Er bellt laut, zuweilen spitz, aber in jedem Fall humorvoll, kritisch und selbstkritisch - der Walbsche Karnevals-Hund.

Walbeck l Dem Walbecker Karenvalsclub (WKC) ist gelungen, was die große Politik nicht vermag: friedlich Konflikte austragen und sie - zugegeben nicht sehr diplomatisch - dafür auf den Punkt genau zu benennen und auch mal durch den Kakao zu ziehen. Jana Hantke, die charmant durch den Abend führt, beginnt mit dem Liebesglück aus dem Allertal.

Fünf Paare, Dennis (Raschi) und Nicole, (DJ) Christian und Jenny, Andreas (Bubi) und Nancy, Dirk und Jessica sowie Nico und Miriam (Mimi), hatten sich im Vorjahr mehr oder weniger heimlich getraut, doch natürlich hatte die versteckte Kamera bei der Trauung zugeschlagen, denn "Standesbeamtin" Jana entlockte ihnen allen das entscheidende Ja-Wort.

Die 17 Mädchen und Jungen der Nachwuchs-Garde, der "Walbschen Hünde", tanzen zum Auftakt einen Gardemarsch, der das bunt kostümierte Publikum im ausverkauften Bürgerhaus "Ulrich Mühe" bereits zu ersten Begeisterungsstürmen hinreißt.

Aufs Korn nimmt Martin mit seinem prall gefüllten Wunderbüdel so allerlei Kurioses aus der Stadt Oebisfelde-Weferlingen und seinem Dorf. Dabei betont er zwar, kein Fan der "bekloppten fünften Jahreszeit" zu sein, aber das meint er natürlich nicht ernst, denn an diesem Abend hat Ortschef Martin Herrmann mal wieder einen Fulltimejob, mischt bei jeder zweiten Nummer mit.

Besonders ein Dorn im Auge war ihm ein Brief von Bürgermeisterin Silke Wolf, der ihm und seiner Frau Steffi fälsch- licherweise zur Goldenen Hochzeit gratuliert. "Ich weiß, ich sehe älter aus", wettert er, aber bei seiner Frau Steffi hätte man doch erkennen müssen, dass das nicht sein könne. Er wisse, er ist oft unbequem, vielleicht habe ja die Bürgermeisterin gehofft, dass der Martin so schneller in Rente geht.

"Ich weiß, wir sind ein Klotz am Bein, da braucht es nicht noch ein Querkopf zu sein", dichtet er im Hinblick auf die Sorgen um Domruine, Sportlerheim, Grenzturm und jetzt auch noch um die Allerbrücke.

Humorvoll und twistend entführen die "Powerfrauen" in die Zeit der 1960er und 1970er Jahre. "Rote Lippen soll man küssen", "Ich will keine Schokolade" und "Sugar sugar baby" entlocken den Gästen die ersten kräftigen Zugabe-Rufe des Abends. Es sollen nicht die letzten sein, denn die nachfolgenden Programmpunkte fordern immer wieder zu Wiederholungen heraus. Das Eis zum Schmelzen bringen "Cold as ice". Die jungen Tänzerinnen widmen sich ABBA und Queen.

Beim zweiten Auftritt des Abends entschlüpfen die "Walbecker Hünde" dem Ei, um beim Ententanz zu zeigen, dass sie trotz aller Neckerei alle eine große Familie sind.

In Schunkelstimmung versetzt das Walbecker "Allerlei" das ganze Bürgerhaus. Ihre Clownskostüme täuschen ein wenig über die Sangeskünste hinweg, wenn "Da steht ein Pferde auf dem Flur", "Viva la Mexico" oder der "Eiermann" astrein erklingen.

Brasilianisches Feuer im Jahr der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien bringt das Männerballett mit. Dabei lassen sich die heißblütigen Tänzerinnen gern einmal an die Wäsche fassen, um zu zeigen, dass alles echt ist. Dass Fußball-Urgesteine wie Jürgen Sparwasser oder Paul Seguin nicht mehr selbst dabei sein werden, stört die Walbecker nicht. Ihre Trikots erinnern beim Samba an die Legenden in den Stadien von einst.

Mit den Walbeckern "bellt" Weferlingens Hans-Werner Kraul. Als preußischer Offizier geht ihm allerdings so manches Zeitgeschehen mächtig gegen den Strich. Ob Steuerhinterziehung a la Bayern München, eine Verteidigungsministerin ohne Wehrerfahrung oder der Limburger Bischof - für ihn steht fest, dass es die alten Preußen ganz anders angepackt und ordentlich Strafen verhängt hätten.

Wie hartnäckig die Verwaltung eine Warnbarke in der Weferlinger Bäckerstraße aufstellen ließ, ohne dass die Straße mit Wasser gesegnet ist, nimmt er kräftig aufs Korn. Denn die Warnbake auf dem Gehweg (nicht auf der Straße) sollte lediglich warnen und nach Falschaufstellung nicht zum monatelangen Zankapfel zwischen Stadt und Kommune werden.

Heidi und Martin lassen wieder Einiges aus dem hei- mischen Klatschtopf vom Stapel, ebenso wie "3/8 uf`m Kessel", "Die Knaller von der Aller" und "Die toten Schlüpfer" die Stimmung am Sieden halten.

   

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