Auch nachdem der Veranstalter von Nazikonzerten jetzt das Groß Germersleber Schloss an einen Einheimischen verkauft hat, will die Initiative gegen Rechtsrock weitermachen. Regelmäßige Treffen und Veranstaltungen planen die engagierten Bürger.

Von Yvonne Heyer

GroßGermersleben l Als sich in diesen Tagen die Bürgerinitiative "Groß Germersleben rechtsrockfrei" wieder zusammenfand, hatte sie zunächst allen Grund, die Sektkorken knallen zu lassen: Die Mitglieder der Initiative stießen auf den Wiederverkauf des Schlosses an. Die Gefahr, dass dort im Park rund um die Schlossruine ein Rechtsrockkonzert stattfinden könnte, ist nach Aussagen des neuen Besitzers, des Groß Germerslebers Mario Fleischhauer, für immer gebannt. "Darauf können wir gern anstoßen", so die Männer und Frauen der Initiative.

Während der Zusammenkunft wurde zunächst der Wiederverkauf des Schlosses ausgewertet. Einig sind sich die Mitglieder darin, sich den Erfolg zuschreiben zu können, dass es der einstige Käufer des Schlosses und Organisator von Rechtsrockkonzerten, Oliver Malina, auch wegen der Proteste aus der Bevölkerung aus der gesamten Region, vorzog, das Areal wieder loszuwerden.

"Wir haben viel erreicht. Unser Engagement im Zusammenspiel mit dem Verein `Miteinander` hat eine große Anerkennung gefunden. Das haben wir an unserem Stand auf der Meile der Demokratie am 18. Januar in Magdeburg gespürt", berichtete der Sprecher der Initiative, Donald Dölle. Etliche Menschen hätten der Bürgerinitiative aus Groß Germersleben ihre Anerkennung ausgesprochen.

Wie soll es nun weitergehen? Hat die Initiative ihren Zweck erfüllt? Soll sie sich auflösen? Diese Fragen wurden auf der Zusammenkunft der Bürgerinitiative in den Raum gestellt. "Wir machen weiter, denn die Gefahr von Rechts ist weiterhin da", betonte Dölle und fügte hinzu: "Wir werden uns nicht mehr monatlich, aber doch in regelmäßigen Abständen treffen und auch Veranstaltungen organisieren."

Die nächste soll bereits am 26. Februar im Gemeindesaal Klein Oschersleben stattfinden. Mit Unterstützung der Awo Sachsen-Anhalt, des Vereins "Miteinander" und der Landeszentrale für politische Bildung lädt die Bürgerinitiative zur Lesung und Diskussion über das Thema "Die netten Nazis von nebenan" ein. Für die Veranstaltung, Beginn ist um 18 Uhr, konnte der Autor des Buches "Moderne Nazis", Toralf Staud, gewonnen werden.

"Sein Buch macht das Phänomen NPD nicht nur fass- und einschätzbarer, sondern steuert vor allem der Lähmung entgegen, die sich ansonsten breitmacht, wenn das Thema auf die Nationaldemokraten kommt", heißt es in einer Rezension des Buches. Im Anschluss an die Lesung können die Gäste mit dem Autor diskutieren.

Die nächste Zusammenkunft der Bürgerinitiative "Groß Germersleben rechtsrockfrei" findet dann am 10. April statt. Das Gremium will sich dann auch Gedanken darüber machen, was mit den noch vorhandenen Spendengeldern passiert. Auch soll an diesem Tag darüber diskutiert werden, ob möglicherweise am Tag der Kommunal- und Europawahlen ein Infostand organisiert wird.

"Zudem suchen wir den Schulterschluss zum Bürgerbündnis `Nienhagen rechtsrockfrei`. Wir haben in unseren Anfängen Unterstützung von dort erfahren und wollen nun diese Initiative unterstützen, die möglicherweise mit weiteren Rechtsrockkonzerten in ihrem Ort leben muss", erklärte Donald Dölle.

Hans Christian Anders vom Nienhagener Bürgerbündnis sagt dazu: "Hinsichtlich Konzerten in Nienhagen weiß ich derzeit noch nichts, sie werden sich aber aller Wahrscheinlichkeit nach nicht vermeiden lassen. Ich tippe traditionsgemäß wieder auf den Pfingstsonnabend." Für ihn sei es nur eine Frage der Zeit gewesen, dass Malina das Schloss samt Park in Groß Germersleben wieder veräußere. Aufgrund der bau- und wegerechtlichen Einschränkungen hätte Malina mit dem Objekt für Konzerte nicht viel anfangen können.