Wenn das alte Tragkraftspritzenfahrzeug der Hundisburger Feuerwehr ausgemustert wird, soll wieder ein entsprechendes Fahrzeug angeschafft werden. Und das Gerätehaus soll dementsprechend – noch in diesem Jahr – umgebaut werden. Das ist der Antrag des Ortschaftsrats Hundisburg an den Stadtrat. Auf keinen Fall soll die Wehr ohne Löschtechnik bleiben. Das sieht auch die Stadtverwaltung so.

Hundisburg. Nach der Diskussion über die Risikoanalyse und Brandschutzbedarfsplanung für die Stadt Haldensleben einschließlich Ortsteile Anfang Dezember hatten die Mitglieder des Hundisburger Ortschaftsrats und Feuerwehrleute Bedenken, denn aus diesen Erhebungen wurde die Schlussfolgerung gezogen, für die Freiwillige Feuerwehr Hundisburg reiche künftig ein Mannschaftstransportwagen.

"Wir sollten wieder eine Spritze bekommen", eröffnete Ortsbürgermeister Josef Franz am Mittwochabend die Diskussion im Ortschaftsrat darüber. Die Hundisburger Wehr sei am Tage zwar nicht einsatzfähig, aber nur ein Mannschaftstransportwagen für die Kameraden reiche einfach nicht. Wenigstens für den Ersteinsatz auch in Wohngebieten sollte ein Spritzenfahrzeug im Ort sein. Dr. Otto Harms unterstrich das. Lebenshilfe-Werkstätten, Ziegelei, Schloss, Räuberhöhle zählte er Schwer- punktobjekte im Ort auf, so dass die Wehr für den Ersteinsatz gewappnet sein müsse. Er stellte für den Ortschaftsrat deshalb den Antrag, das jetzige Fahrzeug der Wehr von 1994 durch ein ähnliches, moderneres zu ersetzen, wenn es 2013 ausgemustert wird. Auf keinen Fall würde ein Mannschaftstransportwagen reichen, mit dem die Kameraden höchstens zum Einsatzort fahren könnten. Für das Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) müsste das Gerätehaus entsprechend umgebaut werden. Da die Feuerwehr von Haldensleben nach Hundisburg immer über Bahnschienen müsse, könnte wertvolle Zeit verstreichen, wenn die Schranken geschlossen sind. Außerdem regte er an, dass in städtischen Einrichtungen auch Wehrleute aus Hundisburg beschäftigt werden könnten.

Jochen Thiele, Thomas Hermann und Michael Pekok argumentierten ähnlich. "Wenn wir kein Einsatzfahrzeug mehr haben, ist auch keine Nachwuchswerbung für die Feuerwehr mehr möglich", bekräf- tigte Jochen Thiele. "Die jungen Leute müssen auch mal raus, zum Beispiel mit der Spritze mal am Steinbruch üben."

Frank Keitel, seit wenigen Monaten neuer Wehrleiter in Hundisburg, brachte noch einen weiteren Gesichtspunkt zur Sprache. Es könne auch ein Katastrophenfall eintreten, dann sei die Stadtwehr völlig überlastet, deshalb müsse zumindest eine Gruppe oder Staffel in Hundisburg einsatzbereit sein. Und dafür müsse die Wehr nicht nur ein Transportfahrzeug, sondern ein Tragkraftspritzenfahrzeug haben.

Das Problem mit den Schranken sei ausgeräumt, seit es keine Wehr mehr in der Großen Straße gibt, begann Henning Konrad Otto die angesprochenen Fragen zu beantworten. Die Leitstelle spricht mit dem Stellwerk der DB Netz bei einer Alarmierung, wenn die Kameraden zu einem südlich gelegenen Einsatzort ausrücken müssen. Und wenn die alarmierten Kameraden im Feuerwehrhaus ankommen, haben sie auch Bescheid, welcher Bahnübergang für sie offen gehalten wird. Das habe man mehrfach ausprobiert in Bereich Krankenhaus und Althaldensleben, sagte der Stadt-Dezernent. Und selbst wenn die Wehr dann in 13 oder 14 Minuten mit dem ganzen Löschzug eintrifft, sei sie immer noch schlagkräftiger als eine kleine Gruppe, die in 12 Minuten am Einsatzort ist.

Ohne Einsatzfahrzeug ist auch keine Nachwuchswerbung möglich

Eine Konzentration der Kräfte müsse sein. Die Wehr von der Gerikestraße habe im Jahr 100 bis 150 Einsätze, die Hundisburger Wehr musste 2010 achtmal ausrücken. Auf das Ergebnis der Risikoanalyse eingehend, erläuterte Otto: Wenn Hundisburg nicht ein TSF, sondern ein TSW, also ein Fahrzeug mit Wassertank bekommen würde, wäre das Gerätehaus zu klein. Dann müssten 500 000 Euro für Haus und Fahrzeug aufgewendet werden, das sei unverhältnismäßig. Ähnlich sei es in Wedringen.

Dass es für die Nachwuchsgewinnung ganz wichtig sei, wenigstens ein Fahrzeug mit Technik dazuhaben, dem stimmte Otto zu. Keiner wolle die Wehr tot machen. Qualifikation am Hauptstandort der Stadtwehr an der Gerikestraße sei aber dennoch nötig. Und gerade für junge Leute sei die Technik dort sicher beeindruckend.

Mit der Feuerwehrunfallkasse hatte es eine Besichtigung des Gerätehauses gegeben. Die Unfallkasse habe keine Einwände, wenn hier ein TSF steht und das Tor dafür nach vorn verbreitert wird. Das sei machbar, und das müsste genauso für ein Mannschaftstransportfahrzeug gemacht werden.

Die Verwaltung empfiehlt deshalb, wieder ein TSF wie jetzt, nur moderner, anzuschaffen. Bei der Bestückung des Fahrzeuges kann man wahrscheinlich auf einiges zurückgreifen, das erst in den vergangenen Jahren für das alte TSF angeschafft wurde. Das wäre kostengünstiger. Ähnlich wird es voraussichtlich auch in Wedringen kommen, dort war die Feuerwehrunfallkasse allerdings noch nicht vor Ort.

Dass Feuerwehrleute für städtische Dienste bei gleicher Qualifikation wie andere Bewerber bevorzugt eingestellt werden, habe sich bewährt, ging Otto auf einen weiteren Punkt ein. Das gelte auch für die Ortsteile. Allerdings seien die Kameraden im Ernstfall dann womöglich auch nicht im Ortsteil. Ein Kamerad aus Uthmöden, der eingestellt wurde, hat beispielsweise eine Ausrüstung in der Gerikestraße und eine in Uthmöden. Er kann also auch mit der Wehr an der Gerikestraße ausrücken.