Die Weichen für noch schnelleres Internet will die Gemeinde rechtzeitig stellen. Im Frühjahr soll eine Machbarkeitsstudie vorliegen. Die ist Voraussetzung für eine Förderung des Breitbandausbaus in der Hohen Börde durch das Land Sachsen-Anhalt.

HoheBörde l Die Formel heißt NGA - Next Generation Access (deutsch: Zugang der nächsten Generation). Gemeint ist die Errichtung von leitungsgebundenen NGA-Datenleitungen mit mehr als 50 Mbit pro Sekunde. Sachsen-Anhalt will mit Unterstützung des Bundes und der EU den Ausbau solcher superschnellen Datennetze dort fördern, wo die kommerziellen Telekommunikationsunternehmen aus Wirtschaftlichkeitsgründen nicht aktiv werden. Marktversagen heißt dies im Amtsjargon. 100 Millionen Euro sollen von 2014 bis 2018 in den NGA-Ausbau landesweit investiert werden.

Chancen nutzen in der Epoche der Gründerzeit des Internet

Die Gemeinde Hohe Börde will die Gelegenheit beim Schopf packen und hat bereits 2013 den renommierten Experten Dieter Schwarzenau mit der Erstellung einer Machbarkeitsstudie beauftragt. Diese Studie ist Voraussetzung für die Förderung durch das Land.

Für den Wirtschaftsausschuss und Gemeindebürgermeisterin Steffi Trittel hat der Ausbau von NGA-Netzen Priorität. Steffi Trittel verglich in der Sitzung des Wirtschaftsausschusses die Herausforderung des Internet-Ausbaus mit dem des Eisenbahnzeitalters im 19. Jahrhundert. "Was damals das Eisenbahnnetz für die Infrastruktur bedeutet hat, das ist heute ein schnelles Datennetz - ein maßgeblicher Standortfaktor für die wirtschaftliche Entwicklung und die Lebensqualität der Menschen."

Deshalb soll der bereits 2013 finanzierten Machbarkeitsstudie nun im Nachtragshaushalt 2014 die Finanzierung des Netzausbaus folgen. Die Förderquote des Landes liegt bei 75 Prozent.

Bis zu einer möglichen Förderzusage muss die Gemeinde - in Gestalt von Professor Schwarzenau - ihre Hausaufgaben machen. Dessen Mitarbeiter informierten den Wirtschaftsausschuss über den Stand der Dinge.

Auf Grundlage der Daten der 2013 abgeschlossenen Grundversorgung (2 Mbit/Sek.) im Gemeindegebiet wurde der Ist-Zustand des Datennetzes unter der Perspektive des anstehenden Netzausbaus untersucht. Schwarzenaus Team nimmt Kontakt mit Netzanbietern und Versorgungsunternehmen auf, prüft mögliche Trassen und zukünftige optimale Netzstrukturen sowie die damit verbundenen Investitionskosten. Zudem muss der tatsächliche Bedarf an schnelleren Datennetzen - insbesondere seitens der lokalen Wirtschaft - nachgewiesen werden.

Zwei Varianten für Verwendung der Deckungslücke

Im Ergebnis der Machbarkeitsuntersuchungen wird Dieter Schwarzenau Handlungsempfehlungen für den NGA-Ausbau abgeben. Diese Empfehlungen werden für das Frühjahr erwartet. Die Studie muss auch besagtes Marktversagen nachweisen .

Denn: Fördergeld fließt nur, um jene Deckungslücke zuschließen, vor der private Anbieter zurückschrecken. Deshalb springt der Staat ein und zahlt 75 Prozent, die Gemeinde muss den Rest der Deckungslücke berappen.

Wird die Förderung genehmigt, gibt es zwei grundsätzliche Möglichkeiten der Erschließung.

Erstens: Nach einer Ausschreibung übernimmt ein privates Telekommunikationsunternehmen den Breitbandausbau, die Gemeinde bezahlt dem Privatunternehmen diese Investition (mit besagten 75 Prozent Förderanteil) - so geschehen bei der Breitband- Grundversorgung mit 2 Mbit/Sek.

Zweitens: Die Gemeinde übernimmt selbst den Ausbau und verkauft das Recht (Konzession), dieses NGA-Netz zu nutzen an ein privates Unternehmen.

Mit einer Genehmigung der Fördermittel rechnet die Gemeinde zum Jahresende.