Im Interview zum Jahreswechsel stellte sich die Bürgermeisterin der Gemeinde Hohe Börde, Steffi Trittel (parteilos), den Fragen der Volksstimme. Mit ihr sprach Redakteur Maik Schulz.

Volksstimme: Was waren aus Ihrer Sicht als Gemeindebürgermeisterin die prägenden Momente im vergangenen Jahr gewesen? Welche Erfolge hat die Gemeinde erreicht?

Steffi Trittel: Bei aller Freude, dass nach vier Jahren Einheitsgemeinde bereits Hinweise aus der Anpassungsstrategie der Gemeinde Hohe Börde zum demografischen Wandel umgesetzt worden sind, müssen wir unsere strategische Neuausrichtung immer wieder überprüfen.

"Jede Ortschaft konnte Anfang 2013 festlegen, welche Investition gewünscht wird. Ein Großteil der Wunschzettel ist erfüllt."

Jede Ortschaft konnte Anfang 2013 festlegen, welche Investition gewünscht wird. Ein Großteil der Wunschzettel ist erfüllt. Darüber wurde in der Volksstimme zeitnah ausführlich berichtet. Die finanzielle Lage der Gemeinde hat sich stabilisiert. Höhere Steuereinnahmen und verantwortungsvolles Agieren sind dafür die Grundlage.

Die Gemeinde hatte bereits im Januar 2013 einen genehmigten ersten doppischen Haushalt (Einführung der kaufmännische Bilanzbuchhaltung anstelle der bisherigen kameralistischen Buchhaltung/d.Red.). Mit der geprüften Eröffnungsbilanz haben wir die Voraussetzungen erbracht, auch in Zukunft Fördermittel in Anspruch zu nehmen.

Die Gemeinde Hohe Börde ist eine der ersten Gemeinden im Landkreis Börde, die über eine bestätigte Eröffnungsbilanz verfügt.

Die Liquidität der Gemeinde war 2013 aus eigenen Mitteln gesichert, sodass die Inanspruchnahme des Kassenkredits (so etwas wie der Dispokredit der Gemeinde/d. Red.) nicht erforderlich war. Unser Grundsatz, dass vor jeder Investition die Prüfung auf Mitfinanzierung aus Förderprogrammen erfolgt, hat sich bewährt, auch bei kleinen Vorhaben.

Seit Bildung der Einheitsgemeinde haben wir 14 Millionen Euro in alle Aufgabenbereiche der Gemeinde investiert - mit sieben Millionen Euro Eigenmitteln.

Schöne Erlebnisse brachte uns die "Tour de Börde", die vom Junioren- und Seniorenbeirat federführend organisiert wurde.

Die besondere Fürsorge der Irxleber Bürger für die Soldaten, die im Hochwassereinsatz auf dem Sportplatz die Zelte aufgeschlagen hatten, gehört zu den positiven Bildern 2013.

Im Jahr 2013 ist die "Engagement-Drehscheibe Hohe Börde" gestartet. Die Flyer lockten mit den Worten "Ihr Anschwung zum Ehrenamt". Die Hohe Börde wird künftig in der Zusammensetzung der Bürgerinnen und Bürger etwas älter werden. Die Ursachen sind bekannt und die Gemeinde möchte mit der "Drehscheibe" innovative Lösungsansätze anbieten. Landauf, landab wird geredet, doch wir wollen den Versuch unternehmen, neue Mitwirkungsmöglichkeiten anzubieten. Die Abschlussveranstaltung mit dem interessanten Vortrag des Demografie-Experten Winfried Kösters und seiner Grundaussage "Die Zukunft ist nicht die Verlängerung der Vergangenheit" zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind. Die erfolgreiche Gründung des Bürgervereins Hohe Börde und die Vorbereitung der Stiftung "Leben in der Hohen Börde" gehören ebenfalls zu den Erfolgen 2013.

"Die Ergebnisse der Schulentwicklungsplanung, also die Konzentration der Grundschulen auf vier Standorte, müssen vom Land sofort finanziell unterstützt werden, sonst ist die Umsetzung nicht möglich."

Volksstimme: Womit sind Sie bei der Entwicklung der Gemeinde unzufrieden, wenn Sie auf das Jahr 2013 für die Gemeinde Hohe Börde zurückschauen?

Steffi Trittel: Den Status "Familienfreundliche Gemeinde" zu leben war in diesem Jahr eine echte Herausforderung. Zwei Landesgesetze - das neue Kinderfördergesetz und das Gesetz zur Schulentwicklungsplanung - haben uns an der Basis zu Entscheidungen gezwungen, die viele unangenehme Debatten zur Folge hatten. Die Ergebnisse der Schulentwicklungsplanung, also die Konzentration der Grundschulen auf vier Standorte, müssen vom Land sofort finanziell unterstützt werden, sonst ist die Umsetzung nicht möglich.

Die Betreuung der Jugendlichen in der Gemeinde muss neu überdacht werden. Der Zustand in einigen Ortschaften ist schnellstens zu verbessern und es müssen den Jugendlichen geeignete Räume zur Verfügung gestellt werden.

Volksstimme: Wie schätzen Sie die Zukunft der Gemeinde Hohe Börde ein? Was sind Ihrer Einschätzung nach die wichtigsten Vorhaben in der nahen Zukunft?

Steffi Trittel: Die gute konjunkturelle Entwicklung der vergangenen Jahre hat zu einem erhöhten Steueraufkommen geführt. Kommunen haben ihre Pflichtaufgaben in der Daseinsfürsorge zu erfüllen. Investitionen müssen vorausschauend durchdacht werden, um auch zukünftig als Standort für Bürger und Unternehmen attraktiv zu sein. Wir müssen uns auch unangenehmen Fragen stellen und jede Ortschaft zeitgemäß betrachten. Wir müssen prüfen: Wie erreicht man den Hausarzt? Wo ist die Post? Gibt es eine Verkaufseinrichtung? Wir müssen den Menschen ein selbstbestimmtes Leben in der Kommune bieten, das ist unsere Aufgabe. Da gibt es noch viel zu tun und für Lösungen muss auch die Kommune offene Ohren haben. Im neuen Jahr wird der zeitweilige Arbeitskreis "Ortskernentwicklung Hohe Börde - vital" seine Tätigkeit aufnehmen. Wir werden mit den Räten vor Ort für das Dorf innovative und nach vorn gedachte Lösungen suchen.

Dabei spielen für mich die Verbesserung der Breitbandversorgung und des Standortmarketings eine zentrale Rolle. Beides wird unverzichtbar sein, damit unsere Region in Deutschland und darüber hinaus positiv wahrgenommen wird.

Volksstimme: Was wünschen sie sich an politischen Rahmenbedingungen für die Gemeinde von Landkreis, Land und Bund für die kommenden Jahre?

Steffi Trittel: Wir müssen alle zusammen Farbe bekennen und die Entwicklung in die Hand nehmen. Die kritische Haushaltslage in allen Bereichen der öffentlichen Hand und die Lösung der Aufgaben muss dazu führen, dass die Mittel der EU schnell und unkompliziert dem Bürger nützlich werden.

Im Übrigen freue ich mich auf die Wahlprogramme der Parteien und Wählergruppen zur Kommunalwahl 2014, die dann sicherlich neue Impulse für die Entwicklung der Gemeinde geben werden.