Nahezu lautlos ist ihr Flug. Unu¨berhörbar dagegen die heulenden oder kreischenden Rufe. Einst verehrt, später erbarmungslos verfolgt, heute geschu¨tzt und trotzdem auch im Drömling in starkem Ru¨ckgang begriffen, ziehen Eulen und Käuze uns Menschen seit jeher in ihren Bann.

Kämkerhorst/Mannhausen l Wegen ihrer nächtlichen Lebensweise haben Eulen für Menschen schon immer eine besondere Rolle gespielt. So mancher Aberglaube rankt rund um die Nachtvögel. Naturfreunde nutzten die Gelegenheit, um bei der Eulenwanderung Spannendes über die fliegenden Jäger zu erfahren.

Für Horst-Dietrich Westphal, Mitarbeiter im Naturpark Drömling, sind Eulen wegen ihrer Lebensweise und der Bedeutung für die Natur besonders interessante Tiere. Einen ganzen Tisch mit präparierten Eulen hatte Westphal aufgereiht. "Wie stopft man Eulen aus?", wollte die achtjährige Augustina Raineri aus Haldensleben wissen. "Präparatoren machen die Tiere haltbar. Das heißt, das Fleisch und die Innereien nimmt man raus. Nur die Haut und die Federn zieht man über einen Gipskörper. Sie werden mit Chemikalien eingesprüht, damit sie nicht faulen. Und sie bekommen Glasaugen", beschrieb der Ranger. Er betonte, dass die Tiere nicht zum Präparieren getötet wurden, sondern dass es meist Unfallopfer seien.

Mäuse sind die Hauptnahrung der Eulen. Daneben erbeuten sie auch andere Vögel. Der mächtige Uhu erlegt sogar Tiere bis zur Größe eines Hasens. "Letztes Jahr, wo es wenig Mäuse gab, haben Eulen auch junge Sperlinge gefressen. Das tun sie, weil sie ihre Jungen aufziehen wollen", erklärte der Ranger und zeigte in den Gewöllen (Speiballen), die Reste eines Sperlingskopfes. "Schlecht für die Eulen ist es auch, wenn lange viel Schnee liegt und sie deshalb keine Nahrung finden. Sie können nicht mehrere Tage ohne Futter auskommen und verhungern schnell", erklärte Westphal.

Große Sorgen macht sich Westphal um den Bestand der Eulen. "Es war ein sehr schlechtes Jahr. In den guten Jahren zählten wir etwa 200 Jungtiere in den Eulenkästen des Drömlings. Bei den fünf Brutpaaren, die wir 2013 hatten, konnten wir nur elf Jungtiere registrieren. 2012 waren es zum Vergleich noch zehn Paare, die 64 Junge großzogen. 2005 bis 2008 waren hingegen die guten Jahre, wo um die 50 Brutpaare bis zu 220 Junge hatten.

Als Hauptgrund für den Rückgang sieht Westphal, dass die Nahrung knapp ist. "Es ist bedenklich. Ich glaube, es liegt an der fehlenden Artenvielfalt. Es gibt kaum noch Luzerne- oder Kartoffelfelder, in denen Mäuse leben können. Und auch auf so manchem Bauernhof gibt es viel zu viele Katzen, die die Mäuse wegfressen. Auch Marder sind auf den Höfen eine Konkurrenz für die nächtlichen Flieger. Wo Marder sind, legen Eulen keine Eier", weiß der Ranger aus Erfahrung. Es gäbe außerdem viele andere Gefahren für die Eulen, die zum Beispiel gegen Drahtzäune fliegen oder von einem Auto tot gefahren werden.

Richtig viel über Eulen weiß bereits Anna Röhl aus Uthmöden. "Ich war im Waldkindergarten in Satuelle. Da habe ich viel über Tiere gelernt", verriet das achtjährige Mädchen. "Wenn Eulen einen Ring tragen, wurden sie gekennzeichnet. Man kann auf dem Ring eine Nummer ablesen", erklärte sie. "Wenn man die Nummer weiß, kann man bei uns oder in der Vogelschutzwarte Hiddensee anrufen. Die Mitarbeiter der zentralen Beringungsstelle können uns dann sagen, wo der Vogel geboren wurde, wie alt er ist, wie viele Geschwister er hat und wie weit er geflogen ist", erklärte der Ranger.

Früher glaubten viele Menschen, dass der Eulenruf den nahen Tod eines Menschen voraussagt. Der Kuwitt-Ruf des Kauzes, der wegen der vom Kerzenlicht angelockten Insekten so manches Haus umflog, in dem eine nächtliche Totenwache stattfand, wurde als "Komm mit" ins Jenseits gedeutet.

Die Augen der Eulen sind sehr viel lichtempfindlicher als die des Menschen. Eulen sehen räumlich sehr gut. Deshalb können sie die Geschwindigkeit der Beute und die Entfernung zu ihr richtig einschätzen, was für eine erfolgreiche Jagd unabdingbar ist.

Mit einem Megafon und einem Gerät, auf dem Eulenstimmen abspielbar sind, versuchte Westphal bei der Eulenwanderung einen Waldkauz anzu- locken. Doch am starken Wind schien das Vorhaben zu scheitern. Westphal ließ nicht locker. "Wir müssen weiter in den Wald. Dort ist es windstill", so der Ranger. Und richtig, nicht nur einer antwortete auf die vielversprechenden Rufe vom Tonband, gleich mehrere Käuze antworteten. Die über 30 Naturfreunde waren begeistert.

 

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