Der 13. Januar wird in russischen Gefilden als "Altes Neues Jahr" gefeiert, als Silvester. Was so gar nicht zu unserer Zeitrechnung passen mag, ist dem julianischen Kalender geschuldet. Der galt im russischen Reich bis zur Oktoberrevolution und gilt in der russisch-orthodoxen Kirche noch heute.

Wolmirstedt l Margarita Behrend lebt in Wolmirstedt und mag es sehr, als Snegurotschka, Schneemädchen oder Schneeflöckchen, daherzukommen. Am liebsten neben ihrem Mann Dieter, der das Väterchen Frost mimt, Djed Moros. Margarita Behrend liebt die Kostüme, den Pelz, die Spitze, das Glitzern. Die Aura und der Akzent verraten, dass die lebhafte Dame aus Russland stammt. "Aus Togliatti, dort wird der Lada produziert."

Mit dem Wolmirstedter Dieter Behrend ist sie seit mehr als 20 Jahren verheiratet. Die Behrends begehen Weihnachten und Silvester längst so wie wir, feiern den Heiligabend am 24. Dezember und entzünden Wunderkerzen am 31. Dezember. Dennoch ist Margarita Behrend in alten russischen Traditionen verwurzelt und vermischt sie munter mit den hiesigen. Das russische Weihnachten spielt dabei allerdings keine Rolle. Es fällt auf den 7. Januar, wird aber fast nur noch von den Gläubigen gefeiert. "Bis früh um drei folgen die Russisch-Orthodoxen den Gebeten in der Kirche. Stehend", erzählt sie.

Dass Weihnachten und das Alte-Neue-Jahr, also Silvester, ganze zwei Wochen später als bei uns gefeiert werden, hängt mit der Geschichte der Kalender zusammen. Bis zur Oktoberrevolution galt in Russland der julianische Kalender. Weil der nicht genau mit der Erdumlaufbahn korrespondiert, ersann Papst Gregor XIII einen neuen Kalender und führte Schaltjahre ein. Dieser Kalender wurde nach ihm benannt und wir richten uns noch heute danach. Nicht in allen Teilen der Welt wurde der gregorianische Kalender jedoch zur selben Zeit eingeführt und so stiften die verschiedenen Zeitrechnungen bis heute Verwirrung.

Wenn Margarita Behrend und ihre Landsleute heute, am 13. Januar, das Fest "Altes Neues Jahr" feiern, also das julianische Silvester, ist das keine große Sache. "Wir essen zusammen, aber es gibt an diesem Tag keine Geschenke." Die gab es der Tradition folgend bereits am 31. Dezember. An diesem Tag wird das Jolka-Fest gefeiert. Jolka bedeutet Tannenbaum. "Die Geschenke liegen unterm Baum", erzählt Margarita Behrend, "und wenn es hier 21 Uhr ist, ist es in Moskau 24 Uhr. Da schauen wir uns an, wie Putin im Fernsehen gratuliert. Danach gratulieren wir per Telefon allen russischen Verwandten, trinken Sekt und es gibt Geschenke."

Da das russische Jolka-Fest und das mitteleuropäische Silvester auf einen Tag fallen, lassen die Behrends nach den Glückwünschen gen Russland in Wolmirstedt Wunderkerzen brennen und Raketen steigen. "In Moskau gehen viele zum großen Weihnachtsbaum auf dem Roten Platz", erzählt Margarita Behrend.

Die Behrends mögen beide Kulturen und bringen sie in ihren Kostümen gern anderen nahe. Eines darf dabei niemals fehlen: Russisches Konfekt.