Die Abfallentsorgungsgesellschaft "Untere Ohre" in Elbeu ist die erste Adresse, wenn Bürger ihre Altlasten loswerden wollen. Die Mitarbeiter wissen, dass Müll nicht gleich Müll ist. Aus den Bergen voll "Unrat" werden eine Menge Wert- stoffe gewonnen.

Wolmirstedt l In der Abfallentsorgungsgesellschaft in Elbeu herrscht ständig Betrieb. Lkw kommen und Bürger. Diejenigen, die ihren Keller entrümpelt oder im Garten die Sträucher geschnitten haben, bringen die Überreste der einstigen Habe und sortieren sie dort unter fachlicher Aufsicht in die jeweiligen Boxen. Im vergangenen Jahr haben die Bürger 4030 Tonnen Unrat angeliefert. Das entspricht etwa dem Gewicht von 800 Elefanten. Doch was passiert mit den Dingen, die Menschen nicht mehr im Haus haben wollen?

Reinhard Schulz, Geschäftsführer der Abfallentsorgungsgesellschaft, lädt zu einem Rundgang ein. Danach fällt es schwer, die großen Haufen voll Durcheinander Müll zu nennen. In diesen Haufen verbergen sich echte Schätze.

In den Boxen für Klein- anlieferer wird bereits vorsortiert. Regentonnen werden zu Regentonnen gestellt, Pappe zu Pappe, Schrott zu Schrott. Eine grobe Vorsortierung, die dem geschulten Blick der Mitarbeiter nicht standhält. "Grüne Regentonnen sind unterschiedlich grün", erklärt Reinhard Schulz, "und müssen je nach Farbton noch einmal sortiert werden." Aus ihnen entsteht in einer Fabrik Granulat für Kunststoffprodukte und dieses Granulat muss ein reines Grün bekommen.

Überhaupt kann alles effi- zienter wiederverwertet werden, wenn es in seine Einzelteile zerlegt ist. "Früher haben wir Autoreifen komplett weiter- gegeben", sagt Reinhard Schulz. Solange, bis er rechnete, dass es viel mehr einbringt, wenn die Felgen extra weiterverkauft werden, getrennt nach Alu- und Stahlfelgen. "Zum Reifenabtrennen haben wir uns eine Reifenmontagemaschine zugelegt, wie sie Autowerk- stätten benutzen", sagt Reinhard Schulz.

Ähnlich verhält es sich mit den Kabeln. Mit Mantel bringen sie nur ein Drittel des Ertrages des reinen Kupfers ein. Also steht eine Abisoliermaschine in der Werkstatt. Das akribische Sortieren ist vom Gesetzgeber gefordert. "Seit dem 24. Februar 2012 gilt das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz, nach dem die Verwertung von Abfällen vor der Beseitigung steht", sagt Reinhard Schulz, "seither haben wir unsere Arbeit vollkommen neu ausgerichtet." Alles, was verwertet werden kann, wird es auch. Selbst das Sonnenlicht. Eine 2500 Quadrat- meter große Photovoltaik- anlage auf den Dächern liefert 255000 Kilowattstunden für den Eigenverbrauch und fürs Netz. Asbest hingegen gehört nicht zu den wiederverwerten Materialien. Das wird beseitigt und möglichst nie wieder angefasst.

Nie wieder angefasst wird auch der Hausmüll, der aus der grauen Tonne entleert wird. "Der geht in die Müllverbrennungsanlage nach Rothensee", sagt Schulz. Im vergangenen Jahr waren das 15000 Tonnen.

Neben der Entsorgung von Hausmüll ist der Abfallentsorgungsgesellschaft auch die Entsorgung von Biomüll, Sperrmüll und Elektrogeräten im Gebiet des alten Ohrekreises vom Landkreis übertragen worden. Der Biomüll wird in Dahlenwarsleben, Flechtingen und Erxleben kompostiert. Die Elektrogeräte werden in der Werkstatt für behinderte Menschen des Bodelschwingh-Hauses auseinandergenommen.

Gerade kommt wieder ein großer Lkw und kippt hausmüllähnliche Abfälle auf der Betonfläche ab. Ein Spielzeugauto ist dabei, eine Gartenliege und Folien. Manuela Gahr kommt mit dem Radlader angefahren und zieht den Berg auseinander. Ramona Ruhbaum und Peter Thal heben den Gartenstuhl heraus. Der Stuhl wird in einem der beiden Container mit alten Gartenmöbeln landen, die nach Bernburg gebracht und zu Granulat verarbeitet werden.

"Meine Mitarbeiter werden regelmäßig geschult", sagt Reinhard Schulz, "sie brauchen ein hohes Maß an Erkenntnissen, denn mit unserer Tätigkeit schaffen wir Potenziale, die für unsere Wirtschaft bedeutend sind." 47 Mitarbeiter kümmern sich um das Sammeln und Sortieren von Nichtmehrgebrauchtem. Acht Sammelfahrzeuge sind unterwegs, es gibt außerdem zwei kleine und vier große Containerfahrzeuge.

Der Grünschnitt, der auf der Deponie landet, wird ebenfalls in den Kreislauf geführt. Im vergangenen Jahr wurden 1200Tonnen gebracht. "Bäume und Sträucher werden geschreddert. Das Material erzeugt in Kraftwerken in Berlin und Hamburg Wärme", so Schulz. Sein Traum ist es, dieses Schredderholz im Landkreis zu verwerten. "Dazu brauchen wir die entsprechenden Blockheizkraftwerke." Derzeit gäben große Tannenbaumberge viel Wärme ab. Was beim Schreddern durchs Sieb fällt, wird kompostiert und dient später unter anderem zur Andeckung von Straßenböschungen, auch beim Bau der A 14.

Die Abfallentsorgung arbeitet auf einer Fläche von rund 40000 Quadratmetern, davon sind rund 8500 Quadratmeter betoniert. Demnächst wird eine neu hergerichtete 3000 Quadratmeter große Fläche für Kleinanlieferer übergeben.

   

Bilder