Fast zwei Stunden lang schauten die Hundisburger am Sonnabend gemeinsam zurück auf das Jahr 2013 und ehrten einen aus ihrer Mitte: Karl-Friedrich Schröder wurde mit der Ehrenplakette ausgezeichnet. Chor und Instrumentalisten machten den Bürgerempfang auch kulturell zu einem besonderen Ereignis.

Hundisburg l Ein Ortsjubiläum kann Hundisburg in diesem Jahr begehen. "Wir sind vor 20Jahren eine große Vernunftehe mit Haldensleben eingegangen", erinnerte Ortsbürgermeister Josef Franz, als er am Sonnabend die Gäste im voll besetzten Saal der "Räuberhöhle" begrüßte. Und er richtete auch schon einen Blick auf das nächste Jahr: "2015 kann Hundisburg die 875-Jahr-Feier veranstalten."

Josef Franz appellierte zugleich an die jüngeren Hundisburger, zu den Kommunalwahlen am 25. Mai für den Ortschaftsrat zu kandidieren. Wie er wollen auch Otto Harms, Heinrich Enkelmann und Jochen Thiele kommunalpolitisch in den Ruhestand gehen. Da werden Plätze im Ortschaftsrat frei. Allerdings muss jedem Neueinsteiger wohl auch klar sein, dass im Hundisburger Ortschaftsrat gründlich diskutiert wird. Immerhin dauerte die längste Sitzung im vergangenen Jahr drei Stunden und 55 Minuten!

Welche Potenziale in Hundisburg schlummern, zeigte einmal mehr der Rückblick auf das Jahr 2013, den Sandra Tschöke vortrug. Otto Harms hatte den Rückblick mit Bildern illustriert. Da ging es zwar auch um große Feste auf dem Schloss und in der Ziegelei, aber vor allem um das dörfliche Leben und das Miteinander der Vereine. Die Hundisburger blickten auf eine diamantene Hochzeit, einen 100.und einen 90. Geburtstag sowie eine adlige Hochzeit im Schloss genauso zurück wie auf einen abgesägten Maibaum, einen hart erkämpften Verkehrsspiegel an der Hauptstraße, auf die Wiedereröffnung des Jugendclubs, die Jubelkonfirmation und den ersten plattdeutschen Lesenachmittag in der Andreaskirche und den Umbau des Feuerwehrhauses. Das neue Fahrzeug für die Feuerwehr soll übrigens am 15. Juni übergeben werden. Das wurde bereits angekündigt.

Otto Harms stellte auch den neuen Hundisburger Kalender mit allen dörflichen Terminen für 2014 vor, den er mit Unterstützung des Hundisburger Fotografen Thomas Lein gestaltet hatte.

Ein besonderer Höhepunkt beim Hundisburger Bürger-empfang ist in jedem Jahr die Verleihung der Ehrenplakette. In diesem Jahr gratulierte der Ortsbürgermeister Karl-Friedrich Schröder zu der Auszeichnung. "Wer ist eigentlich Karl-Friedrich Schröder?", fragte Christian Kalb, der die Laudatio für den Geehrten hielt. Seit seinem 16. Lebensjahr ist der heute 81-Jährige als "Acki" Schröder bekannt. Den Spitznamen verpasste ihm ein kleines Mädchen, das noch nicht richtig sprechen konnte, ihn aber offensichtlich ins Herz geschlossen hatte, denn es rief immer ganz begeistert "Acki, Acki", sobald es ihn sah.

Sein Leben sei geprägt vom Sport, erläuterte Christian Kalb. Als er mit dem Zug zur Mittelschule nach Haldensleben gefahren sei, war er immer die zwei Kilometer im Laufschritt zum Bahnhof geeilt. Mit 16 schoss er als Linksaußen Tore für die Hundisburger Schülermannschaft. Er spielte Tischtennis, damals noch im Schloss im Eichsfelder Saal. 1957 hatte er Hundisburg zum Nabel der Republik in der Leichtathletik gemacht, erinnerte Christian Kalb. Viele Sportler aus Leipzig kamen hierher.

Mit seiner Frau Ute zog er 1959 nach Hundisburg. Über verschiedene andere berufliche Aufgaben wurde er Sportlehrer und prägte über fast drei Jahrzehnte die sportlichen Leistungen der Hundisburger. 150 Kreismeistertitel holten Kinder und Jugendliche, die bei ihm trainierten, bei Spartakiaden gab es sehr große Erfolge. "Acki" Schröder engagierte sich für Leichtathletik, Speerwerfen, Fußball, Handball...

Regelmäßig trafen sich die Hundisburger Mädchen und Jungen, um nach Althaldensleben zum Schwimmen zu fahren. Vielen hat der Geehrte das Schwimmen beigebracht.

Mit der Kutsche im Festumzug bei der 850-Jahr-Feier

Karl-Friedrich Schröder hat sich nach der Wende auch kommunalpolitisch sehr eingesetzt. Er habe die Entwicklung zu einem Modelldorf entscheidend mitgeprägt, sagte Christian Kalb. Dabei habe er immer ausgleichend gewirkt. Gewürdigt wurde das wohl, als er mit seiner Frau Ute im Festumzug zur 850-Jahr-Feier 1990 als Johann Gottlob und Luise Nathusius in der Kutsche fahren durfte.

"Er hat sich auch für die Eingemeindung nach Haldensleben eingesetzt", machte Christian Kalb deutlich. "Hundisburg und das Schloss hätten nicht diese Entwicklung genommen", verwies er auf die Richtigkeit des Entschlusses.

"Acki" Schröder ist bis heute sportlich aktiv. Regelmäßig läuft er seine Touren. "Mancher Schüler hätte heute Probleme, mit ihm mitzuhalten", stellte der Laudator fest. Seine Tochter sei auch Sportlehrerin geworden, und seine Enkel sind in der Leichtathletik mit überdurchschnittlichem Erfolg aktiv.

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