Im April soll die Allerkanal-Brücke der Landesstraße 22 zwischen Buchhorst und Oebisfelde im Zuge des Straßenbaus erneuert werden. Doch die Buchhorster laufen dagegen Sturm, denn die offizielle Umleitung für sie ist 50 Kilometer lang.

Buchhorst l Ein idyllisches Heim mitten im Drömling haben die 200 Buchhorster Einwohner, doch ihre Idylle hat gerade einen mächtigen Knacks bekommen. Der Ortsteil von Oebisfelde soll nämlich ab April wegen des Neubaus der Allerkanal-Brücke von der Stadt abgeschnitten werden. Die Landesstraße 22 stellt für den Ortsteil die direkte Verbindung zur rund sieben Kilometer entfernten Stadt dar. Sechs Monate soll der Ersatzneubau unter Vollsperrung errichtet werden. Das bedeutet für die Buchhorster eine offizielle Umleitung von rund 50 Kilometern, wenn sie nach Oebisfelde müssen. Und dorthin gibt es jede Menge Anknüpfungspunkte.

"Ich muss nicht selten zwei-, dreimal nach Oebisfelde, schildert Doreen Wienecke ihre Misere. Die Mutter zweier Jungs muss ihren Nachwuchs regelmäßig zum Training und zur Musikschule bringen - zu unterschiedlichen Zeiten. "Wie soll ich das mit einer Umleitung dieser Größenordnung schaffen", fragte sie die Mitglieder des städtischen Hauptausschusses.

Sie ist nur eine von vielen Einwohnern, die zum Beispiel täglich nach Niedersachsen zur Arbeit pendeln müssen. 50 Kilometer mehr und das in die entgegengesetzte Richtung und über Monate halten sie für unzumutbar. Hauptausschussmitglied Sabine Bastigkeit (Die Linke) gab zu bedenken, dass die älteren Buchhorster, die mittags ihre Mahlzeit aus Oebisfelde erhalten, dann auch nicht mehr beliefert werden, weil die Umleitung einfach nicht wirtschaftlich vertretbar zu nutzen sei. Ältere Menschen müssen zum Arzt nach Oebisfelde, brauchen Einkaufs- und Versorgungsmöglichkeiten.

Stadtrat Klaus Gerike (UWG) ist selbst Buchhorster und seit Jahren mit den zuständigen Behörden im Kontakt, um die Sanierung der Landesstraße 22 mit einer verträglichen Lösung für die Einwohner zu koppeln.

Doch die ist nicht in Sicht, denn die Alternativlösungen scheitern an naturschutzrechtlichen Bestimmungen oder müssen selbst erst mit hohem finanziellen Aufwand ertüchtigt werden.

"Wir wollen keine ausgebaute L 22 ohne eine zumutbare Umleitung", sagte der Buchhorster Jürgen Schulz. Niemand sei Gegner des Straßenbaus, doch mit der Umleitung über den Kahnstieg (Kreisstraße 1123) und die Bundesstraße 188 Richtung Miesterhorst über Bergfriede, Niendorf und Weddendorf bis Oebisfelde können die Buchhorster nicht leben.

Mit 162 Unterschriften, die Jürgen Schulz in Buchhorst gesammelt haben, wollen sie nicht nur in der Stadt Oebisfelde-Weferlingen, sondern auch im Landes-Verkehrsministerium auf ihr Problem aufmerksam machen.

Zumal die sechsmonatige Sperrung zum Brückenbau nicht die einzige bleiben wird, denn die nächsten Bauabschnitte, der Ausbau der Mittelgrabenbrücke und der eigentliche Straßenbau, werden in den kommenden Jahren ebenfalls ausgebaut und saniert.

Der Straßenbaulastträger hat als offizielle Umleitung für die rund 20 Busse, die täglich durch Buchhorst pendeln, bereits einen Kompromiss gemacht. Die Strecke über Wolmirshorst und Breitenrode, ein sonst gesperrter Wirtschaftsweg, darf eigentlich nicht befahren werden, da er mitten durch den Naturpark Drömling führt. "Den könnten wir Buchhorster doch auch nutzen", meinte Jürgen Schulz. Doch die naturschutzrechtliche Genehmigung, die notwendig war, um den Bussen den Weg freizumachen, erfolgte nur unter Vorbehalt. "Das hierfür erforderliche Gutachten führt aus, dass die zu erwartenden Auswirkungen des Busverkehrs auf die Flora und Fauna des Naturschutzgebietes zwar einen negativen Einfluss haben, sich jedoch gerade noch in vertretbarem Rahmen bewegen", schloss Pressereferent Peter Mennicke vom Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr eine über den Busverkehr hinausgehende Nutzung aus. Es sei ohnehin kaum möglich, auf dieser Strecke aneinander vorbeizukommen.

Die zweite Alternative der Buchhorster über den sonst gesperrten Ziebertwerg nach Bergfriede zur Bundesstraße 188 zu gelangen, ist aus Kostengründen nicht zu realisieren, weil dafür eine Brücke des Mittelgrabens verrohrt werden müsste.

Und wenn gar nichts anderes geht, sollte man versuchen, weitestgehend die Einwohner einseitig an der Baustelle vorbeizuführen. Schließlich brauche auch der Baustellenverkehr eine Zufahrt von beiden Seiten, sind die Buchhorster überzeugt.

"Wir haben Brückenbauexperten vor Ort. Diese sollten wir kontaktieren und einbeziehen", sagte Steffen Wetterling (UWG). Er zitierte die bereits verstorbene Politikerin Regine Hildebrandt, die einmal gesagt hatte: "Nu erzählt mir nicht, dass es nicht geht!"

Steffen Wetterling wollte die Initiative der Buchhorster unterstützen und nichts unversucht lassen, um ihnen doch noch eine vertretbare Lösung zu bescheren. Sein Antrag, dass der Hauptausschuss die Stadtverwaltung beauftragt, noch einmal alle Schritte zu gehen, um im Sinne der Buchhorster eine Lösung zu finden, unterstützten die Ausschussmitglieder.