Für den Hort in Süplingen hat die Stadt Haldensleben eine Bestandsgarantie bis zum Ende des Schuljahres 2014/15 gegeben. Wie es dann weitergeht, ist noch nicht entschieden. Aber eines ist sicher: Auf Dauer wird die Einrichtung keine Zukunft haben.

Süplingen/Haldensleben l Die Süplinger Grundschulkinder lieben ihren Hort im Ort. Das Gelände ringsum bietet mehr als genug Platz zum Spielen und Toben. Doch das Hortgebäude - eine ehemalige Baracke für Kriegsgefangene, die in den 1950er Jahren im Dorf umgesetzt wurde - ist weit von einem modernen Standard entfernt. Was die Kinder allerdings überhaupt nicht stört.

"Auch wir wissen, dass das Hortgebäude in seinem jetzigen Zustand keine Dauerlösung sein kann", sagt Andrea Ksoll-Siemann. Die zweifache Mutter gehört zu den Eltern, die Angst haben, dass der Hort in Süplingen verschwindet. Die Sorge ist berechtigt, denn die Stadt Haldensleben hat der Einrichtung im Zuge der Verhandlungen zum Gebietsänderungsvertrag - Süplingen ist mit Bodendorf seit dem 1. Januar dieses Jahres Ortsteil der Kreisstadt - eine Bestandsgarantie bis zum Ende des Schuljahres 2014/15 gegeben. Für einen darüber hinaus gehenden Zeitraum hat die Stadt kein Zugeständnis zum Erhalt des Hortes gemacht.

Diese Frist sei jedoch nicht automatisch mit dem Aus des Hortes gleichzusetzen, macht Stadt-Dezernent Henning Konrad Otto deutlich. "Ich kann nicht sagen, ob der Hort in Süplingen 2015 definitiv geschlossen wird. Das wird erst entschieden, wenn es soweit ist", erklärt er. Einen dauerhaften Weiterbestand des Hortes schließt er jedoch definitiv aus.

Auf Dauer könne der Hort in Süplingen nicht wirtschaftlich betrieben werden, so Otto weiter. Die Baracke würde nicht den vorgeschriebenen Energiewerten entsprechen. Aus diesem Grund befürchtet der Dezernent sogar schon einen kurzfristigen Widerruf der Betriebserlaubnis, die vom Landkreis bis 2018 erteilt wurde. "Wir kennen das aus Erfahrung: Sobald die Stadt eine Einrichtung übernimmt, die nicht den Vorgaben entspricht, wird die Betriebserlaubnis entzogen." Sollte dies möglicherweise auch für Süplingen der Fall werden, so werde die Stadt aber zu ihrem Wort stehen, den Hort in Süplingen bis Schuljahresende 2014/15 zu erhalten, versichert der Dezernent.

Wo die Kinder zur Schule gehen, gehen sie auch in den Hort

Zudem seien, wenn die Sanierung der Kästnerschule in Haldensleben zum Jahresende abgeschlossen ist, nicht nur in allen drei städtischen Grundschulen gute bauliche Bedingungen, sondern auch ausreichend Hortplätze vorhanden, sagt Henning Konrad Otto. "Mit der Satzung über die Aufhebung der Schuleinzugsbereiche ist in Haldensleben geregelt, dass es an den Schulen soviel Hortkapazitäten gibt wie Schüler an der Schule sind", erläutert er.

Die Befürchtung der Süplinger Eltern, dass ihre Kinder in Haldensleben an einer Grundschule unterrichtet werden, jedoch den Hort an einer anderen Grundschule besuchen, räumt der Dezernent aus. "Jedes Kind, das in Haldensleben eine städtische Grundschule besucht, kann auch dort den Hort besuchen", versichert er. Ob das, wie derzeit, immer die Otto-Boye-Schule sei, lässt Otto dahingestellt. "Die Eltern haben ja die freie Wahl der Schule."

