Althaldensleben l Zwei riesige Weihnachtsbäume stehen noch im Kirchenschiff, hoch oben über dem Altar leuchtet ein überdimensionaler Herrnhuter Stern, Kerzen tauchen die Kirche in ein warmes Licht. Ein großes Gebläse hatte das Kirchenschiff erwärmt, in dem die Plätze gerade reichten. Der Gesang der sechs jungen Damen aus Leipzig in der Schinkel-Simultan-Kirche am Sonnabend erwärmt die Herzen. Geistliche Gesänge präsentiert "Sjaella" im ersten Teil des Konzerts - vertonte Psalmen, eigens für sie geschriebene Lieder. Eins davon kam per Internet von einem jungen Komponisten aus Los Angeles. Er bat "Sjaella", das Lied zu singen. Und "Sjaella" singt - a cappella wie alle Lieder. Liebes- und besondere Volkslieder im zweiten Teil des Konzerts.

22 Jahre alt ist Helene Erben, die Älteste in der Gruppe, die mit ihrem tiefen, warmen Alt besticht, 18 die Jüngste, ihre Schwester Felicitas, ebenfalls mit einer wundervollen Altstimme. Viola Blache und Marie Fenske sind die Sopranistinnen mit hellen klaren Stimmen. Viola Blache, die Einzige übrigens, die alte Musik, historischen Gesang studiert, greift vor jedem Lied zur Stimmgabel. Franziska Eberhardt und Marie Charlotte Seidel singen Mezzosopran mit fantastischem Volumen. Jede der sechs erweist sich als brillante Solistin.

"Wir haben zusammen im Kinderkirchenchor gesungen", erzählt Marie Charlotte Seidel in der Pause. "Und wir hatten soviel Spaß am Singen, dass wir uns getroffen haben, um dreistimmige Sätze zu singen - ohne Eltern", ergänzt Viola Blache. "Unseren ersten Auftritt hatten wir 2005 in der Nacht der Chöre in der Peterskirche. Wir haben die Entwicklung anfangs selbst nicht so gemerkt. Das wurde dann ein Selbstläufer. Da hatte uns jemand gehört und holte uns zu einem Konzert oder zu einer Hochzeit, so ging es immer weiter", erinnert sich Franziska Eberhardt. Heute sind die Leipzigerinnen ein gefragtes Ensemble.

Sie füllen die Kirche mit ihren wunderbaren Stimmen, und das Publikum dankt ihnen nach jedem Lied mit langanhaltendem Applaus, als wäre es schon das letzte des Abends. Und als das Konzert zu Ende geht, will der Beifall gar nicht aufhören. "Sjaella" kommt nicht ohne Zugabe aus der Kirche. Und bei dieser Zugabe ziehen die sechs jungen Damen noch einmal alle Register. Sie stimmen ein Lied aus der Renaissance an, das eigentlich gar nicht in ihr Repertoire gehört, und das auch für Männer geschrieben wurde. Es ist ein Lied über Marktweiber, wie sie ratschen und tratschen über ihre Männer und das Leben. Und sie sind auf einmal diese Marktweiber, wie sie tuscheln und kreischen und lachen. Und jeder im Publikum weiß nun, warum sie das Lied trotzdem singen. Ein fröhlicher Abschied an diesem Sonnabend.