Sowohl Visionen als auch harte Fakten bekamen die Besucher beim Tag der offenen Tür der Evangelischen Sekundarschule Haldensleben geboten. Viele Eltern nutzten dabei die (fast) letzte Chance, ihre Kinder für die Schule anzumelden.

Hillersleben l Die Evangelische Sekundarschule Haldensleben hat am vergangenen Sonnabend potenziellen Neu-Schülern und deren Eltern die Türen geöffnet und einen Blick hinter die Kulissen des Schulalltags erlaubt. "Ich bin über den Zulauf positiv überrascht", sagt eine sichtlich zufriedene Pia Kampelmann. Die Schulleiterin hatte mit weniger Be- suchern gerechnet, befindet sich die Schule doch derzeit im Ausweichquartier in Hillersleben.

Das eigentlich Schulgebäude auf dem Süplinger Berg in Haldensleben wird derzeit mit Hilfe des Landes-Förderprogrames Stark III komplett umgebaut und energetisch saniert. "Deshalb können wir hier nur einen kleinen Ausschnitt dessen zeigen, was an unserer Schule so möglich ist", meint die Schulleiterin. Dass das Angebot trotzdem überzeugt, beweist die Tatsache, dass so manche Eltern an diesem Tag noch die Möglichkeit nutzen, ihren Nachwuchs für das kommende Schuljahr in der 5. Klasse anzumelden. "Auch wenn heute Anmeldeschluss ist, macht es durchaus noch Sinn, sich zu bewerben. Denn erfahrungsgemäß entscheiden sich manche Eltern kurzfristig doch noch für eine andere Schulform. So sind noch Plätze frei", erklärt Pia Kampelmann.

Der große Andrang sei mittlerweile vorbei, so ihre Erfahrung. "Seitdem wir zweizügig unterrichten", nennt sie den Grund dafür. Trotzdem gebe es meist mehr Anmeldungen als Plätze. "Wir wählen dann nach bestimmten Kriterien aus, wen wir aufnehmen", sagt sie und unterstreicht, dass dabei weder die Konfession noch die Zensuren eine Rolle spielen. "Wir nehmen ganz bewusst nicht nur die ,Elite` auf, sondern auch Schüler mit Lernbeeinträchtigungen. Aber wir arbeiten leistungsorientiert, jeder muss im Rahmen seiner Möglichkeit sein Bestes geben", beschreibt Pia Kampelmann die Schul-philosophie.

Ausschlaggebend ist Konzept, nicht die Schulausstattung

Diese Vorgabe gelte für Schüler und Lehrer gleichermaßen, macht sie deutlich. "Wir sind so gut, weil das Team so gut ist", lobt sie ihre Kollegen. Das würden eben auch die Anmeldezahlen widerspiegeln. Aus dem ganzen Kreisgebiet werden Kinder und Jugendliche an der Schule unterrichtet. Gut die Hälfte kommt aus Haldensleben, die anderen aus der Region.

Ausschlaggebend sei inzwischen das Konzept, so die Schulleiterin. "Bei der Ausstattung befinden sich alle Schulen mittlerweile auf Augenhöhe", schätzt sie ein. Auch wenn die Evangelische Sekundarschule in Haldensleben an der Ausstattung noch arbeite, wie bei einem Vortrag von Architekt Ulrich Kirchner deutlich wird. Er betreut die Sanierung des Schulgebäudes in der Kreisstadt und hat den aktuellen Baufortschritt bei einem Vortrag in der Aula vorgestellt. So sei das Dachgeschoss in- zwischen abgetragen, jetzt werde mit den Ergänzungsneubauten begonnen, sagt er.

Nach Umbau ist die Schule eines von 20 Modellprojekten

Nach Abschluss der Sanierung bietet "die Schule mit Neubauqualität" nicht nur rund 260 Schülern Platz, sondern "sie ist dann auch eines von 20 Modellprojekten im Land Sachsen-Anhalt", so der Architekt stolz. "Und im nächsten Jahr um diese Zeit findet die Eröffnungsfeier in der neuen Aula statt", zeigt Kirchner auf ein entsprechendes Bild. "Hier sitzen Sie und dort steht Frau Kampelmann und hält die Eröffnungsrede", hat er schon geplant. "Naja, mir wäre es aber lieber, wenn ein Schüler die Eröffnungsrede halten würde", wünscht sich dagegen die Schulleiterin bescheiden.

Doch dies ist nicht der einzige Wunsch, der an diesem Tag geäußert wird. Einen ganz großen hat sich nämlich der Schulförderverein auf die Fahne geschrieben. "Bei uns ist die Idee gereift, eine Schulsternwarte zu bauen", informiert Britta Meyer vom Verein und selbst Lehrerin an der Schule. Wie diese Vision umgesetzt werden könnte, zeigt Dr. Ralf Retzlaff. Er ist Leiter des Zentrums zur Therapie der Rechenschwäche in Magdeburg, das eng mit der Evangelischen Sekundarschule zusammen arbeitet, aber auch Hobbyastronom. In einem Vortrag stellt er die technischen Voraussetzungen und die Möglichkeiten vor, mit der die Vision von einer Sternenwarte an der Schule umgesetzt werden könnte. Ein Kuppelbau beispielsweise sei dafür gar nicht notwendig, erklärt er. Und die heutige Technik lasse sogar Live-Übertragungen vom Sternenhimmel direkt ins Klassenzimmer zu.

Ein Konzept für das Vorhaben gebe es noch nicht, sagt Pia Kampelmann. "Es ist zunächst eine Vision. Aber auch Stark III hat einmal mit einer Vision begonnen", steht sie der Idee des Schulfördervereins offen gegenüber. Dass dieses Vorhaben allerdings nicht gleich heute oder morgen umzusetzen sei, ist allen Beteiligten klar. "Und es geht deutlich unter einer Million Euro", versichert auch Britta Meyer, die auch gleich den finanziellen Grundstein für das Projekt legt: "Heute ist das erste Jahrbuch unserer Schule erhältlich, das die Schüler der 10. Klasse erstellt haben. Wer ein schlechtes Gewissen hat, weil es die Bücher kostenfrei gibt, kann gern spenden", meint sie.

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