Für ihn sei es daher auch wünschenswert, wenn die Kinder, die tagsüber zusammen die Schulbank drücken, auch gemeinsam den Hort besuchen. Das würde sich seiner Ansicht nach positiv auf den Klassenverband auswirken. Würden die Süplinger Schüler dagegen künftig weiter einen eigenen Hort in ihrem Dorf haben, wäre dieser Effekt nicht mehr gegeben. "Und auch aus wirtschaftlicher Sicht wäre es absurd, wenn wir in Haldensleben für alle Schüler Hortplätze vorhalten und trotzdem in Süplingen noch einen Hort unterhalten", führt er ein weiteres Argument an.

Deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Dorf

Aus Sicht der Süplinger Eltern allerdings spricht mehr für einen eigenen Hort als dagegen. Allein schon mit dem Umfeld könne Haldensleben nicht mithalten, sind sie überzeugt. "Wir können hier viele Angebote in der Natur vorhalten, wie Radtouren oder Wanderungen. Das kann Haldensleben nicht bieten", meint Sabrina Lindenau. Gerade damit seien auch die Ferienprogramme kostengünstiger als in Haldensleben. "Warum stehen denn die Haldensleber Schlange, damit ihre Kinder in den Waldkindergarten nach Satuelle gehen können? Weil es dort Natur gibt. Und hier will man das alles kaputtmachen", klagen die Eltern.

Als ehemalige Haldensleberin, die inzwischen in Bodendorf wohnt, bricht auch Nicole Hollburg eine Lanze für den Süplinger Hort. "Das ist doch kein Vergleich mit der Stadt. So etwas Schönes gibt es woanders nicht, und die Kinder fühlen sich wohl hier", meint die zweifache Mutter.

Nachdem die Süplinger Schule 1979 geschlossen wurde und die Kinder des Dorfes in Haldensleben zur Schule gehen, gebe es den Hort in der Gemeinde, erinnert sich Inge Ulrich. Auch sie möchte als Oma die Einrichtung vor Ort nicht missen. Die Vorteile, die für Süplingen sprechen, lägen auf der Hand, meint Stephanie Knels. Im Gegensatz zu Haldensleben gehe es im Süplinger Hort eher familiär zu, er sei nicht überfüllt, die Erzieherinnen hätten genügend Zeit, sich mit den Kindern um die Hausaufgaben zu kümmern und es gebe genügend Rückzugsorte, zählt sie auf. Als ausgebildete Pädagogin hält es die dreifache Mutter zudem für einen enormen Vorteil, dass Hort und Kita praktisch unter einem Dach seien. "Die kleinen und großen Kinder verstehen sich prima", sagt sie. Dieses Miteinander würde auch die Sozialkompetenzen der Kinder verbessern.

Mit dem Hort stehe und falle auch der Süplinger Kinderkarneval, wirft zudem Sabrina Lindenau ein. Sie trainiert die Mädchen aus dem Hort und studiert mit ihnen Tänze ein, die zum Karneval, aber auch zu anderen Gelegenheiten gezeigt werden. Würden die Kinder erst am späten Nachmittag aus dem Haldensleber Hort nach Süplingen kommen, dann bekäme man sie dafür nicht mehr aus dem Haus. "Das ist doch auch ein Stück Kultur, das wir dann verlieren", befürchtet Sabrina Lindenau.

Ihre letzte Hoffnung setzen die Eltern auf die von Dezernent Otto in Aussicht gestellte Neugestaltung der Kita "Wirbelwind" und wünschen sich dabei eine Integration des Hortes. Doch die wird sich wohl nicht realisieren lassen. Zwar hat die Stadt Haldensleben über das Stark-III-Förderprogramm des Landes Sachsen-Anhalt bereits den Bedarf einer energetischen Sanierung für die Süplinger Kita angemeldet. "Sollten wir Fördermittel bekommen und uns für einen Neubau - was sinnvoller wäre als eine Sanierung - entscheiden, dann nur für die Kita. Ohne Hort!", so die eindeutige Aussage des Dezernenten.

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