Um einige Schätze reicher ist die Calvörder Heimatstube geworden. Besonders stolz sind Christa und Uwe Merker, dass sie die neuen Ausstellungsstücke pünktlich zum 20-jährigen Bestehen ihres Heimatvereins präsentieren können. Vom 11. bis zum 13. April wird es eine Festwoche auch mit Führungen durch die Heimatstube geben.

Calvörde l "Wir durften auf dem Boden des alten Eckgebäudes des ehemaligen Raiffeisen-Marktes an der Bahnhofstraße schauen, ob wir etwas für die Heimatstube finden", erklärte gestern Christa Merker, Vorsitzende des Calvörder Heimatvereins. Gemeinsam mit ihrem Mann Uwe Merker stöberte die Vereinsvorsitzende viele Stunden erfolgreich auf dem Dachboden in der Vergangenheit. Eine ganze Kiste Bücher über die Landwirtschaft gehört zu den historischen Schätzen.

Das Paar fand unter anderem zwei dicke handgeschriebene Abrechnungsbücher aus der Zeit ab 1944. Familien und Orte aus dem gesamten Flecken Calvörde sind dort aufgeführt. "Die Bauern haben hier nicht nur ihre Waren bezogen, sondern auch in der bäuerlichen Handelsgenossenschaft ihre Geldgeschäfte absolviert", erklärte Merker. "Es ist interessant, mit welchen finanziellen Größenordnungen die Bauern damals die Bank aufsuchten. Manch einer ist vierteljährlich mit 4,50 Mark zum Anlegen gekommen. Andere Bauern haben Kredite aufgenommen. Denn schließlich ist nur ein Mal im Jahr die Ernte, aber Geld brauchte die Familie jeden Tag zum Leben", weiß Merker und verwies auf ein Protokollbuch von 1901. Dort ist aufgeführt, womit sich die Genossenschaft zu dieser Zeit beschäftigt hat. "Es lässt sich vieles nachvollziehen, wie die Entwicklung in diesen Jahren war und wie gut oder schlecht es den Bauern ging", erläuterte die Vereinsvorsitzende. "Vielen Bauern ging es in den 30-er Jahren anscheinend nicht so gut, denn damals haben viele Leute Kredite aufgenommen", schlussfolgerte Merker.

"Wir haben noch einige Taschen voller Dokumente, die wir noch durchsehen müssen", erklärten die Geschichtsfreunde.

Zu den Kostbarkeiten, die die Bankangestellten der Heimatstube schenkten, gehören auch vier Silbermünzen mit Motiven der Stadt Haldensleben sowie der Schlösser Hundisburg und Seggerde.

Aber auch einige Calvörder vertrauen den Heimatfreunden ihre Raritäten an. Vor kurzem war auch Gerhard Gadau aus Dortmund zu Gast in der Heimatstube. Der ehemalige Calvörder brachte einen dicken Umschlag mit Fotografien, unter anderem historische Ansichten vom Schwarzen Adler, wo Gadaus Familie früher wohnte. Gemeinsam mit Christa Merker schwelgte Gadau eineinhalb Stunden beim Rundgang durch die Heimatstube in Erinnerungen.

"Außerdem haben wir von den Nachkommen der Familie Vibrans, die sechs Bürgermeister in Calvörde gestellt hatten, einige Ausstellungstücke bekommen. Es sind unter anderem Gemälde mit Familienporträts und ein alter schwerer Schrank, der Anfang des 19. Jahrhunderts aus einer Calvörder Eiche von einem Calvörder Zimmermann gebaut wurde", verriet Christa Merker.

Ganz viele alte Unterlagen und Fotografien brachte auch die Calvörderin Brigitte Püls zu den Heimatfreunden. "Mit den Fotos gab es für uns auch Neuigkeiten. Wir wussten zwar, dass wir einen Schützenverein von 1850 haben, aber zuvor hat es schon einen Landwehrverein gegeben", erzählte Merker.

Auch Heidemarie Schweickert hat zur Freude der Heimatinteressierten einen ganzen Stapel alter Zeitungen dem Verein geschenkt. "Von der Familie Mäkelburg haben wir einen mobilen Sattlerbock bekommen", erzählten Merkers, die sich immer über solche Besonderheiten freuen.

Dringend suchen die Heimatfreunde noch nostalgische Kleidungsstücke, die beim Vereinsjubiläum, das von 11. bis zum 13. April gefeiert wird, bei einer Modenschau gezeigt werden sollen.

Einen Tag der offenen Tür gibt es bereits am Montag, 10. Februar, von 14 bis 16 Uhr.