Die drohende Schließung der Grundschule "Bernhard Becker" hat Eltern und Einwohner in Aktion treten lassen. In Beendorf und den Dörfern des Einzugsbereiches sollen verschiedene Initiativen auf das Problem aufmerksam machen, um die Schließung aufzuhalten.

Beendorf l Viele Eltern aus Beendorf und den umliegenden Orten, die ihre Kinder in diesen Tagen für den Schulbesuch ab dem Schuljahr 2015/16 anmelden mussten, waren völlig überrascht. Die Anmeldung erfolgte nicht in Beendorf, sondern in Bregenstedt, und dass sie dorthin müssen, erfuhren sie lediglich über Aushänge in den Kindergärten. Niemand hatte zuvor mit ihnen darüber gesprochen.

Dieses Tüpfelchen auf dem i war eines der Diskussionsthemen, die am Donnerstag bei einem Informationsabend in Beendorf zur Sprache kamen.

Eine Beschulung in Bregenstedt bedeutet lange Wege und noch längere Schultage für die Kinder. "Es geht um das Recht unserer Kinder, neben dem Lernen auch noch Kind sein zu dürfen. Wir müssen unsere Stimme für unsere Kinder erheben", sagte Margret Roth.

Die Eltern Nico und Tina Tylewski sowie Margret Roth aus Bartensleben hatten wegen der drohenden Schulschließung der Grundschule "Bernhard Becker" in das Landhaus eingeladen. Erst vor gut einem Jahr sind Tylewskis von Wefensleben nach Beendorf gezogen, unter anderem wegen der Schließung der Grundschule in Wefensleben. Sie wollten für ihre Kinder einen Wohnort mit einer Grundschule und hatten sich nicht zuletzt auch deshalb für Beendorf entschieden.

Nun sind sie bereit zu kämpfen und auf der Suche nach breiter Unterstützung für zahlreiche Aktionen, die ihren Protest gegen die geplante Schließung zum Ausdruck bringen soll. Mit der sachsen-anhaltischen Initiative "Grundschulen vor Ort" haben sie bereits Kontakt aufgenommen. Deren oberstes Ziel ist es zunächst, über ein Moratorium ein Aussetzen der geplanten Schulschließungen im Land zu erreichen.

Mit dem Stark-III-Förderprogramm des Landes, mit dem Schulen saniert werden können, werde der ländliche Raum von sämtlichen Förderungen abgekoppelt, denn gefördert würden nur Schulen, die die entsprechenden Mindestanforderungen erfüllen, berichtete Margret Roth.

"Es geht um das Recht unserer Kinder, neben dem Lernen auch noch Kind sein zu dürfen."

Margret Roth, Mutter aus Bartensleben

Die Verwaltungen vor Ort würden darüber quasi genötigt, ihre Schulentwicklungsplanung danach auszurichten. Aber es gebe schon Kommunen, die sich dagegen wehren.

Vor Ort geht es unterdessen nicht nur um die Schule, so jedenfalls sehen es die meisten der am Donnerstag Anwesenden. "Ohne Grundschule gibt es keinen Zuzug, damit keinen Nachwuchs", sagte Nico Tylewski. Sterbende Vereine, selbst die Kindertagesstätte könne am Standort gefährdet werden.

Die engagierten Eltern erläuterten, welche Möglichkeiten sie sehen, um die Schließung noch zu verhindern. Notwendig sei es, so der Familienvater, viele Gespräche zu führen, am besten natürlich über die betroffenen Eltern. Je mehr von den Problemen und Sorgen erfahren, umso besser. Bis hin zum Aufstellen einer eigenen Wählergruppe reichen die Überlegungen, denn die Kommunalwahlen stehen bevor. Beendorf hatte bei den letzten Wahlen zwei Kandidaten für den Verbandsgemeinderat aufgestellt, als kleinste Gemeinde jedoch keinen von beiden in das Gremium hineinbekommen.

Außerdem sollen Überlegungen angestellt werden, weitere Kinder beziehungsweise deren Eltern für einen Besuch der Beendorfer Schule zu begeistern.

"Was wir möchten ist, alle Schulen in der Verbandsgemeinde Flechtingen zu erhalten und dass das nicht über die Schülerzahlen entschieden werden muss. Das sind wir unseren Kindern einfach schuldig", meinte Tina Tylewski.

Neben einer Zusammenarbeit mit dem Aktionsbündnis im Land wollen die Beendorfer und Eltern aus den Schuleinzugsdörfern ringsum Aktionen planen, um ihren Protest zum Ausdruck zu bringen. Gespräche mit der Gemeinde Ingersleben und den Nachbarn aus Schwanefeld und Walbeck gehören dazu.

Eine Idee, die das Aktionsbündnis "Grundschulen vor Ort" ins Leben gerufen hat, trägt in Beendorf bereits erste Früchte. Bunte Bänder und Stoffe zieren das Grundstück der Familie Tylewski an der Hauptstraße, und auch die Bibliothek wurde bereits bunt eingehüllt.

Beendorfs Bürgermeister Hagen Friedrichs und Gemeinderat Claus Hansper begrüßten die Initiative der Eltern. "Die Verbandsgemeinde leistet sich den Luxus dreier Verwaltungsstandorte, hat aber für die Schulen keine Mittel", kritisierte der Bürgermeister. Leider fehle es Beendorf an einer Lobby in der Verbandsgemeinde.