Das Heiligabend tot aufgefundene Kalb auf einer Wiese bei Dannefeld ist laut Gutachter doch nicht Opfer eines Wolfes geworden. Landwirt Joachim Schulz will diese Einschätzung so nicht akzeptieren.

Dannefeld/Oebisfelde/Kunrau (iwi/aro) l Das tote Kalb, das Heiligabend auf einer Wiese bei Dannefeld gefunden wurde, sei nicht von einem Wolf gerissen worden. Das sagte Rissgutachter Andreas Berbig auf Anfrage.

Das Tier war nach einer ersten Begutachtung noch am 24. Dezember unter dem Verdacht eines Wolfsrisses zur Naturparkverwaltung Drömling nach Oebisfelde gekommen, wo es eingefroren wurde, um später erneut begutachtet zu werden. Das ist inzwischen erfolgt. Dem sieben Tage alten Kalb wurde zur genauen Untersuchung das Fell abgezogen, "um mögliche Bissspuren zu erkennen", sagte Berbig.

"Wir konnten keine Bissverletzung feststellen, die als Todesursache möglich sind", so der Wolfsexperte. Das Kalb sei schon vorher tot gewesen. Zwar sei "das Tier ausgeräumt worden, die Augen waren ausgepickt und die Ohren abgefressen", aber dabei handele es sich um "die Nachnutzung durch andere Tiere". Als Beispiele nannte er Raben, Füchse und auch Marderhunde. "Spuren von Marderhunden waren sogar auf der Weide- fläche nachzuweisen, als das Kalb gefunden wurde", sagte Berbig.

Das Tier gehörte dem Landwirt Joachim Schulz. Seine Herde von rund 40 Mutter- kühen weidete draußen auf der Wiese, inzwischen sind seine Tiere auf einer Fläche in Dannefeld, wo sie auch in den Stall gehen können. Schulz hatte gleich nach dem Auffinden des Kalbes den Wolf in Verdacht, "denn so etwas hatte ich noch nie gesehen". Ob das Tier an einer Krankheit verendet sei oder es eine andere Ursache gebe, konnte Berbig nicht sagen: "Das hätte nur ein Tierarzt gekonnt, wenn dies überhaupt noch möglich wäre."

Bei Joachim Schulz ist der Ärger nun groß, besonders weil es nach der ersten Begutachtung hieß, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen Wolfsriss handele. Schulz hat inzwischen das Protokoll der Begutachtung erhalten und "ich prüfe, wie ich damit umgehe".

Es seien bei der ersten Begutachtung durch die Jeggauer Wildbiologin Antje Weber "Einbissspuren des Wolfs am Kalb festgestellt worden, und plötzlich soll das nicht mehr wahr sein", so der Landwirt ärgerlich. Es sei klar der blau unterlaufene Kehlkopf zu sehen gewesen sein. Dass der Kehlkopf nicht gebrochen sei, hänge damit zusammen, "dass er bei einem Kalb zu weich ist". Problem für Schulz ist, dass er keine Entschädigung für sein totes Kalb bekommt, wenn ein Wolfsriss als nicht wahrscheinlich gilt.

Mit einem Verdacht auf Wolfsspuren beschäftigt sich auch Wolfgang Sender, Mit- arbeiter der Naturparkverwaltung Drömling in Oebisfelde. "Wir haben einen Fall in Kunrau, zu dem Herr Berbig rauskommt. Erst durch spezielle Untersuchungen kann man wieder genau feststellen, ob es sich wirklich um einen Wolf handelt oder nicht", so Sender. Wenn der Wolf wirklich da ist, müssten die Gesetzlichkeiten eingehalten werden.

Von einem Wolf, der angeblich bei Bebertal überfahren wurde, ist Sender und auch dem Wolfsexperten Berbig nichts bekannt.