwierigen Momente mit ihr durchstanden. Neben ihrem rührigen Vater und ihrer Tante waren das vor allem die Mitarbeiter auf der Intensivstation, auf der Station A6, die Physiotherapeuten und Seelsorgerin Kerstin Schenk. Die hatte ihr auch fast jeden Tag Briefe, Päckchen und Grüße mitgebracht - oft von wildfremden Menschen. "Das hat mir sehr geholfen", sagt Amalia rückblickend.

Sehr gefreut hatte sie sich auch über viele selbstgemachte Geschenke, so eine Decke mit Pferden. Auf die Frage, wo denn all ihre neuen Plüschtiere geblieben sind, antwortet sie: "Ich habe eine ganze Schublade voller Plüschtiere!" Aber der Teddy, sagt sie auf Nachfrage Prof. Begalls, der ist ihr Lieblingskuscheltier. "Das ist auch gut so. Einer muss der Chef sein, der auf dich aufpasst", so Begall. Er freut sich an diesem Nachmittag gemeinsam mit Dr. Oliver Hauf, Dr. Uwe Sierig, Julia Tschoepe, Trixi Rossmann, Andrea Fröhlich, Cornelia Baer, Denise Kirchhoff, Bettina Lüttich, Marianne Mohr und vielen anderen Klinikmitarbeitern über die Heilungserfolge bei Amalia. Die gibt ehrlich zu, dass ihr die Reha im Krankenhaus anfangs sehr schwer gefallen ist. "Die Übungen in Brandenburg waren einfacher." Dort war Amalia sechs Wochen lang, um vieles wieder neu zu lernen - zum Beispiel das Laufen. Noch geht sie regelmäßig zur Physiotherapie, noch stehen auch kleinere Operationen an. Aber davor hat sie keine Bange, sie spürt, wie liebevoll ihr alle zugewandt sind. Und der Erfolg der vergangenen Wochen macht Mut.

Ihre Klassenkameraden warten schon auf sie, aber noch ist an Schulalltag nicht zu denken. Doch Amalia hat viele Pläne für die Zukunft, erzählt fröhlich, dass sie so gerne bald wieder reiten möchte. Den Blick zurück auf das Unglück, den lässt sie an diesem Tag nicht zu. Gut so.