Unmut gibt es immer noch bei den Grundstücksbesitzern in Wegenstedt über zu zahlende Straßenausbaubeiträge. Auch nach den Erklärungen der Bauamtsleiterin haben viele Wegenstedter Widerspruch eingelegt.

Calvörde/Wegenstedt l In der Sitzung des Calvörder Gemeinderates am Donnerstagabend ging es noch einmal um die Berechnung der Straßenausbaubeiträge, die die Grundstücksbesitzer in Wegenstedt für den Bau der Landesstraße (L) 24 in Wegenstedt zahlen müssen.

Finanziert wird der etwa eine Million Euro teure Ausbau der L 24 mit Mitteln vom Land Sachsen Anhalt, von der Gemeinde Calvörde und den Grundstückseigentümern des Ortes, die in Form von wiederkehrenden Beiträgen (Solidarprinzip) zur Kasse gebeten werden. Das heißt, dass alle Grundstücksbesitzer an den Kosten beteiligt werden.

Die Bewohner von Wegenstedt sind verärgert, denn sie hatten Kostenvorentscheide bekommen, die viel höher ausfielen, als zuvor bei einer Einwohnerversammlung am 17. Juli 2013 angekündigt. Statt der anfänglichen 46 Cent je Quadratmeter Grundstücksfläche müssen die Eigentümer nun 74 Cent bezahlen. Grund für die Erhöhung waren nicht etwa gestiegene Baukosten, sondern ein Denkfehler bei der Berechnung der Verwaltung. Ursula Genz, Bauamtsleiterin der Verbandsgemeinde Flechtingen, entschuldigte sich in der vergangenen Woche bei einer Informationsveranstaltung bei den anwesenden Wegenstedtern für die Fehler der Verwaltung.

"Frau Genz hat in Wegenstedt sehr intensiv und sehr verständlich ein Stück Licht ins Dunkle gebracht. Sie wird auch die heutige Gemeinderatssitzung nutzen, um die Sachlage zu erklären", sagte Calvördes Bürgermeister Volkmar Schliephake (CDU).

"Ich gehe nicht davon aus, dass die Bürger in Wegenstedt meine Erklärungen verstanden haben, denn auch in der Folge der Veranstaltung gab es zuhauf Widersprüche. Die Bürger machen es sich leicht. Es werden lapidar Widersprüche geschrieben. Es wird aber nicht dargestellt, wieso, weshalb und warum. Die Begründung muss sich natürlich auf den Widerspruch beziehen", sagte die Bauamtsleiterin. Eigentlich müsste eine Gebühr für einen unbegründeten Widerspruchsbescheid bezahlt werden, weil es sich aber zuvor bei der Berechnung um Fehler der Verwaltung handelte, werden keine Gebührenbescheide verschickt. Ursula Genz versicherte, dass sie den Ärger der Wegenstedter verstehe. Aber Fehler würden nun einmal überall passieren, wo Menschen arbeiten. Andererseits müssten die Wegenstedter noch froh sein, dass sie nicht viel höhere Beträge zahlen müssen. In anderen Orten würden die Eigentümer oft das Fünffache an Straßenausbaubeiträgen zahlen. Sie bedauerte auch, dass die Wegenstedter zu ihren Bescheiden keinen Brief zur Erläuterung bekommen hatten. Sie bot an, dass Grundstücksbesitzer, die Fragen zu ihren Bescheiden haben, sich im Bauamt einen Termin zur Erläuterung holen können.

"Setzen Sie sich bitte dafür ein, dass diese Straßen bei den laufenden Baumaßnahmen nicht zu arg in Mitleidenschaft gezogen werden!"

Gerhard Reinecke, Mitglied im Gemeinderat Calvörde

Als richtig bezeichnete Gemeinderat Gerhard Reinecke (CDU), ehemaliger Bürgermeister von Wegenstedt, dass es die Veranstaltung in Wegenstedt gab, um Klarheit in den Zahlendschungel zu bringen. "Ich finde es schade, dass Sie, Frau Genz, sagen, dass die Wegenstedter Ihre Erklärungen nicht verstanden haben. Es mögen einige nicht verstanden haben, aber wenn es alle nicht begriffen hätten, dann hätten ja alle Widerspruch eingelegt", so Reinecke.

Er appellierte, nicht nach hinten, sondern nach vorn zu schauen. "Die Bauarbeiten sind nach der Winterpause wieder in Gang. Die Vollsperrung wurde aktiviert. Die Neue Straße und der Wiesenweg werden jetzt wieder sehr stark - von den Kraftfahrern, die sich nicht an die Umleitung halten - befahren. Setzen Sie sich bitte dafür ein, dass diese Straßen bei den laufenden Baumaßnahmen nicht zu arg in Mitleidenschaft gezogen werden!", forderte Reinecke. Sonst könne es passieren, dass bald wieder Beiträge kassiert werden, um die Sanierung der Neuen Straße und des Wiesenweges zu finanzieren.