Wie heißt es so schön im Fußball: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Und so geht bei aller Freude über den großen Erfolg der Petersen-Elf beim VfB Germania die Arbeit weiter. Wozu die Bindung von Sponsoren an den Verein gehört.

Halberstadt. "Die Mischung hier stimmt von fußballverrückten, engagierten Mitstreitern die Zeit und Geld geben, von Strategen und von Realisten, die sowohl fußballerisch als auch wirtschaftlich Augenmaß beweisen", sagt Bodo Himpel. Gemeinsam mit Ralph Botschen sitzt er gestern früh mit Hans-Joachim Purfürst und Olaf Herbst zusammen. Die Stadtwerke bleiben Hauptsponsor des VfB Germania, und das soll mit Verträgen besiegelt werden. Über Summen wird geschwiegen, dafür wird deutlich: die Arbeit des fast 1000 Mitglieder zählenden Sportvereins ist genau das, was die Stadtwerke gerne unterstützen. Nicht nur, weil hier Kinder und Jugendliche aufgefangen werden, sie in einem festen sozialen Umfeld Zeit verbringen. Nicht nur, weil die Fußball-Mannschaft des VfB nun in die Regionalliga aufsteigt. Das Engagement begründet sich auch in dem regionalen Charakter des Vereins.

Germania-Präsident Olaf Herbst unterstreicht das, wenn er berichtet, dass viele gute Nachwuchskicker aus dem gesamten Harzkreis kommen. "Dass wir so hochklassig spielen können, gibt Impulse für alle. Wir sind ein Leistungszentrum für die Region, denn die demografische Entwicklung führt dazu, dass manche Vereine in bestimmten Altersklassen gar keine Mannschaften mehr bilden können. Da gehört Kooperation einfach zum Alltag", so Herbst.

Realistisch bleiben

Dass diese Kooperation in der Region auch wirtschaftlich funktioniert, zeigen die rund 100 Sponsoren, die vertraglich gebunden werden konnten. Ein Erfolg, der wesentlich auch Hans-Joachim Purfürst zu verdanken sei. Der Geschäftsführer der Fußball GmbH Germania Halberstadt, die nur noch eine Vermarktungsgesellschaft und wichtiger Teil des Vereins ist, macht diese wichtige Arbeit "nebenbei, aber eigentlich ist es ein Vollzeitjob", sagt Purfürst. Und strahlt ein bisschen, als Olaf Herbst erzählt, dass der DFB erstaunt feststellte, dass die Germanen als einziger Verein in Deutschland vor der Antragstellung zur Regionalliga-Lizenz alle Kosten mit Sponsorenverträgen gesichert hatten. Das war am 15. März.

"Dass wir den Antrag stellen konnten, hatte neben der sportlichen Leistung der Mannschaft und der Unterstützung durch unsere Sponsoren und unsere Vereinsmitglieder noch einen anderen Grund. Der Aufsichtsrat der Nosa hatte drei Tage vorher seinen Beschluss bekräftigt, den Stadionumbau anzugehen", berichtet Herbst. Ohne diese Basis hätte er den Antrag nicht gestellt. "Man muss realistisch bleiben." Was auch für die Finanzierung der Regionalliga-Saison gelte.

"Wir haben zwar ein kleines Polster, aber wir müssen das Geld zusammenhalten. Noch haben wir keine Erfahrung, was die Regionalliga wirklich kostet", erklärt Purfürst. Die vergangenen zehn Jahre hätten neben der guten Entwicklung auch einige kritische Situationen bereitgehalten, was zur Zurückhaltung mahne. Purfürst lobte in diesem Zusammenhang nicht nur das Engagement und Vertrauen der Sponsoren, sondern auch das der Nosa. "Was die Holding allein in der Stadionbetreuung leistet, ist enorm. Andere Vereine sind an solchen Kosten pleite gegangen. Dazu kommt, dass unsere Leute das FSZ günstig nutzen können."

"Am Beispiel des VfB zeigt sich, das eine Stadt letztlich von ihren Bürgern getragen wird. Wachsendes Bürgerengagement in der Stadt und in der Region wird die Zukunft sein, gerade angesichts leerer kommunaler Kassen", sagt Bodo Himpel, bevor die Kulis gezückt und die Verträge unterschrieben werden.