Der Tante-Emma-Laden und die Kaufhalle in Deersheim sind Geschichte, Einkaufen können die Einwohner nur noch außerhalb. Groß ist daher das Interesse, mit eigener Kraft ein neuartiges Dorfladenkonzept auf die Beine zu stellen.

Deersheim l "Die Deersheimer haben mich komplett überrascht", sagt Ortsbürgermeister Wolfgang Englert und freut sich darüber. Rund 70 Einwohner vom Mittzwanziger bis zum Rentner folgten der Einladung in den "Dorfkrug", wo Christian Klems, Projektleiter beim DORV-Zentrum Jülich-Barmen, aus seinem Ort mitreißend von der Entwicklung eines Dorfzentrums berichtete, das die alltägliche Versorgung mit Lebensmitteln sowie weitere Dienstleistungen für die Anwohner gewährleistet. Ein Konzept, das er vor wenigen Wochen schon mal in Osterwieck auf einer Themenkonferenz der "ZukunftsWerkStadt" vorgestellt hat. Deersheim könnte nun das Pilotprojekt in der Region werden, solch einen Dorfladen ins Leben zu rufen.

"Alle waren positiv eingestellt. Es hat keiner Nein gesagt", beobachtete Wolfgang Englert mit Freude. Auch wenn es den Dorfladen nach seinen Worten nicht umsonst geben wird, er Kraft kostet und die Vorbereitung Zeit braucht. "Die Vereine sind zusammengewachsen", sieht Englert den Grund für die positive Stimmung.

Deersheim besitzt zwar aus DDR-Zeiten einen Kaufhallenbau, der vom Eigentümer zum Verkauf steht. Die Bestrebungen beim neuartigen Dorfladen gehen aber wenige Meter weiter zum alten Stall des Edelhofs, der unter dem Titel " Markthalle" bereits erste Sanierungsschritte erlebt, als Leader-Projekt Förderpriorität genießt und ebensogut auch zu einem Geschäft ausgebaut werden könnte. Der Edelhofverein engagiert sich dabei federführend. Kürzlich hatte er hier einen Herbstmarkt ausgetragen.

"ZukunftsWerkStadt" bietet Unterstützung

Über das große Interesse freut sich ebenfalls das Projektteam der "ZukunftsWerkStadt" um Elke Selke. Sie berichtete, der Referent aus Jülich-Barmen habe sich zuversichtlich geäußert, dass das Konzept in Deersheime funktionieren könnte. "Wir werden versuchen, noch soviel wie möglich über die ZukunftsWerkStadt zu organisieren", sagte Selke. Denn das Projekt - mit entsprechendem finanziellen Budget - läuft nur noch bis Ende März. Danach könne sie aber als Mitarbeiterin der Kreisverwaltung weitere Hilfe geben.

Zur Unterstützung steht während der Projektphase auch die Hochschule Harz bereit, die in erste Untersuchungen unter Federführung des DORV-Zentrum Jülich-Barmen eingebunden werden kann. Dabei geht es zunächst um eine Basisanalyse, in der unter anderem die Bevölkerungsstruktur, das Engagement, die Verkehrsanbindung und vorhandenen Einkaufsmöglichkeiten untersucht werden. Danach sind die Bürger selbst gefragt, aktiv zu werden.

Während der angeregten Diskussion im "Dorfkrug" wurden auch kritische Punkte angesprochen. So sagte Klems deutlich, dass diese Investitionen, wie jede andere auch, ein Risiko beinhalten und die Bürger selbst dafür zuständig sind, den Laden mit ihrer Kaufkraft am Leben zu erhalten. Allerdings versicherte er auch, dass keines der in Deutschland etablierten DORV-Zentren ein Minusgeschäft sei. Wichtig sei es vor allem, regionale Produkte in guter Qualität anzubieten.

Eine Einwohnerin begründete ihre anfängliche Skepsis damit, dass sie mobil sei und daher immer ins nächste Einkaufszentrum fahre. Allerdings könne sie schon morgen einen Herzinfarkt erleiden, sodass eine Nahversorgung im Dorf dann natürlich sehr nützlich wäre.

Neben der Erkenntnis, dass ein Dorfzentrum bei eingeschränkter Mobilität im Alter hilft, begeisterte die Anwesenden die Möglichkeit, wieder einen Ort der Kommunikation für das Dorf aufzubauen.

 

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