Auf Schloss Hessen wurde am Sonntag die Sonderausstellung "Hessen und der technische Fortschritt im 19. Jahrhundert" eröffnet. Gezeigt werden 200 historische Fotos und schriftliche Dokumente, die auch über die Anfänge des 20. Jahrhunderts informieren.

Hessen. Der Vorsitzende des Fördervereins Schloss Hessen, Klaus Bogoslaw, begrüßte zahlreiche Gäste zur Eröffnung und dankte den Vereinsmitgliedern Rolf Gebensleben und Peter Rühland für die Gestaltung der Ausstellung, das Sortieren, Zusammenstellen und Beschriften der vielen alten Fotos.

Die Sonderschau beschäftigt sich mit den Themen Handwerk, Zuckerfabrik, Molkerei, Wind- und Wassermühlen, Bau der Wasserleitung, Energieversorgung, Gewerbe, Landwirtschaft, Kleinbahn Heudeber- Mattierzoll und noch vielen mehr. Zu sehen sind eine Gesamtansicht von Hessen aus der Zeit um 1900, Luftbildaufnahmen vom damaligen Flecken Hessen aus dem Jahre 1939 und von der Ziegelei (1938), die hier seit 1866 existierte. Vorhanden sind mehrere alte Fotos von der Energieversorgung und den ersten elektrischen Stromleitungen aus dem Jahre 1897 und kurz danach. "Hessen hatte noch vor Wolfenbüttel elektrisches Licht und genoss bis 1905 das Privileg der elektrischen Bequemlichkeit", bemerkte Peter Rühland, der auch Ortschronist ist.

Bestaunt wurden Fotos von den ersten Autos im Dorf. Die Besucher erfuhren, dass das erste Auto, ein Polymobil aus dem Jahre 1906, vermutlich Franz Prüße gehörte. Fotos von Bauernhöfen und der Feldarbeit früherer Jahre zogen ebenfalls die Blicke zahlreicher Interessierter an wie Aufnahmen von der Zuckerfabrik. Hier gab es die Fabrik-Belegschaft aus dem Jahre 1903 und weitere interessante Bilder zu sehen. Sigrid und Reinhold Große - beide arbeiteten früher in der Zuckerfabrik - erkannten darauf Verwandte wieder. Und sie lobten die Schau: "Es wurde an vieles gedacht. Eine gelungene Ausstellung."

Petra Gifhorn und Jutta Schilk haben bisher noch keine Sonderausstellung im Schloss versäumt. Mehrere ältere Fotos erinnerten sie an die eigene Kindheit in Hessen.

Die Ausstellung informiert auch darüber, dass in Hessen je zwei Wind- und Wassermühlen betrieben wurden. "Eine Wassermühle brannte schon 1891 ab, die andere verfiel vor etwa 40 Jahren", informierte Rühland. Von den Käsereien sind ebenfalls Fotos vorhanden. Es gab in Hessen immerhin fünf Käsereien, von denen die Betriebe "Ahl" und "Blume" die ältesten gewesen sind.

Die Molkerei haben Gebensleben und Rühland ebenfalls berücksichtigt. In Hessen, Groß Winnigstedt und Groß Dahlum errichtete derselbe Besitzer Raymann aus Braunschweig vor 1880 jeweils eine Molkerei.

Bilder vom Baubeginn der Bahnlinie Heudeber-Mattierzoll im Jahre 1897 und den Bahnhofsgebäuden in Hessen und Mattierzoll zogen während des Rundganges immer wieder Besucher an. Ein Pferdeomnibus Hessen-Mattierzoll war noch um 1900 in Betrieb. "Ab 1945 fuhr der Zug leider nicht mehr nach Mattierzoll", berichtete Rolf Gebensleben. Im Gespräch erfuhren die Besucher von Rühland und Gebensleben, dass die Amerikaner vom 11. April 1945 bis Anfang Juli in Hessen weilten, danach folgten kurz die Engländer. Anfang Juli 1945 trafen auch sowjetische Soldaten in Hessen ein. Der Zugverkehr Heudeber-Hessen wurde schließlich am 8. Dezember 1969, 0 Uhr, ganz eingestellt. Danach fuhren Busse. Auch diese historischen Fakten sind der Ausstellung zu entnehmen.

Bruno Gatz, der Vorsitzende des Hessener Sportvereins, fand während seines Rundganges durch die Sonderausstellung ebenfalls lobende Worte: "Das ist beachtlich, wichtig und lobenswert, dass Leute sich einbringen, Zeit geopfert und eine derartige Schau vorbereitet haben."

Bald nach der Ausstellungseröffnung fand auch der Frühschoppen große Resonanz. Hier gab es ebenfalls mehrere freiwillige Helfer des Fördervereins. Vorsitzender Klaus Bogoslaw wies zwischendurch auf weitere Veranstaltungen im Dorf hin: Am 4. Juni ab 14.30 Uhr feiert der Hessener Frauenchor am Sportlerheim sein Sommerfest. Die "1. Hessener Gartennacht Licht und Musik" findet am Sonnabend, dem 9. Juli, im Schlossgarten statt. Beginn ist um 19.30 Uhr. Dort werden Kerzen den ehemaligen Lustgarten erleuchten. Erwartet werden mehrere Musik- und Tanzgruppen.

Am Nachmittag führte Bärbel Däumler noch viele Besucher durch das Schloss und die neue Ausstellung. Diese Sonderschau kann wieder am letzten Sonntag im Juni, zweiten und vierten Sonntag im Juli und August sowie am Tag des offenen Denkmals Mitte September besichtigt werden. Das Schloss ist an diesen Sonntagen jeweils von 13 bis 15.30 Uhr geöffnet, Führungen beginnen um 14 Uhr. Ein Besuch der neuen Sonderausstellung lohnt sich auch für Personen, die nicht in Hessen wohnen.

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